Fa­mi­liä­re Er­satz­be­zie­hung

Manch­mal ist die Be­zie­hung zwi­schen El­tern und Kin­dern völ­lig zer­stört, wie im Ar­te-Film „Töch­ter“.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN -

BER­LIN (dpa) Agnes (Co­rin­na Kirch­hoff) ist Deutsch­leh­re­rin, ei­ne Frau in den Fünf­zi­gern, blond und et­was ver­härmt aus­se­hend. Kein Wun­der, denn ih­re Toch­ter Ly­dia ist schon vor ei­ni­gen Jah­ren ver­schwun­den. In Ber­lin wird nun ihr Stu­den­ten­aus­weis ge­fun­den, bei ei­nem to­ten Mäd­chen, das aber zum Glück nicht Ly­dia ist. Agnes wen­det sich an die Po­li­zei, die ihr rät, wie­der nach Hau­se zu fah­ren. Doch Agnes macht sich in der Haupt­stadt auf die Su­che. Sie mie­tet sich ei­nen Wa­gen (mit des­sen Au­to­ma­tik­schal­tung sie nicht klar­kommt), nimmt sich ein Ho­tel­zim­mer (in dem sie nicht schla­fen kann) und fährt ziel­los durch die Stadt (in der sie sich über­haupt nicht zu­recht­fin­det).

Dann trinkt sie ei­nes Abends et­was zu viel und hat ei­nen Un­fall. Ei­ne jun­ge Frau läuft ihr ins Au­to. Die­ser ist zum Glück nichts pas­siert. Es ist Ines (Kath­le­en Mor­ge­ney­er), die mal Me­di­zin stu­diert hat und jetzt ob­dach­los ist. Die bei­den ein­sa­men Frau­en klam­mern sich so­fort an­ein­an­der. Sie fah­ren durch die Nacht, hö­ren im Au­to klas­si­sche Mu­sik, zi­tie­ren Hein­rich Hei­ne („Ich hab’ im Traum ge­wei­net“) und trin­ken Wein aus der Fla­sche, quat­schen und strei­ten sich. Im Ho­tel­zim­mer kommt es so­gar zu Zärt­lich­kei­ten und Hand­greif­lich­kei­ten. Spä­ter fin­det Agnes her­aus, dass Ines (die im sel­ben Al­ter sein müss­te wie Ly­dia jetzt) sich schon öf­ter vor ei­nen Wa­gen ge­wor­fen hat, um „ge­ret­tet“zu wer­den.

Re­gis­seu­rin Ma­ria Speth sagt in ei­nem State­ment des Sen­ders über ih­ren Film, Agnes und Ines wür­den ih­re fa­mi­liä­ren Ver­let­zun­gen mit sich tra­gen, als sie sich be­geg­nen. „Als Mut­ter und als Toch­ter. Mit der Chan­ce, sich in die­sen Rol­len an­ders zu er­fah­ren. Oder sich zu wie­der­ho­len.“Mit­tel­punkt sind al­so zwei zu­tiefst ver­zwei­fel­te und völ­lig ver­ein­sam­te Frau­en, de­nen die­se Ver­lo­ren­heit förm­lich auf der Stirn ge­schrie­ben steht.

Zu se­hen sind graue Bil­der ei­ner grau­en Stadt. Jeg­li­che Emo­tio­nen sind auf Eis ge­legt. So bleibt stets ei­ne selt­sa­me Dis­tanz, ei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­on mit ei­ner der Haupt­fi­gu­ren ist kaum mög­lich, man quält sich re­gel­recht durch die­sen sehr am­bi­tio­nier­ten Film. Ei­ne Ent­wick­lung der Fi­gu­ren ist nicht wahr­nehm­bar, de­ren Han­deln bleibt un­greif­bar, auch man­gels Vor­ge­schich­te.

„Töch­ter“, Ar­te, 21.45 Uhr

FOTO: ZDF

Agnes (Co­rin­na Kirch­hoff, rechts) hat Ines (Kath­le­en Mor­ge­ney­er) bei sich im Ho­tel auf­ge­nom­men. Die bei­den Frau­en ha­dern mit fa­mi­liä­ren Pro­ble­men.

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