„Mein Herz ist noch be­reit, mein Kör­per nicht mehr“

Ko­be Bryant ist der größ­te Bas­ket­bal­ler nach Micha­el Jor­dan. Am Sai­son­en­de be­en­det er sei­ne Kar­rie­re – nach 20 Jah­ren in der NBA.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON GI­AN­NI COS­TA

LOS ANGELES/DÜSSELDORF Es gibt die Ar­bei­ter. Es gibt die Künst­ler. Und es gibt Ko­be Bryant. Die­ser Mann ist ei­ne Le­gen­de. Er hat Basketball auf ei­ne ganz spe­zi­el­le Wei­se in­ter­pre­tiert. Be­ses­sen vom Spiel, be­seelt von dem Wunsch, mit ma­xi­ma­ler Läs­sig­keit ans Tag­werk zu ge­hen. Er ist jetzt 37 Jah­re alt. Zur­zeit spielt er sei­ne 20. Sai­son in der nord­ame­ri­ka­ni­schen Pro­fi­li­ga NBA. Es soll sei­ne letz­te sein. Er hät­te die­se Nach­richt ein­fach auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz ver­kün­den kön­nen, ver­mut­lich wä­ren ein paar Trä­nen ge­kul­lert, sehr wahr­schein­lich hät­te man ihn nach al­ler­lei An­ek­do­ten ge­fragt. Aber hät­te er so an­ge­mes­sen er­klä­ren kön­nen, was ihm die­ser Sport be­deu­tet hat?

„Lie­ber Basketball“, schreibt Bryant, „es ist Zeit, Good­bye zu sa­gen.“So heißt es in der Ab­schieds­er­klä­rung von ihm. Es ist ein Ge­dicht, 49 Zei­len, ei­ne Lie­bes­er­klä­rung an Basketball. Beim letz­ten Heim­spiel der Los Angeles La­kers fand je­der der 18.997 Zu­schau­er ge­gen die In­dia­na Pa­cers ei­nen Brief an sei­nem Platz. Vol­ler Dank­bar­keit ver­kün­det Bryant, war­um es Zeit ist, Schluss zu ma­chen. „Ihr al­le habt ei­nem sechs­jäh­ri­gen Jun­gen einst den Traum von ei­ner Kar­rie­re bei den Los Angeles La­kers ge­schenkt, ich wer­de euch im­mer da­für lie­ben. Aber ich kann nicht mehr. Mein Ver­stand kann noch, mein Herz so­wie­so, aber mein Kör­per sagt Nein.“

Bryant ist der größ­te Spie­ler in der NBA – nach Micha­el „Air“Jor­dan. Seit 1996 spielt er un­un­ter­bro­chen für die La­kers. Er ist das Ge­sicht des Teams. Doch zu­letzt glänz­te er vor al­lem als Wer­be­fi­gur. Im­mer öf­ter brems­te ihn sein Kör­per mit Ver­let­zun­gen aus, die sport­li­chen Er­fol­ge wur­den sel­te­ner. Nach schwe­ren Ver­let­zun­gen, im Ja­nu­ar warf ihn ei­ne Ope­ra­ti­on an der rech­ten Schul­ter zu­rück, ist er längst nicht mehr der Al­te. Auch in den bei­den Jah­ren zu­vor fiel er über Mo­na­te aus. Den per­fek­ten Ab­sprung hat er al­so ver­passt, im­mer­hin wählt er nun we­nigs­tens ei­ne Va­ri­an­te mit Stil.

„17-ma­li­ger All­star, wert­volls­ter Spie­ler der Sai­son, fünf­ma­li­ger NBA-Meis­ter mit den La­kers, zwei­ma­li­ger Olym­pia­sie­ger, ei­ne un­nach­gie­bi­ge Ar­beits­mo­ral. Ko­be Bryant ist ei­ner der größ­ten Spie­ler in der Ge­schich­te un­se­res Sports“, wür­digt NBA-Boss Adam Sil­ver die Leis­tun­gen von Bryant. „Ko­bes Lie­be zum Spiel ist be­din­gungs­los.“Ma­gic John­son, eben­falls ei­ner der Gro­ßen bei den La­kers, sagt: „Es wird nie wie­der ei­nen wie Ko­be Bryant ge­ben. Kei­ner ist Micha­el Jor­dan so na­he ge­kom­men wie er.“

Die La­kers ver­lie­ren ei­nen gro­ßen Na­men. Es ist aber für den Klub die Chan­ce für ei­nen Neu­an­fang. Denn Bryant war nie, wie zum Bei­spiel Dirk No­witz­ki bei den Dal­las Ma­ve­ricks, be­reit, per­sön­lich Ab­stri­che zu ma­chen. Die Ge­halts­ober­gren­ze in der NBA schränkt die Hand­lungs­fä­hig­keit der Teams enorm ein. Mit ei­nem Ge­halt von 25 Mil­lio­nen Dol­lar (um­ge­rech­net 23,6 Mil­lio­nen Eu­ro) ist Bryant der best­be­zahl­te Spie­ler der Li­ga, teu­rer als LeBron Ja­mes (23,0/Cleve­land Ca­va­liers) und viel teu­rer als Über­flie­ger Ste­phen Curry (11,4/Gol­den Sta­te War­ri­ors).

Mit Bryant kann man da­für viel Geld ver­die­nen. Nach der An­kün­di­gung sei­nes Rück­tritts sind die Ti­cket­prei­se in die Hö­he ge­schnellt – im Durch­schnitt kos­tet ei­ne Kar­te rund 1000 Dol­lar.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.