Po­li­ti­ker wol­len ge­walt­tä­ti­ge Flücht­lin­ge aus­wei­sen las­sen

An­ge­sichts der Mas­sen­schlä­ge­rei­en in Ber­lin kri­ti­sie­ren die Grü­nen die Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen. In Neuss schoss die Po­li­zei so­gar.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ UND KI­LI­AN TRESS

BER­LIN/DÜSSELDORF Nach Aus­ein­an­der­set­zun­gen un­ter Flücht­lin­gen mit zahl­rei­chen Ver­letz­ten setzt die Bun­des­po­li­tik dar­auf, dass die Be­hör­den die Si­tua­ti­on mit bes­se­rer Un­ter­brin­gung, in­ten­si­ve­rer Schu­lung so­wie Be­stra­fung und Ab­schie­bung in den Griff be­kom­men. Am Wo­che­n­en­de war in Ber­lin ein Groß­auf­ge­bot von 120 Po­li­zis­ten nö­tig, um ei­ne Mas­sen­schlä­ge­rei im Han­gar des ehe­ma­li­gen Flug­ha­fens Tem­pel­hof zu be­en­den. 500 Men­schen le­ben dort auf engs­tem Raum. Bei der Es­sens­aus­ga­be wa­ren mehr als 100 Be­woh­ner an­ein­an­der­ge­ra­ten. Zu­vor hat­te es be­reits ei­ne Mas­sen­schlä­ge­rei in ei­ner Un­ter­kunft in Ber­lin-Span­dau ge­ge­ben. In der Nacht zu Mon­tag gin­gen dann in It­ze­hoe in Schles­wig-Hol­stein jün­ge­re Män­ner aus Af­gha­nis­tan und Sy­ri­en auf­ein­an­der los.

„Klar ist, dass die­je­ni­gen, die sol­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­ur­sa­chen, straf­recht­lich zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den müs­sen“, sag­te SPD-In­nen­ex­per­te Burk­hard Lisch­ka. Die Ko­ali­ti­on ha­be be­reits die ge­setz­li­chen Mög­lich­kei­ten ge­schaf­fen, dass die Tä­ter leich­ter aus­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Ber­lins In­nen­se­na­tor Frank Hen­kel (CDU) re­agier­te mit schär­fe­ren Wor­ten. Wer sich nicht an die Re­geln hal­te, für den ge­be es „auch an­de­re Un­ter- künf­te – mit ver­rie­gel­ten Tü­ren und Fens­tern“, sag­te er.

Die Grü­nen-In­nen­ex­per­tin Lui­se Amts­berg nimmt die Men­schen in Schutz: „Sie sind nicht schlecht, son­dern die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen sie hier der­zeit noch le­ben müs­sen“, sag­te sie un­se­rer Re­dak­ti­on. Ide­al sei ei­ne de­zen­tra­le Un­ter­brin­gung, die auch auf die Trau­ma­ta der Flücht­lin­ge ein­ge­he.

So macht es zum Bei­spiel die Stadt Düsseldorf. Die et­wa 6100 Flücht­lin­ge sind auf über 50 Un­ter­künf­te in der Stadt ver­teilt und wer­den 24 St­un­den am Tag be­treut. Zwi­schen­fäl­le ge­be es zwar auch hier, „aber kei­ne in ei­nem sol­chen Aus­maß wie in Ber­lin“, sagt die Flücht­lings­be­auf­tra­ge Mi­ri­am Koch (Grüne). Die Men­schen sei­en nicht Tag für Tag zu­sam­men­ge­pfercht, son­dern hät­ten meist ei­nen durch ei­ne Tür ab­trenn­ba­ren Raum für sich. „Das bie­tet Pri­vat­sphä­re, um sich er­ho­len zu kön­nen. Dann es­ka- lie­re die Si­tua­ti­on auch nicht we­gen ei­nes klei­nen Schubsers bei der Es­sens­aus­ga­be“, re­sü­miert Koch.

Aber nicht übe­r­all in Nord­rheinWest­fa­len ist die Si­tua­ti­on ent­spannt. In Neuss ha­ben zu­letzt Po­li­zis­ten ei­nen Asyl­be­wer­ber aus Ma­rok­ko nur durch ei­nen Schuss ins Bein un­ter Kon­trol­le brin­gen kön­nen. Er hat­te zu­vor im Kran­ken­haus, in das er we­gen ei­ner an­ste­cken­den Krank­heit ver­legt wor­den war, ge­wü­tet und Ärz­te an­ge­grif­fen.

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