Bahn fährt auf Mil­li­ar­den-Ver­lust zu

Der Vor­stand will dem Auf­sichts­rat am 16. De­zem­ber ein gro­ßes Um­bau­pro­gramm prä­sen­tie­ren. Mehr Pünkt­lich­keit, mehr Ser­vice, mo­der­ne­re Tech­nik – das sind die An­for­de­run­gen an die Bahn, de­ren Kon­kur­renz im­mer mehr wächst.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON STE­FAN WOLFF

FRANKFURT Die Bahn ist ein Sa­nie­rungs­fall. Zwei Mil­li­ar­den Eu­ro wird den Kon­zern der be­vor­ste­hen­de Um­bau kos­ten, und der er­scheint not­wen­di­ger denn je. Die­ses Jahr wird die Bahn an­geb­lich mit ei­nem Mil­li­ar­den­ver­lust ab­schlie­ßen, dem schlech­tes­ten Er­geb­nis der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re. Der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“zu­fol­ge wird das Mi­nus rund 1,26 Mil­li­ar­den Eu­ro be­tra­gen – we­gen ho­her Ab­schrei­bun­gen im Gü­ter­ver­kehr, we­gen Re­struk­tu­rie­rungs­maß­nah­men und den Kos­ten des Lok­füh­rer­streiks. Vor Steu­ern ver­dient die Bank dem­nach noch 1,75 Mil­li­ar­den Eu­ro, bei ei­nem Um­satz von 40,6 Mil­li­ar­den Eu­ro. Rund 850 Mil­lio­nen Eu­ro ge­hen als Di­vi­den­de an den Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter, und so kann Wolf­gang Schäu­b­le trotz Mil­li­ar­den­ver­lust ei­ne sat­te Aus­schüt­tung ver­bu­chen.

So­weit das Po­si­ti­ve. Die Bahn kom­men­tiert die Zah­len nicht. Aber die Pro­ble­me sind oh­ne­hin of­fen­sicht­lich. Vor al­lem im Gü­ter­ver­kehr. „Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zeich­net sich nicht durch ho­he Mar­gen aus. Es gibt kaum Geld zu ver­die­nen“, sagt Ma­ria Lee­nen von der Be­ra­tungs­fir­ma SCI Verkehr. Ei­ni­ge in­ter­es­san­te Ver­bin­dun­gen ge­be es, die sich auch die Kon­kur­renz gern her­aus­pi­cke. Doch die ge­sam­te Flä­che zu be­wirt­schaf­ten, sei nicht lu­kra­tiv. Das liegt vor al­lem dar­an, dass im Gü­ter­ver­kehr auch die Tras­sen­prei­se er­wirt­schaf­tet wer­den müs­sen, al­so die Nut­zungs­ge­bühr für die Schie­nen­net­ze.

An­de­rer­seits ist der Gü­ter­ver­kehr nur ei­ne Bau­stel­le. Mit der Be­ra­tungs­fir­ma McKin­sey soll der Kon­zern das Pro­jekt „Zu­kunft Bahn“er­ar­bei­tet ha­ben. In meh­re­ren Schrit­ten sol­le die Bahn pünkt­li­cher, at­trak­ti­ver und kun­den­freund­li­cher wer­den. „Leis­tung, die be­geis­tert“, lau­te das Cre­do, mit der das Un­ter­neh­men bis 2021 punk­ten wol­le. Ei­ne Spre­che­rin sagt da­zu nur: „Der Vor­stand wird dem Auf­sichts­rat am 16. De­zem­ber ein mehr­jäh­ri­ges Pro­gramm für mehr Qua­li­tät, mehr Kun­den und mehr Er­folg vor­le­gen. Nach Be­fas­sung im Auf­sichts­rat wird die Bahn die Öf­fent­lich­keit über die In­hal­te des Pro­gramms in­for­mie­ren.“

Aber De­tails sind längst durch­ge­si­ckert: Schon im kom­men­den Jahr soll das Pro­blem der „ver­schwun­de­nen Zü­ge“ge­löst wer­den. Die An­zei­ge­ta­feln in den Bahn­hö­fen wer­den mo­der­ni­siert, so dass Fahr­gäs­te schnel­ler über Gleis­wech­sel und Wech­sel bei der Rei­hen­fol­ge an­kom­men­der Zü­ge in­for­miert wer­den sol­len. Bis­lang ver­schwan­den ver­spä­te­te Zü­ge von der Ta­fel am Gleis, wenn ein an­de­rer Zug vor­ge­las­sen wur­de.

Pünkt­lich­keit ist oh­ne­hin ei­nes der größ­ten Pro­ble­me der Bahn. Ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge lau­fen nur rund

Ma­ria Lee­nen Be­ra­tungs­fir­ma SCI Verkehr

830

2009

1000

2010

1300

2011

1460

2012

650

2013

in Mio. Eu­ro

990

2014

Rü­di­ger Gru­be, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Deut­sche Bahn AG

2015*

-1000 74 Pro­zent al­ler Fern­zü­ge dem Fahr­plan ent­spre­chend im Ziel­bahn­hof ein. Die­se Quo­te will die Bahn auf et­wa 85 Pro­zent er­hö­hen. Da­für muss um­fas­send mo­der­ni­siert wer­den. Denn ei­ne der Haupt­ur­sa­chen für Ver­spä­tun­gen liegt in de­fek­ten Wei­chen. Bis zu 60.000 Gleis­tei­le sol­len an­geb­lich in den kom­men­den fünf Jah­ren auf even­tu­el­le Män­gel ge­prüft wer­den.

Mehr Kun­den­freund­lich­keit soll ein um­fas­sen­des W-Lan-Netz in Zü­gen und an Bahn­hö­fen brin­gen. Auch in die War­te­be­rei­che will die Bahn in­ves­tie­ren. Das könn­te sie auch im Wettbewerb mit an­de­ren Ver­kehrs­trä­gern vor­an­brin­gen. Der­zeit lei­det die Deut­sche Bahn mas­siv un­ter der wach­sen­den Kon­kur­renz von Pri­vat­bah­nen und Fern­bus­sen. Letz­te­re punk­ten vor al­lem mit nied­ri­ge­ren Prei­sen, für die ge­ra­de jün­ge­re Kun­den län­ge­re Fahrt­zei­ten in Kauf neh­men. Ka­bel­lo­ses In­ter­net ist in den Bus­sen so selbst­ver­ständ­lich wie die Steck­do­se am Sitz­platz.

Und nied­ri­ge Sprit­prei­se be­sche­ren nicht nur Fern­bus­sen, son­dern auch Lkw ei­nen Wett­be­werbs­vor­teil ge­gen­über der Bahn, die über stei­gen­de Strom­prei­se klagt. Wenn sie wett­be­werbs­fä­hig blei­ben sol­le, dann sei der Staat ge­fragt, sagt Be­ra­te­rin Lee­nen: „Die Po­li­tik muss sich über­le­gen, wie sie mit ih­rem Un­ter­neh­men um­geht.“Es herrscht Hand­lungs­zwang. Ma­ria Lee­nen for­dert Ta­ten: „Die Bahn könn­te bes­ser da­ste­hen, wenn sie we­ni­ger pla­nen und mit ent­spre­chen­den Fach­leu­ten mehr um­set­zen wür­de.“Ih­rer Mei­nung nach be­schäf­tigt die Bahn zu we­nig ech­te „Ei­sen­bah­ner“.

„DieBahn­könn­t­e­bes­ser da­ste­hen, wenn sie we­ni­ger pla­nen und mehr um­set­zen wür­de“

QU­EL­LE: DEUT­SCHE BAHN, HAN­DELS­BLATT | FOTO: IMAGO | GRAFIK: WE­BER

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