Von Men­schen und Ro­bo­tern

Die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Ar­beit bei Au­di. Der Be­triebs­rat macht sich da­her Ge­dan­ken, wie man auf Ro­bo­ter, Da­ten­bril­len und Co. re­agiert. Es geht um Grund­sätz­li­ches: Be­herrscht der Mensch die Ma­schi­ne oder um­ge­kehrt?

Rheinische Post Moenchengladbach - - DIGITALE WIRTSCHAFT - VON MAXIMILIAN PLÜCK UND FLO­RI­AN RINKE

DÜSSELDORF Wenn Pe­ter Mosch über die Di­gi­ta­li­sie­rung bei Au­di nach­denkt, geht es schnell ums Grund­sätz­li­che: Der Mensch müs­se bei der Di­gi­ta­li­sie­rung im Mit­tel­punkt ste­hen. Für den Au­di-Be­triebs­rats­chef heißt das: Ro­bo­ter, die dem Men­schen bei der Ar­beit am Fließ­band as­sis­tie­ren sind ok. Da­ten­bril­len, die dem Men­schen über ein klei­nes Dis­play be­feh­len, wel­chen Ar­beits­schritt er als nächs­tes er­le­di­gen soll, eher nicht. Der Mensch müs­se die Ma­schi­ne steu­ern und nicht um­ge­kehrt, so Mosch.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ist in­zwi­schen ei­nes der wich­tigs­ten The­men für Pe­ter Mosch. Denn durch Com­pu­ter­tech­no­lo­gie ver­än­dert sich nicht nur das Pro­dukt Au­to, son­dern auch die Her­stel­lung. Die Aus­wir­kun­gen sind ge­wal­tig – sie ver­än­dern be­reits die ge­sam­te Pro­duk­ti­on. Für Leu­te wie Mosch ist es da­her wich­tig, sich früh­zei­tig Ge­dan­ken zu ma­chen, wie man auf den Wan­del re­agiert. Denn Auf­ga­be ei­nes Be­triebs­ra­tes ist es, für Mit­ar­bei­ter zu kämp­fen. Doch für wen kämpft er, wenn in Fa­b­ri­ken nur noch Ro­bo­ter ar­bei­ten?

Schon jetzt läuft der Ka­ros­se­rie­bau bei­spiels­wei­se fast voll­au­to­ma­tisch. Als Pe­ter Mosch vor 28 Jah­ren bei Au­di an­fing, wur­de hier noch ma­nu­ell ge­schweißt. „Das war ein Kno­chen­job“, er­in­nert er sich. Heu­te er­le­di­gen Ro­bo­ter den Kno­chen­job, der Mensch wird nur noch ge­braucht, um die Soft­ware zu war­ten.

Mosch ist si­cher: So wird es wei­ter­ge­hen. Durch die Di­gi­ta­li­sie­rung wer­den Ar­beits­ge­bie­te weg­fal­len, aber auch neue Auf­ga­ben­fel­der ge­schaf­fen. Um­so wich­ti­ger sei es, die Mit­ar­bei­ter best­mög­lich zu qua­li­fi­zie­ren, da­mit die­se für die be­vor­ste­hen­den Auf­ga­ben ge­rüs­tet sind. „Wir kom­men um das le­bens­lan­ge Ler­nen nicht mehr her­um“, sagt Mosch. Da­her sei das The­ma auch Be­stand­teil der Stra­te­gie 2030 des Be­triebs­rats. Mit ihr will sich der Be­triebs­rat auf den di­gi­ta­len Wan­del vor­be­rei­ten. „Wir ma­chen uns Ge­dan­ken dar­über, wel­chen Wan­del Pro­dukt und Pro­duk­ti­on durch die Di­gi­ta­li­sie­rung bei Au­di er­fah­ren wer­den“, sagt Mosch. Da­her sucht der Be­triebs­rat Ant­wor­ten – und greift da­bei auch im­mer wie­der auf Ex­per­ten aus Wis­sen­schaft und Ge­sell­schaft zu­rück.

Da­zu ge­hört auch, dass sich die Be­triebs­rä­te mit neu­en Tech­no­lo­gi­en aus­ein­an­der­set­zen. „Wenn neue Sys­te­me auf den Markt kom­men, kön­nen wir uns als Ar­beit­neh­mer nicht kom­plett ver­wei­gern“, sagt Mosch: „Wir wer­den ein Stück weit ex­pe­ri­men­tie­ren müs­sen.“Zum Bei­spiel mit Exo­s­ke­let­ten und Da­ten­bril­len.

Wenn Mosch über Exo­s­ke­let­te spricht, fühlt man sich fast wie in ei­nem Sci­ence-Fic­tion-Film. Au­di er­probt ak­tu­ell, ob die­se tech­ni­schen Hilfs­mit­tel aus Car­bon, die man sich an Bei­ne und Rumpf schnal­len kann, um da­mit die ei­ge­nen Be­we­gun­gen zu un­ter­stüt­zen, sinn­voll ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Weil sie die kör­per­li­che Be­las­tung sen­ken, könn­ten Mit­ar­bei­ter da­durch mög­li­cher­wei­se län­ger ar­bei­ten. Ähn­lich ver­fährt Au­di auch bei Da­ten­bril­len – doch Mosch ist skep­tisch. „Mit­ar­bei­ter er­hal­ten da­durch In­struk­tio­nen über ein klei­nes Dis­play im Bril­len­glas“, sagt er: „Ei­ge­nes Den­ken Fehl­an­zei­ge.“Nicht al­les, was tech­nisch mög­lich sei, müs­se auch rich­tig sein, fin­det er. Im Pro­be­be­trieb sei es aber wich­tig, viel aus­zu­pro­bie­ren. Ich könn­te mir zum Bei­spiel vor­stel­len, künf­tig auch Mei­nun­gen per Smart­pho­ne ein­zu­ho­len.

FOTO: AU­DI

Sit­zen oh­ne Stuhl dank Exo­s­ke­lett: High­tech-Kon­struk­tio­nen aus Car­bon er­leich­tern Montage-Tä­tig­kei­ten. Zu­gleich re­du­zie­ren sie die Bein­be­las­tung.

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