Der Yuan soll zur Leit­wäh­rung wer­den

Die chi­ne­si­sche Wäh­rung wird in den IWF-Welt­wäh­rungs­korb auf­ge­nom­men – ein Zei­chen für wach­sen­de Be­deu­tung. Im in­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­ver­kehr ist der Yuan in­des noch ei­ne klei­ne Num­mer. Und er ist noch nicht frei han­del­bar.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

WA­SHING­TON/PE­KING (dpa) Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) will den chi­ne­si­schen Yuan als fünf­te Wäh­rung in den Welt-Wäh­rungs­korb auf­neh­men. Der Yuan wür­de dann in ei­ner Li­ga spie­len mit dem US-Dol­lar, dem bri­ti­schen Pfund, dem Eu­ro und dem ja­pa­ni­schen Yen. Die wich­tigs­ten Fra­gen zur Auf­nah­me in den IWF-Wäh­rungs­korb: Was be­deu­tet die Auf­nah­me des Yuan kon­kret? Soll­te sich der IWF-Exe­ku­tiv­rat für die Auf­nah­me ent­schei­den, wä­re der Yuan die fünf­te Welt­re­ser­ve­wäh­rung. Die Wäh­run­gen des IWFKor­bes bil­den zu­sam­men – un­ter­schied­lich ge­wich­tet – ei­ne Art Kunst­wäh­rung, die so­ge­nann­ten Son­der­zie­hungs­rech­te (SZR). Sie dient dem Wäh­rungs­fonds als Be­rech­nungs­grund­la­ge et­wa für in­ter­na­tio­na­le Fi­nanz­hil­fen. Bei der Ge­wich­tung geht die Auf­nah­me des Yuan zu­las­ten der an­de­ren vier Wäh­run­gen, ver­mut­lich vor al­lem auf Kos­ten des ja­pa­ni­schen Yen. Wird es ra­sche Ve­rän­de­run­gen an den Fi­nanz­märk­ten ge­ben? Nein. Es gibt zwar Ex­per­ten, die in der IWF-Maß­nah­me ei­ne Zei­ten­wen­de und das En­de der Do­mi­nanz des Dol­lar se­hen. Aber dies – falls es pas­siert – wür­de nicht all­zu schnell ein­tre­ten. Die Auf­nah­me des Yuan wird ver­mut­lich erst im Herbst 2016 in Kraft tre­ten. Die Märk­te ha­ben al­so lan­ge Zeit, sich dar­auf ein­zu­stel­len. Schon jetzt buh­len Fi­nanz­me­tro­po­len wie Lon­don und Frankfurt dar­um, Han­dels­zen­trum für den Yuan zu wer­den. In der Lon­do­ner Ci­ty ge­hö­ren Chi­ne­sisch-Kur­se schon seit Län­ge­rem zu den meist­nach­ge­frag­ten Fremd­spra­chen-Un­ter­richts­for­men. Wie will Chi­na den Yuan zur Welt­wäh­rung ma­chen? Ähn­lich wie im glo­ba­len Han­del will Chi­na an den Fi­nanz­märk­ten den USA de­ren Vor­macht­stel­lung strei­tig ma­chen. Den Auf­bau des Yuan zu ei­nem ernst­zu­neh­men­den Dol­lar-Kon­kur­ren­ten treibt Pe­king des- halb schon seit Jah­ren vor­an. Seit 2009 hat die Volks­re­pu­blik mehr als 30 so­ge­nann­te Swap-Ab­kom­men mit Na­tio­nen vor al­lem in Asi­en und Afri­ka ge­schlos­sen, mit de­nen sie nun ih­ren Han­del di­rekt in den Lan­des­wäh­run­gen ab­wi­ckeln kann. Wie wich­tig ist der Yuan bis­her für den glo­ba­len Zah­lungs­ver­kehr? In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat die Wäh­rung ei­ne ra­san­te Auf­hol­jagd hin­ge­legt: Im Au­gust 2012 lag der Yuan noch auf Platz zwölf der glo­ba­len Zah­lungs­mit­tel. Mitt­ler­wei­le schafft er es auf Platz vier der meist­ge­han­del­ten Wäh­run­gen. Im Ver­gleich zum Top-Trio ist der Yuan al­ler­dings noch ein Zwerg: Zu­letzt wur­den 2,79 Pro­zent der in­ter­na­tio­na­len Zah­lun­gen in der chi­ne­si­schen Wäh­rung ab­ge­wi­ckelt. Der Dol­lar hat­te ei­nen An­teil von 44,8, der Eu­ro von 27,2 und das bri­ti­sche Pfund von 8,5 Pro­zent. Was fehlt dem Yuan noch für den gro­ßen Durch­bruch?

Wie Dol­lar und Eu­ro muss der Yuan völ­lig frei han­del­bar sein. Das ist bis­her nur be­dingt der Fall. Wie sehr der Kurs der Wäh­rung schwan­ken darf, dar­über ent­schei­det zu ei­nem gro­ßen Teil noch der Staat. Al­ler­dings will Pe­king das än­dern. Ei­ni­ge Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass Chi­na schon im nächs­ten Fünf-Jah­res­plan, der 2016 in Kraft tritt, ei­nen kom­plett frei­en Han­del des Yuan fest­le­gen könn­te. Bringt ein frei han­del­ba­rer Yuan auch Ri­si­ken mit sich? Für Chi­nas Wirt­schaft schon. Soll­ten in­ter­na­tio­na­le In­ves­to­ren nach ei­ner Frei­ga­be des Yuan mas­siv auf ei­ne stei­gen­de Wäh­rung spe­ku­lie­ren, könn­ten in kür­zes­ter Zeit rie­si­ge Men­gen Geld ins Land flie­ßen, was die Ge­fahr von Spe­ku­la­ti­ons­bla­sen er­hö­hen wür­de. An­de­rer­seits könn­te ein frei kon­ver­ti­bler Yuan auch da­zu füh­ren, dass aus Sor­ge um die chi­ne­si­sche Wirt­schaft gro­ße Men­gen Ka­pi­tal ab­flie­ßen. Auch das wür­de der Wirt­schaft scha­den.

FOTO: DPA

100-Yuan-Schei­ne

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