Die Tricks der Ta­schen­die­be

In der Vor­weih­nachts­zeit sind die Tä­ter be­son­ders ak­tiv. Die Zahl der Fäl­le ist zu­letzt ge­stie­gen. Weil die Die­be kei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen, ist die Auf­klä­rungs­quo­te nied­rig. Die Po­li­zei for­dert da­her ein eu­ro­pa­weit ab­ge­stimm­tes Vor­ge­hen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON JÖRG ISRINGHAUS

Das un­auf­fäl­li­ge

Hin­ein­grei­fen

Die Tä­ter nut­zen Le­bens­si­tua­tio­nen,

in de­nen die Men­schen mit an­de­ren Din­gen be­schäf­tigt sind, und

ent­wen­den ge­schickt Wert­ge

gen­stän­de. Beim Ein­stei­gen in den Bus, in ei­ner Men­schen­men­ge oder an ei­ner Bu­de ver­ur­sacht ein Tä­ter ein Ge­drän­ge. Ein an­de­rer Dieb greift sich die Beu­te. Aus­ge­nutzt wer­den auch na­tür­li­che Staus et­wa auf vol­len Weih­nachts­märk­ten. DÜSSELDORF Wenn die In­nen­städ­te fest­lich ge­schmückt sind, schlägt die St­un­de der Lang­fin­ger: Weih­nachts­märk­te sind so et­was wie das Bio­top der Ta­schen­die­be. Das Ge­drän­ge ist groß, die Men­schen sind fo­kus­siert auf an­de­re Din­ge. Ide­al für Kri­mi­nel­le. Die Tricks sind zwar im­mer die glei­chen. „Aber da agie­ren mitt­ler­wei­le gut or­ga­ni­sier­te, spe­zia­li­sier­te Ban­den“, sagt Wolf­gang Beus, Spre­cher des NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­ums. Ent­spre­chend hoch sind die Fall­zah­len: 2014 gab es in NRW 53.759 Ta­schen­dieb­stäh­le (bun­des­weit: 157.000), ei­ne Stei­ge­rung ge­gen­über dem Vor­jahr von 8,5 Pro­zent. Spit­zen­rei­ter im Land sind Köln mit 14.059, Düsseldorf mit 8141 und Dort­mund mit 4653 an­ge­zeig­ten Ta­ten. Die Auf­klä­rungs­quo­te ist mit 5,9 Pro­zent sehr nied­rig. Beus: „Die Dieb­stäh­le pas­sie­ren meist un­be­merkt, es gibt kei­ne Spu­ren – da ist es für Er­mitt­ler fast un­mög­lich, et­was her­aus­zu­fin­den.“

Wolf­gang Spies, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei NRW, for­dert da­her ei­ne bes­se­re Ver­net­zung der Po­li­zei­be­hör­den auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne. Stam­men die Ban­den doch meist aus Ost­eu­ro­pa, zu­neh­mend auch aus Nord­afri­ka. „Dort wer­den sie pro­fes­sio­nell aus­ge­bil­det“, sagt Spies. Ein Da­ten­aus­tausch der Er­mitt­ler über Gren­zen hin­weg könn­te dem Trei­ben ent­ge­gen­wir­ken. Zu­dem sei das Straf­maß zu ge­ring, die Ab­schre­ckung nicht hoch ge­nug. Erst­tä­ter müs­sen meist nur mit Gel­do­der Be­wäh­rungs­stra­fen rech­nen. „Al­ler­dings wis­sen die Die­be, dass sie hier im Ge­fäng­nis noch bes­ser ver­sorgt sind als in Frei­heit in ih­ren Hei­mat­län­dern“, re­la­ti­viert Spies.

Für die Po­li­zei be­deu­tet das ei­ne schwie­ri­ge Ge­men­ge­la­ge. In Köln be­geg­net man ihr mit ei­ner ge­mein­sa­men Kom­mis­si­on aus Bun­des­po­li­zei und Kri­po. Die­se Ko­ope­ra­ti­on ha­be sich be­währt, sagt Spre­cher Dirk We­ber. Es ma­che Sinn, et­wa den Haupt­bahn­hof und die Weih­nachts­märk­te ver­eint zu be­trach­ten. Zu­dem zeigt die Po­li­zei in Köln wie auch in an­de­ren Groß­städ­ten in die­sen Ta­gen ver­mehrt Prä­senz im Vor­weih­nacht­stru­bel. „Wir sind mit ei­ner mo­bi­len Wa­che un­ter­wegs, spre­chen die Men­schen auch di­rekt an und ge­ben Tipps“, sagt We­ber. Die wich­tigs­ten: Auf­pas­sen, Geld si­cher ver­stau­en, Ta­schen ver­schlos­sen hal­ten. Den­noch ist ge­gen die Ban­den nur we­nig aus­zu­rich­ten.

Spies ver­gleicht das The­ma Ta­schen­die­be mit der Flücht­lings­pro­ble­ma­tik: „So lan­ge wir nicht die Si­tua­ti­on vor Ort an­ge­hen und ei­ne ge­samt­eu­ro­päi­sche Lö­sung her­bei­füh­ren, wer­den wir den Trend nicht um­keh­ren.“

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