Die ver­schärf­ten Re­geln zur USA-Ein­rei­se

Nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Pa­ris will die US-Re­gie­rung stren­ge­re Re­geln für die vi­sum­freie Ein­rei­se be­schlie­ßen. So müs­sen künf­tig auch Fra­gen zu Rei­sen in Län­der, die Ter­ro­ris­ten Un­ter­schlupf ge­wäh­ren, be­ant­wor­tet wer­den.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - VON JÖRG ISRINGHAUS

WA­SHING­TON Pro Jahr rei­sen rund 20 Mil­lio­nen Tou­ris­ten über das so­ge­nann­te „Vi­sa-Wai­ver“-Pro­gramm (VWP) in die USA, da­von rund zwei Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger. Lands­leu­te aus 38 Staa­ten ha­ben über das VWP die Mög­lich­keit, oh­ne Vi­sum für 90 Ta­ge die USA zu be­su­chen. Weil ei­ni­ge der At­ten­tä­ter von Pa­ris über bel­gi­sche und fran­zö­si­sche Päs­se ver­füg­ten, war das Pro­gramm in den USA zu­letzt in die Kri­tik ge­ra­ten. Des­halb will das Wei­ße Haus die Re­geln für die Ein­rei­se ver­schär­fen. Ein Über­blick über die La­ge. Wel­che Do­ku­men­te müs­sen deut­sche Staats­bür­ger bei der Ein­rei­se in die USA der­zeit vor­le­gen? Da Deutsch­land Mit­glied im VWPPro­gramm ist, dür­fen Bun­des­bür­ger oh­ne Vi­sum bis zu 90 Ta­ge in den USA blei­ben. Vor­aus­set­zung ist ein gül­ti­ger, ma­schi­nen­les­ba­rer Rei­se­pass. Wur­de er nach dem 26. Ok­to­ber 2006 aus­ge­stellt, muss er bio­me­tri­sche Da­ten ent­hal­ten. Wer ei­nen vor­läu­fi­gen grü­nen Rei­se­pass be­nutzt, be­nö­tigt ein Vi­sum. In je­dem Fall muss vor Rei­se­an­tritt (idea­ler­wei­se 72 St­un­den vor­her) ein ESTAFor­mu­lar aus­ge­füllt wer­den. Die­se ob­li­ga­to­ri­sche Ein­rei­se­er­laub­nis („Elec­tro­nic Sys­tem for Tra­vel Aut­ho­riza­t­i­on“) ist seit dem 12. Ja­nu­ar 2009 Pflicht für die vi­sum­freie Ein­rei­se. Den US-Be­hör­den bie­tet es die Mög­lich­keit, die Da­ten vor­ab mit Fahn­dungs­lis­ten ab­zu­glei­chen und un­lieb­sa­men Per­so­nen die Ein­rei­se zu ver­wei­gern. Was soll sich an die­sem Pro­ze­de­re än­dern? Zu den bis­he­ri­gen An­ga­ben wie bei­spiels­wei­se Na­men, Ge­burts­ort, Aus­weis­num­mer und Er­reich­bar­keit sol­len die ES­TA-An­trag­stel­ler auch An­ga­ben zu Rei­sen in Län­der ma­chen, die Ter­ro­ris­ten Un­ter­schlupf ge­wäh­ren. Die Lis­te die­ser pro­ble­ma­ti­schen Län­der wür­de, so heißt es, von den US-Be­hör­den re­gel­mä­ßig ak­tua­li­siert. Zu­dem sol­len bio­me­tri­sche Da­ten wie Fin­ger­ab­drü­cke bes­ser ge­nutzt wer­den. Grei­fen die­se Än­de­run­gen schon? Das Wei­ße Haus er­klär­te, dass so­fort ent­spre­chen­de Schrit­te ein­ge­lei­tet wer­den, die neu­en Re­geln um­zu­set­zen. Zu­dem will auch der Kon­gress die Ein­rei­se­re­geln ver­schär­fen. Bis En­de des Jah­res soll ei­ne Vor­la­ge zur Ab­stim­mung kom­men, sag­te Ke­vin McCar­thy, der re­pu­bli­ka­ni­sche Mehr­heits­füh­rer im Re­prä­sen­tan­ten­haus. Sind wei­te­re Ver­schär­fun­gen zu er­war­ten? Mög­li­cher­wei­se. McCar­thy nann­te fünf Än­de­rungs­wün­sche am VWP, die sei­ne Par­tei ger­ne um­ge­setzt sä­he. So sol­len al­le Staa­ten zur Aus­stel­lung elek­tro­ni­scher Rei­se­päs­se ver­pflich­tet wer­den, sag­te er. Sämt­li­che Pas­sa­gier­da­ten soll­ten au­ßer­dem mit ei­ner Da­ten­bank ge­stoh­le­ner und ver­lo­re­ner Päs­se ab­ge­gli­chen wer­den. Län­der, die sich nicht an die Re­geln hiel­ten, könn­ten dem­nach aus dem VWP ge­wor­fen wer­den. Au­ßer­dem soll je­dem die Ein­rei­se über das VWP ver­bo­ten wer­den, der sich in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren im Bür­ger­kriegs­land Sy­ri­en oder im Irak auf­ge­hal­ten hat. Ha­ben die Kon­gress-Plä­ne Aus­sicht auf Er­folg? Die US-Rei­se­bran­che äu­ßer­te sich skep­tisch über die Vor­schlä­ge. So gut man den Wunsch nach mehr Si­cher­heits­net­zen nach­voll­zie­hen kön­ne, so dür­fe man nicht über das Ziel hin­aus­schie­ßen, weil sehr viel auf dem Spiel ste­he, warn­te Jo­na­than Grel­la vom US-Rei­se­ver­band. Re­gie­rungs­spre­cher Josh Ear­nest aber er­klär­te, das Wei­ße Haus sei seit zwei Wo­chen im Ge­spräch mit Se­na­to­ren und wol­le ein Ge­setz, „das un­se­re na­tio­na­le Si­cher­heit ver­bes­sert, oh­ne in­ter­na­tio­na­le Kon­tak­te zu un­ter­gra­ben, die für die Stär­ke un­se­rer Wirt­schaft wich­tig sind“. Sind auch Flug­ge­sell­schaf­ten von den Än­de­run­gen be­trof­fen? Ja. Die Geld­stra­fe für Flug­ge­sell­schaf­ten, die Pass­da­ten ih­rer Pas­sa­gie­re nicht aus­rei­chend über­prü­fen, soll von 5000 auf 50.000 Dol­lar (47.300 Eu­ro) er­höht wer­den. Zu­dem ver­han­delt Wa­shing­ton mit sie­ben Län­dern, dar­un­ter Bel­gi­en und die Nie­der­lan­de, da­mit Kon­trol­len zur Ein­rei­se be­reits an dor­ti­gen Flug­hä­fen vor­ge­nom­men wer­den und nicht erst nach An­kunft in den USA. Wie lässt sich das ES­TA be­an­tra­gen? Das geht nur online über ei­ne Sei­te des US-Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­ums (https://es­ta.cbp.dhs.gov). Je­der An­trag kos­tet 14 Dol­lar; wird die Ge­neh­mi­gung zur Ein­rei­se er­teilt, was in der Re­gel in­ner­halb we­ni­ger Se­kun­den ge­schieht, ist das ES­TA-Pa­pier zwei Jah­re lang gül­tig. Än­de­run­gen et­wa von per­sön­li­chen Da­ten kön­nen in die­ser Zeit über ei­ne Zu­gangs­num­mer vor­ge­nom­men wer­den. Tipp: Wird der ES­TA-An­trag beim ers­ten Mal ab­ge­lehnt, ein­fach noch­mal pro­bie­ren. Be­rech­tigt ein ge­neh­mig­ter ESTAAn­trag au­to­ma­tisch zur Ein­rei­se? Nein. Er­laubt ist da­mit die An­rei­se, die Ent­schei­dung über die Ein­rei­se tref­fen die Be­am­ten vor Ort. Sie ha­ben auch das Recht, je­den zu­rück­zu­wei­sen. Bie­ten die US-Be­hör­den auch Er­leich­te­run­gen bei der Ein­rei­se, bei­spiels­wei­se für Ge­schäfts­rei­sen­de? Ja. Seit 2013 ist Deutsch­land für das Pro­gramm „Glo­bal En­try“zu­ge­las­sen. Als Teil­neh­mer darf man an 34 Flug­hä­fen per Au­to­mat ein­rei­sen und er­spart sich da­mit lan­ge War­te­zei­ten. Da­zu muss man zu­vor al­ler­dings von den US-Be­hör­den als „Trusted Tra­ve­ler“ein­ge­stuft wor­den sein. Au­ßer­dem muss man sich bei der Bun­des­po­li­zei am Frank­fur­ter Flug­ha­fen für das ABG Plus-Pro­gramm zur „au­to­ma­ti­sier­ten bio- me­trie­ge­stütz­ten Grenz­kon­trol­le“an­mel­den. Die Kos­ten für „Glo­bal En­try“be­tra­gen hun­dert Dol­lar. Das Pro­gramm ist da­mit vor al­lem für Men­schen in­ter­es­sant, die häu­fig in die USA rei­sen. Was er­war­tet Rei­sen­de am „Im­mi­gra­ti­on“-Schal­ter? Dort wer­den von ei­nem Be­am­ten der Rei­se­pass ge­prüft, über ei­nen Scan­ner Fin­ger­ab­drü­cke ge­nom­men und ein Foto ge­macht. Zu­dem stellt der Be­am­te Fra­gen bei­spiels­wei­se über die Auf­ent­halts­dau­er und die Rei­se­rou­te. Auch wenn die Be­am­ten in der Re­gel re­ser­viert freund­lich sind – Scher­ze über Ter­ro­ris­ten oder Bom­ben sind nicht zu emp­feh­len. Wer­den sich die War­te­zei­ten in den US-Flug­hä­fen bei der Ein­rei­se ver­län­gern? Mög­li­cher­wei­se. Meist aber spie­len sich sol­che Ve­rän­de­run­gen schnell ein. In der Re­gel hängt die War­te­zeit, das hat die Er­fah­rung et­li­cher USA-Rei­sen ge­lehrt, eher von der Zahl der ge­lan­de­ten Ma­schi­nen ab als von der ak­tu­el­len Si­cher­heits­la­ge. Durch­schnitt­lich be­trägt die War­te­zeit et­wa ei­ne St­un­de.

FOTO: LUFT­HAN­SA

Für die Rei­se nach New York müs­sen künf­tig vor­ab noch mehr Fra­gen im ES­TA-For­mu­lar be­ant­wor­tet wer­den – das Pro­ze­de­re bleibt aber das­sel­be.

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