Leis­tungs­sport­ler ha­ben oft er­staun­lich schlech­te Zäh­ne

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESUNDHEIT - VON JÖRG ZITT­LAU

LON­DON Als das Me­di­zi­ner­team des Lon­do­ner Uni­ver­si­ty Col­le­ge für die Olym­pi­schen Spie­le 2012 be­auf­tragt wor­den war, wa­ren die Ärz­te auf al­le mög­li­chen Vor­fäl­le vor­be­rei­tet. Doch als sich die Zahn­schmer­zen als zweit­häu­figs­ter Grund ei­ner Kon­sul­ta­ti­on her­aus­stell­ten, wa­ren sie über­rascht. 18 Pro­zent der Pa­ti­en­ten hat­ten da­mit so­gar sol­che star­ken Pro­ble­me, dass sie ih­re Leis­tung be­ein­flusst sa­hen.

In ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Re­cher­che be­stä­tig­te sich, dass Ge­biss­pro­ble­me ty­pisch für Spit­zen­sport­ler sind. Dem­nach ha­ben et­wa 50 Pro­zent von ih­nen min­des­tens ein be­hand­lungs­be­dürf­ti­ges Ka­ries­loch und 75 Pro­zent ei­ne Zahn­flei­schent­zün­dung. Wenn man be­denkt, dass Spit­zen­sport­ler meist nicht äl­ter als 35 Jah­re sind, ist das im Ver­hält­nis zu an­de­ren Men­schen die­ser Al­ters­grup­pe viel zu hoch.

Doch so leicht man aus­ge­schla­ge­ne Zäh­ne bei Kampf- und Ball­sport­ar­ten er­klä­ren kann, so bleibt doch die Fra­ge nach den Ur­sa­chen der er­höh­ten Ka­ries- und Par­odon­ti­tisAn­fäl­lig­keit der Ath­le­ten. Ei­ne Ur­sa­che sei, so ver­mu­tet Stu­di­en­lei­ter Ian Need­le­man, dass die kör­per­li­che Ver­aus­ga­bung und auch der Wett­kampfs­tress den Kör­per so ent­wäs­ser­ten, dass der Mund aus­trock­net – und oh­ne an­ti­bio­ti­schen Spei­chel ha­ben Bak­te­ri­en leich­tes Spiel.

Ei­ne wei­te­re Ur­sa­che sei, dass Sport­ler ih­ren ho­hen Ener­gie­be­darf vor al­lem mit koh­len­hy­drat-, sprich: zu­cker­las­ti­ger Nah­rung de­cken. Als pro­ble­ma­tisch sieht Need­le­man die Ener­gy-Drinks, die für ein Zu­cker­bad der Zäh­ne sor­gen. „Wer viel von die­sen Ge­trän­ken kon­su­miert, soll­te mehr als an­de­re auf re­gel­mä­ßi­ge Mund­spü­lun­gen und Zahn­pas­ten mit ho­hem Fluo­ridge­halt ach­ten“, mahnt der Zahn­me­di­zi­ner.

Das Pro­blem ist, dass die Mund­hy­gie­ne im Leis­tungs­sport kei­ne son­der­li­che Rol­le spielt. Die me­di­zi­nisch gro­ße Be­treu­ung kreist um Mus­keln, Ge­len­ke und an­de­re Be­rei­che des Be­we­gungs­ap­pa­rats, der ei­ne oder an­de­re Sport­ler hat viel­leicht noch ei­nen Er­näh­rungs­be­ra­ter und Psy­cho­lo­gen im Team. Aber auf die Zäh­ne ach­tet kei­ner. Bei den Olym­pi­schen Spie­len in Lon­don ga­ben 46,5 Pro­zent der be­han­del­ten Teil­neh­mer zu, im ver­gan­ge­nen Jahr kei­nen Zahn­arzt auf­ge­sucht zu ha­ben.

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