Städ­te sind Ver­lie­rer des RWE-De­als

Am 11. De­zem­ber be­rät der Auf­sichts­rat die Auf­spal­tung. Hier wol­le RWE-Chef Te­ri­um not­falls mit Rück­tritt dro­hen, wenn die Kom­mu­nen sich sträu­ben, heißt es. Die Städ­te blei­ben auf den dar­ben­den Kraft­wer­ken sit­zen. Ei­ne Analyse. Die Der neue Kon­zern

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING

ES­SEN Ei­gent­lich hat­te RWE-Chef Pe­ter Te­ri­um sich sei­nen Coup ganz an­ders vor­ge­stellt: Am 11. De­zem­ber soll­te der Auf­sichts­rat sei­ne Plä­ne für ei­ne ra­di­ka­le Kehrt­wen­de be­ra­ten und be­schlie­ßen. Bis da­hin wä­re noch Zeit ge­we­sen, um al­le zu über­zeu­gen. Doch nach­dem ges­tern sein Plan durch­ge­si­ckert und der Ak­ti­en­kurs in die Hö­he ge­schnellt war, muss­te er sich er­klä­ren. Oh­ne grü­nes Licht des Auf­sichts­ra­tes zu ha­ben, ging Te­ri­um an die Öf­fent­lich­keit und er­läu­ter­te, wie sich der Kon­zern auf­spal­tet. Wie sieht die neue Ge­sell­schaft aus? In die­see sol­len das Ökostrom-Ge­schäft (In­no­gy), das sta­bi­le Netz­ge­schäft und das Ver­triebs­ge­schäft auf­ge­hen, das dank treu­er Strom­kun­den ho­he Ge­win­ne ab­wirft. Das neue Un­ter­neh­men steht für 40.000 Mit­ar­bei­ter, 40 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz und vier Mil­li­ar­den Eu­ro Ge­winn. Als Chef ist laut Kon­zern­krei­sen Te­ri­um selbst im Ge­spräch.

Bis En­de 2016 will RWE zehn Pro­zent der neu­en Ge­sell­schaft per Ka­pi­tal­er­hö­hung an die Bör­se brin­gen. Der Er­lös soll zur Hälf­te in Wachs­tums­ge­schäf­te in­ves­tiert wer­den. „Wir öff­nen ei­ne neue Tür zum Ka­pi­tal­markt“, sag­te Te­ri­um. Auf Dau­er will RWE wei­te­re Ak­ti­en­pa­ke­te ver­kau­fen. Lang­fris­tig will der Kon­zern aber ei­nen An­teil von 51 Pro­zent be­hal­ten. Doch sol­che Aus­sa­gen las­sen sich eben­so schnell kas­sie­ren wie die An­sa­ge von Au­gust, man stre­be kei­ne Auf­spal­tung an. Was wird aus RWE? Die RWE AG be­hält al­le Pro­blem­ge­schäf­te wie die Strom­er­zeu­gung aus Koh­le und Gas so­wie die Atom­mei­ler, zu­dem das Han­dels­ge­schäft. In der al­ten RWE blei­ben knapp 20.000 Mit­ar­bei­ter (wo­bei wei­te­rer Stel­len­ab­bau pro- gram­miert ist) und die Atom­rück­stel­lun­gen in Hö­he von zehn Mil­li­ar­den Eu­ro. Als Chef die­ses Un­ter­neh­mens wird in Kon­zern­krei­sen über die RWE-Ma­na­ger Rolf Mar­tin Schmitz und Mat­thi­as Har­tung spe­ku­liert. Was macht RWE an­ders als Eon? RWE will die aus­sichts­rei­chen Ge­schäf­te ab­spal­ten, Eon die schwie­ri­gen (und zwar in die Toch­ter Uni­per). Der Na­me RWE steht künf­tig für Alt­ge­schäf­te, der Na­me Eon für Neu­ge­schäf­te. Al­ler­dings hat die neue Eon den Ma­kel, dass an ihr auch die Atom­kraft hängt. Der ers­te Ver­such, die Mei­ler in Uni­per aus­zu­la­gern, war auf Druck der Po­li­tik ge­schei­tert. Das ist ein Punkt für RWE. An­ders als Eon muss sich RWE näm­lich nicht mit dem Staat um die Nach­haf­tungs­pflich­ten strei­ten. „Wir wer­den uns der Ver­ant­wor­tung für Koh­le und Atom­kraft nicht ent­zie­hen, kein Eu­ro ver­lässt den Kon­zern“, be­ton­te Te­ri­um. Was be­deu­tet der De­al für die Kom­mu­nen? Die Städ­te, die 25 Pro­zent an RWE hal­ten, sind die Ver­lie­rer des De­als. Theo­re­tisch ha­ben sie zwar die Mög­lich­keit, sich an der Ka­pi­tal­er­hö­hung zu be­tei­li­gen und Ak­ti­en des neu­en Un­ter­neh­mens zu er­wer­ben. Fak­tisch dürf­ten die Not lei­den­den Städ­te da­für aber kei­ne fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten ha­ben. Zu­dem soll RWE be­reits mit Fi­nanz­in­ves­to­ren wie der Bank Mac­qua­rie im Ge­spräch sein.

Of­fen bleibt auch, wo­mit die RWE AG, von de­ren Di­vi­den­de vie­le Städ­te le­ben, künf­tig ihr Geld ver­dient. Die Groß­han­dels­prei­se für Strom fal­len wei­ter. Schon für das kom­men­de Jahr ha­ben die Kraft­wer­ke Mü­he, über­haupt noch schwar­ze Zah­len zu schrei­ben. Zwar pro­fi­tiert RWE künf­tig von den Aus­schüt­tun­gen der neu­en Ge­sell­schaft. Doch de­ren Ge­win­ne müs­sen sich die Al­t­ak­tio­nä­re von RWE dann auch mit den An­teils­eig­nern der neu­en Ge­sell­schaft tei­len. Was heißt der De­al für Strom­kun­den und Steu­er­zah­ler? Erst­mal nichts. Doch im Kon­zern wird be­reits da­von ge­spro­chen, dass man RWE „not­falls dem Staat auf den Hof stel­len“wer­de, wenn es mit der Strom­er­zeu­gung wei­ter berg­ab ge­he. Te­ri­um selbst sag­te ges­tern, das kon­ven­tio­nel­le Ge­schäft wer­de zu­neh­mend zum Back­up (zur Re­ser­ve) für den un­ste­ten Ökostrom und for­der­te staat­lich or­ga­ni­sier­te Hil­fe: „An ei­nem Ka­pa­zi­täts­markt kom­men wir nicht vor­bei“. Ka­pa­zi­täts­markt heißt: Der Strom­kun­de zahlt Mil­li­ar­den al­lein für die Be­reit­stel­lung von Kraft­wer­ken. Zu­dem setzt RWE dar­auf, dass der Staat die Atom­las­ten in ei­ne Stif­tung über­nimmt. Kann der De­al noch schei­tern? Ja. Am 11. De­zem­ber be­fasst sich der Auf­sichts­rat mit den Plä­nen. Noch ist der Wi­der­stand der Kom­mu­nen groß. Auch Ar­beit­neh­mer-Ver­tre­ter füh­len sich über­rum­pelt. Öf­fent­lich äu­ßern woll­te sich kei­ner. Doch laut Kon­zern­krei­sen soll es be­reits ei­nen Schlacht­plan ge­ben: Da­nach wol­le der Vor­stand ge­schlos­sen mit Rück­tritt dro­hen, wenn der Auf­sichts­rat dem Um­bau nicht zu­stimmt. Es wä­re nicht das ers­te Mal, dass ein Streit im RWE-Auf­sichts­rat per Rück­tritts­dro­hung bei­ge­legt wür­de. 2011 hat­te Auf­sichts­rats­chef Man­fred Schnei­der be­reits mit Rück­tritt ge­droht, um Te­ri­um als RWE-Chef ge­gen die wi­der­spens­ti­ge Kom­mu­nen durch­zu­set­zen. Auf die Fra­ge, ob er ge­ge­be­nen­falls zu­rück­tre­ten wer­de, flüch­te­te sich Te­ri­um ges­tern in die Ant­wort: „Das ist kei­ne sehr in­tel­li­gen­te Fra­ge.“Te­ri­ums Ver­trag war erst im März vor­zei­tig bis 2021 ver­län­gert wor­den.

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