So wild sprin­gen die Snow­boar­der

Für den Snowboard-Ex­per­ten Chris­ti­an Öfner ist der Qua­drup­le Cork, der Sprung mit dem fast un­aus­sprech­li­chen Na­men, der Hei­li­ge Gral un­ter den Tricks. Bis­her ha­ben ihn welt­weit nur drei Snow­boar­der aus­pro­biert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Qua­dro... Qua­drat... Qua, was? Ein paar An­läu­fe braucht Chris­ti­an Öfner meis­tens, bis sein Ge­gen­über den Sprung al­ler Snow­boar­dSprün­ge ver­stan­den hat. Und noch ein paar mehr sind nö­tig, bis sein Ge­gen­über den Qua­drup­le Cork selbst aus­spre­chen kann. Noch mal lang­sam für al­le, die das jetzt zum ers­ten Mal le­sen: QUA-DRU-PLE CORK. So heißt der Meis­ter-Sprung, bei dem der Bo­ar­der sich vier­mal aus der Ver­ti­kal- und ge­nau­so oft aus der Ho­ri­zon­tala­chse dreht. Wer die­sen Trick be­herrscht, ge­hört zur Welt-Eli­te des Win­ter­sports. „In den letz­ten sechs Mo­na­ten pro­bier­ten die­sen Sprung nur drei Snow­boar­der aus“, sagt Öfner, Re­dak­teur beim Snowboard-Ma­ga­zin Plea­su­re.

Snow­boar­den ist jung, hip, be­liebt. Ver­mut­lich der Grund, war­um das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee, kurz IOC, ei­ne neue Snowboard-Dis­zi­plin auf die Wett­be­werbs-Lis­te ge­nom­men hat. 2018 wird im süd­ko­rea­ni­schen Pyo­eng­chang zum ers­ten Mal Big Air aus­ger­ta­gen. Ein Wett­kampf, in dem sich Bo­ar­der schon seit Mit­te der 90er mes­sen. „Und der für Nich­tS­now­boar­der be­son­ders zu­gäng­lich ist“, sagt Öfner. Weil auf engs­tem Raum ein ma­xi­ma­les Spek­ta­kel ge­bo­ten wer­de. „Wir freu­en uns sehr, dass Big Air olym­pisch wird, weil der Free­style-Ge­dan­ke trans­por­tiert wird“, fin­det der Ex­per­te. Auch wenn da­für der Snowboard Par­al­lelRie­sen­sla­lom von der Wett­be­werbsLis­te ge­stri­chen wur­de. Und Free-

Chris­ti­an Öfner Snowboard-Ex­per­te style ist das, was die Leu­te se­hen wol­len, spek­ta­ku­lä­re Tricks sor­gen für ho­he Ein­schalt­quo­ten.

Und das ha­ben in­zwi­schen auch die Ver­ant­wort­li­chen vom IOC be­grif­fen. Ob­wohl erst 1998 die ers­te Snowboard-Dis­zi­plin auf die Wett­kampf­lis­te auf­ge­nom­men wur­de. „Half­pipe in Na­ga­no“, sagt Öfner. Da­mals noch ein biss­chen stief­müt­ter­lich be­han­delt, sind die Bo­ar­der mit ih­ren wag­hal­si­gen Tricks heu­te nicht mehr weg­zu­den­ken aus den Win­ter­spie­len. Bei Big Air fah­ren die Snow­boar­der ei­ne Schan­ze hin­un­ter – die Pro­fis nen­nen die Schan­ze auch gern Ki­cker, weil sie in die Luft ge­kickt wer­den. Neu­lin­ge fan­gen mit ei­ner ein Me­ter ho­hen Schan­ze an, bei Kön­nern ist der Turm schon mal 35 Me­ter hoch. Wich­tig ist der Win­kel, „der et­wa bei 45 Grad liegt, da­mit der Sport­ler in ei­ner Art Pa­ra­bel fliegt“, sagt Öfner. In die­ser Zeit zeigt der Snow­boar­der ei­nen Sprung, mit dem er die Ju­ry über­zeu­gen will. Kein leich­ter Job, wie Chris­ti­an Öfner fin­det. „Das ist sau schwer zu be­ur­tei­len. Ich wür­de nicht tau­schen wol­len.“Denn Über­schlä­ge al­lein zäh­len bei Big Air nicht. Die Kampf­rich­ter ent­schei­den oft sub­jek­tiv, „sie le­gen viel Wert auf Äs­t­he­tik und Krea­ti­vi­tät. Der Sprung muss sty­lish sein“, sagt der Re­dak­teur, der oh­ne Luft zu ho­len hin­zu­fügt: „ob­wohl ich das Wort ,sty­lish’ über­haupt nicht mag“.

Shaun Whi­te zum Bei­spiel ist so ein Typ, der sty­lish, le­ger und gleich­zei­tig cool ist, ver­mut­lich der be­kann­tes­te Bo­ar­der der Welt. Un­ver­kenn­bar: Sei­ne schul­ter­lan­gen, rot ge­lock­ten Haa­re. Spä­tes­tens jetzt wer­den auch die meis­ten sportaf­fi­nen Lai­en wis­sen, wer ge­meint ist. Und ge­nau­so sty­lish, le­ge­re und cool wie Shaun Whi­te ist, soll auch das Big Air-Event in Glad­bach wer­den. Üb­ri­gens: Die Ka­na­di­er, Ame­ri­ka­ner und Nor­we­ger do­mi­nie­ren den Sport. Lang­sam aber si­cher sei­en auch die Chi­ne­sen wie in so vie­len an­de­ren Sport­ar­ten auch auf dem Vor­marsch.

„Das ist sau schwer zu be­ur­tei­len. Ich wür­de nicht tau­schen wol­len.“

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