Je­dem zehn­ten Rent­ner droht Ar­mut

Im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich er­weist sich das deut­sche Ren­ten­sys­tem als so­li­de fi­nan­ziert. Es wirft aber eher nied­ri­ge Ren­ten ab.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON EVA QUADBECK

BER­LIN Das deut­sche Ren­ten­sys­tem steht fi­nan­zi­ell auf ei­ner so­li­den Ba­sis, bie­tet aber im­mer we­ni­ger Bei­trags­zah­lern ech­ten Schutz vor Al­ters­ar­mut. Die­sen Be­fund hat ei­ne Ver­gleichs­ana­ly­se der In­dus­trie­staa­ten-Or­ga­ni­sa­ti­on OECD un­ter 34 Na­tio­nen zu­ta­ge ge­för­dert. In Deutsch­land ist ak­tu­ell et­wa je­der zehn­te über 65-Jäh­ri­ge von Al­ters­ar­mut be­droht. Da­mit steht die Bun­des­re­pu­blik et­was bes­ser da als der Durch­schnitt der In­dus­trie-Na­tio­nen. Im eu­ro­päi­schen Ver­gleich al­ler­dings se­hen die deut­schen Da­ten zum Ar­muts­ri­si­ko ne­ga­tiv aus. In den Nie­der­lan­den (2), in Frank­reich (3,8) und in Dä­ne­mark (3,8) ist es deut­lich ge­rin­ger. Auch den Se­nio­ren in Spa­ni­en und Grie­chen­land droht der OECD zu­fol­ge sel­te­ner Al­ters­ar­mut als den Deut­schen.

Po­si­tiv ist, dass der in­ter­na­tio­na­le Ver­gleich dem deut­schen Ren­ten­sys­tem ei­ne so­li­de Fi­nanz­la­ge be­schei­nigt. Das gilt auch für die Zu­kunft, ob­wohl Deutsch­land in den nächs­ten Jahr­zehn­ten ei­ne ra­sche Al­te­rung der Be­völ­ke­rung be­vor­steht. Bis 2060 wer­den die Aus­ga­ben der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, ge­mes­sen am Brut­to­in­lands­pro­dukt, mo­de­rat um 12,7 Pro­zent­punk­te an­stei­gen. Der Preis für die so­li­den Fi­nan­zen: Das Ren­ten­ni­veau hier­zu­lan­de ist nied­rig. Die Ren­ten­zah­lung liegt bei nur 53,4 Pro­zent des frü­he­ren Net­to-Ein­kom­mens. Im OECD-Durch­schnitt be­trägt sie 63 Pro­zent. Selbst wenn man in Deutsch­land ei­ne vol­le Ries­ter-Ren­te in die Be­rech­nung mit ein­be­zieht, lie­gen die deut­schen Ren­ten un­ter dem Durch­schnitt der In­dus­trie­na­tio­nen.

Die seit Som­mer 2014 be­ste­hen­de Mög­lich­keit, mit 63 Jah­ren ab­schlag­frei in Ren­te zu ge­hen, hat das durch­schnitt­li­che Ren­ten­ein­tritts­al­ter für Män­ner in Deutsch­land wie­der leicht sin­ken las­sen. Ak­tu­ell liegt es der OECD zu­fol­ge bei 62,7 Jah­ren. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ist es ge­lun­gen, den Ren­ten­ein­tritt von da­mals 61,8 um

Durch­schnittl. Ren­ten­be­zug in Jah­ren

27,2

25,8 ein gan­zes Jahr an­zu­he­ben. Ent­schei­dend für die Fi­nan­zie­rung von Ren­ten­kas­sen ist stets auch die Fra­ge der Be­zugs­dau­er. Da liegt Deutsch­land mit 22,8 Jah­ren leicht über dem Mit­tel­wert der OECD. Be­son­ders lang ge­nie­ßen die Rent­ner in Frank­reich ih­ren Ru­he­stand mit 27,2 Jah­ren, wäh­rend die Ja­pa­ner, die durch­schnitt­lich am längs­ten le­ben, nur 21,8 Jah­re Ren­te be­zie­hen. Sie ge­hen aber auch mit 67,6 Jah­ren deut­lich spä­ter in Ren­te als die Fran­zo­sen, die be­reits mit 59,8 Jah­ren im Durch­schnitt den Ru­he­stand be­gin­nen.

Ei­ne Be­son­der­heit in Deutsch­land blei­ben die Un­ter­schie­de der Ren­ten­sys­te­me in Ost und West. We­gen der nied­ri­ge­ren Löh­ne im Os­ten wer­den auch 25 Jah­re nach der Deut­schen Ein­heit im Os­ten die Löh­ne für die Ren­te hö­her ge­wer­tet. Im Ge­gen­zug sind die Ren­ten­wer­te im Os­ten nied­ri­ger. Den­noch er­gibt sich der Ef­fekt, dass die Ost­deut­schen bei glei­chem Lohn mehr Ren­te als Be­schäf­tig­te im Wes­ten er­hal­ten. Der Vor­teil liegt ak­tu­ell bei 8,5 Pro­zent, wie die „Bild“-Zei­tung un­ter Be­ru­fung auf ein Gut­ach­ten des So­zi­al­bei­rats der Bun­des­re­gie­rung be­rich­tet.

Die Ren­ten­sys­te­me in Ost und West sol­len ei­gent­lich an­ge­gli­chen wer­den. Doch bis­lang hat noch kei­ne Bun­des­re­gie­rung ein ent­spre­chen­des Ge­setz er­las­sen.

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