„Der Is­la­mi­sche Staat ist ei­ne Mör­der­ban­de“

Kölns Erz­bi­schof Wo­el­ki sprach beim Stän­de­haus-Treff über die Flücht­lings­kri­se und den Ter­ror.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON LOTHAR SCHRÖDER

DÜSSELDORF Pro­ble­me mit Gott gab es an die­sem Abend nur ein ein­zi­ges Mal: als näm­lich Rai­ner Ma­ria Kar­di­nal Wo­el­ki die gleich­na­mi­ge Kunst­schau („The Pro­blem of God“) im al­ten Düs­sel­dor­fer Stän­de­haus – heu­te K21 – be­such­te und an­se­hen konn­te, wie zeit­ge­nös­si­sche Künst­ler sich mit dem Glau­ben oft nicht ge­ra­de zim­per­lich aus­ein­an­der­set­zen. Ei­ne Nä­he zum ei­ge­nen Wir­ken er­kann­te der 59-jäh­ri­ge Erz­bi­schof den­noch: Kir­che und Glau­be – ähn­lich wie die Kunst – ma­chen das Un­sicht­ba­re sicht­bar.

Ei­ne Art Pro­log war das für den an­schlie­ßen­den Pro­mi­nen­ten-Treff im Stän­de­haus, bei dem sich der Erz­bi­schof vor gut 500 Gäs­ten den Fra­gen von RP-Chef­re­dak­teur Micha­el Brö­cker stell­te. Na­tür­lich muss­te es da­bei zu­nächst über die gro­ße Zahl der Flücht­lin­ge ge­hen – ein The­ma, des- sen sich Wo­el­ki schon früh und als ei­ner der ers­ten Bi­schö­fe hier­zu­lan­de an­ge­nom­men hat. Die­ses Dra­ma sei auch die Fol­ge von ge­walt­vol­len Kon­flik­ten, die nicht sel­ten im Na­men Got­tes ge­führt wer­den. „Auch das Chris­ten­tum hat frü­her nicht im­mer das bes­te Bei­spiel ab­ge­ge­ben“, sag­te Wo­el­ki. Al­ler­dings sind die Chris­ten durch die Auf­klä­rung ge­gan­gen und ha­ben viel ge­lernt. Den Is­la­mi­schen Staat nann­te Wo­el­ki ei­ne „Mör­der­ban­de“, die es auch mit Ge­walt zu be­kämp­fen gel­te. Noch am Mor­gen war Wo­el­ki ju­gend­li­chen Flücht­lin­gen be­geg­net, de­nen der Is­lam in­zwi­schen su­spekt ge­wor­den sei und die sich jetzt für das Chris­ten­tum in­ter­es­sier­ten.

Aber es kä­men auch nicht nur „Pas­to­ren­töch­ter“zu uns, räum­te Wo­el­ki ein. Ei­ne Ter­ror­ge­fahr? Al­le, die hier­her­kom­men, soll­ten sich den Wer­ten un­se­rer Ge­sell­schaft un­ter­ord­nen. „Das ist die Ba­sis un­se­res Zu­sam­men­le­bens, aber es funk­tio­niert nur mit Re­spekt und gro­ßer To­le­ranz auch den An­ders­gläu­bi­gen ge­gen­über“, sag­te Wo­el­ki. Angst vor ei­ner zu­neh­men­den Is­la­mi­sie­rung sei aber nicht ge­recht­fer­tigt. Da­für gab es Ap­plaus im Stän­de­haus. Ein an­de­res Bild in den so­zia­len Me­di­en: Dort muss­te sich Wo­el­ki zu­letzt den Vor­wurf ge­fal­len las­sen, er wol­le mit sei­ner Hal­tung das christ­li­che Abend­land ab­schaf­fen.

Aber schafft sich die ka­tho­li­sche Kir­che mit zu­neh­men­der Glau­bens­mü­dig­keit und mit dem Aus­schluss von Frau­en in ho­hen, auch Wei­he­äm­tern nicht selbst ab? Ho­he Äm­ter ja, Wei­he­äm­ter nein, sag­te Wo­el­ki: „Wir wis­sen uns un­ter ein gött­li­ches Ge­bot ge­stellt, nach dem das Wei­he­sa­kra­ment nur Män­nern vor­be­hal­ten ist.“

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