Bun­des­wehr an der Sei­te As­sads?

Die An­ti-IS-Mis­si­on mit 1200 deut­schen Sol­da­ten soll noch die­se Wo­che den Bun­des­tag pas­sie­ren. Zu­gleich stellt sich die Fra­ge, ob man auch mit dem sy­ri­schen Macht­ha­ber ko­ope­rie­ren will, wenn man ge­gen des­sen Fein­de kämpft.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ UND EVA QUADBECK

BER­LIN Wie hält es Deutsch­land mit Sy­ri­ens Macht­ha­ber Ba­schar al As­sad? Der schon in we­ni­gen Ta­gen star­ten­de Bun­des­wehr-Ein­satz im Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz des so­ge­nann­ten Is­la­mi­schen Staa­tes (IS) ge­schieht zwar auf Wunsch Frank­reichs und ist ein­ge­bun­den in ein Bünd­nis von 64 Staa­ten, doch die span­nen­de Fra­ge bleibt, ob die Al­li­anz As­sads Ar­mee als mehr oder we­ni­ger ver­bün­de­te Bo­den­trup­pe ge­gen den IS be­trach­tet.

„As­sad muss end­lich die Fass­bom­ben­an­grif­fe auf die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung ein­stel­len“, sagt Uni­ons­frak­ti­ons-Vi­ze Franz Jo­sef Jung. Des­halb stel­le sich die Fra­ge ei­ner Zu­sam­men­ar­beit nicht. Auch für SPD-Au­ßen­ex­per­te Niels An­nen „kommt ei­ne Ko­ope­ra­ti­on erst nach dem Ab­gang von As­sad in­fra­ge“.

Doch zu­vor hat­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en in ei­nem Gastbeitrag für die „Bild“Zei­tung kei­ne Ein­schrän­kun­gen ge­macht. Wo al­le ein In­ter­es­se am Er­folg hät­ten, fän­den sich auch mo­ti­vier­te „lokale Bo­den­trup­pen“ge­gen den IS. „Das zei­gen die Kur­den, Tei­le der ira­ki­schen Ar­mee und auch vie­le tap­fe­re Sy­rer“, hielt die Mi­nis­te­rin fest. SPD-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Rai­ner Ar­nold sprang ihr bei: „Es ist rich­tig, für den Neu­auf­bau des Lan­des und für den nach­hal­ti­gen Kampf ge­gen den IS auch mit As­sads Trup­pen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten“, sag­te er un­se­rer Re­dak­ti­on. Das ste­he noch nicht di­rekt auf der Agen­da, und „per­spek­ti­visch“ge­be es für Sy­ri­en kei­ne Zu­kunft mit As­sad und sei­nem Fa­mi­li­en-Clan.

Ein Spre­cher des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums stell­te zu­dem klar: „Jetzt wird es kei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit As­sad ge­ben und auch kei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit Trup­pen un­ter As­sad.“Den­noch hat­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­reits be­kannt, dass zur Be­frie­dung Sy­ri­ens „auch mit As­sad“ge­spro­chen wer­den müs­se. Zu­dem sieht das Kon­zept des Wie­ner Frie­dens­pla­nes vor, dass noch in die­sem Jahr Ver­hand­lun­gen zwi­schen der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on und aus­drück­lich auch As­sad be­gin­nen, die auf die Bil­dung ei­ner Über­gangs­re­gie­rung ge­rich­tet sind.

Dann läuft die Bun­des­wehr-Mis­si­on längst, die bis En­de nächs­ten Jah­res bis zu 1200 Sol­da­ten um­fas­sen und rund 134 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten soll. Meh­re­re Hun­dert Sol­da­ten sind für ei­ne Fre­gat­te vor­ge­se- hen, die den fran­zö­si­schen Flug­zeug­trä­ger „Charles de Gaul­le“vor An­grif­fen schüt­zen soll. In der Tür­kei oder auch in Jor­da­ni­en wer­den Tor­na­do-Auf­klä­rungs­jets sta­tio­niert, die die Ak­ti­vi­tä­ten des IS in den von ihm be­setz­ten Re­gio­nen in Sy­ri­en und im Irak kon­trol­lie­ren und die Da­ten der Al­li­anz für Luft­an­grif­fe zur Ver­fü­gung stel­len sol­len. Auch an der Luft­be­tan­kung der al­li­ier­ten Ein­satz­flug­zeu­ge wird sich die Bun­des­wehr be­tei­li­gen und zur Ko­or­di­nie­rung Ver­bin­dungs­of­fi­zie- re in die in­ter­na­tio­na­len Stä­be in der Re­gi­on ent­sen­den.

Den An­trag zum „Ein­satz be­waff­ne­ter deut­scher Streit­kräf­te zur Ver­hü­tung und Un­ter­bin­dung ter­ro­ris­ti­scher Hand­lun­gen durch die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on IS“will die Bun­des­re­gie­rung heu­te be­schlie­ßen und bis Frei­tag auch durch den Bun­des­tag brin­gen. So­wohl die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit in der Re­gi­on als auch die Aus­bil­dung von kur­di­schen Pe­schmer­ga und Je­si­den für den Kampf ge­gen den IS sol­len „sub­stan­zi­ell“aus­ge­wei­tet wer­den.

Gleich­zei­tig ver­si­chert die Re­gie­rung, die fran­zö­si­schen Streit­kräf­te zu ent­las­ten, in­dem die Bun­des­wehr in Ma­li „stär­ke­re Ver­ant­wor­tung“über­neh­me. Zu­dem rich­tet sich Deutsch­land dar­auf ein, me­di­zi­ni­sche So­fort­hil­fe zu leis­ten, falls es zu „wei­te­ren Groß­scha­dens­er­eig­nis­sen in Frank­reich“kom­me.

Als „klug und an­ge­mes­sen“wer­tet Uni­ons-Au­ßen­ex­per­te Jür­gen Hardt das Man­dat. Auch die Rechts­grund­la­ge sei „ein­deu­tig und aus­rei­chend“. Da­für lis­tet die Re­gie­rung so­wohl die Selbst­ver­tei­di­gung nach der UN-Char­ta als auch die Bei­stands­pflicht nach EU-Ver­trag auf und er­wähnt UN-Re­so­lu­tio­nen ein­schließ­lich der vom 20. No­vem­ber. In der wer­den „al­le ge­eig­ne­ten Maß­nah­men“für statt­haft er­klärt, um den IS ein­zu­däm­men und zu­rück­zu­drän­gen.

Uni­on, SPD und Grüne si­gna­li­sie­ren für die Schluss­run­de am Frei­tag ih­re Zu­stim­mung. Al­ler­dings ver­langt Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir vor der Ab­stim­mung des Bun­des­ta­ges ei­ne kla­re Po­si­tio­nie­rung der Bun­des­re­gie­rung zur As­sad-Fra­ge. Der Kampf ge­gen den IS kön­ne nicht er­folg­reich sein, „wenn wir uns mit As­sad und sei­nen Scher­gen ge­mein ma­chen“, so Öz­de­mir im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. As­sads „Mör­der­ban­den“sei­en die Haupt­flucht­ur­sa­che. „Es wä­re fa­tal, sie als Bo­den­trup­pe des Wes­tens ein­zu­set­zen“, er­klär­te Öz­de­mir.

FOTO: DPA

Ge­stat­ten: die neu­en Ver­bün­de­ten? Sol­da­ten der sy­ri­schen Ar­mee im Früh­jahr 2014 auf der Kreuz­fah­rer­burg Krak des Che­va­liers im Wes­ten Sy­ri­ens. Die Ar­mee hat­te die An­la­ge aus dem 12. Jahr­hun­dert zu­vor von Is­la­mis­ten zu­rück­er­obert.

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