„Fuß­ball ist nicht das Wich­tigs­te im Le­ben“

Die Bo­rus­sia-Spie­ler Lars St­indl, Tobias Sip­pel und ihr Trai­ner An­dré Schu­bert be­such­ten ges­tern die Kin­der­kli­nik des „Eli“in Rhe­ydt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON TIM SPECKS

RHE­YDT „Ja wir schwö­ren St­ein und Bein, auf die Elf vom Nie­der­rhein“dröhnt es aus den Bo­xen. Ei­ne Men­schen­men­ge stimmt ein, vie­le tra­gen schwarz-weiß-grüne Tri­kots, Schals oder Müt­zen. Im Ge­drän­ge ist kaum ein Durch­kom­men. Un­ter den Au­gen der An­we­sen­den nimmt ein ge­wis­ser An­dré Schu­bert Platz auf ei­nem Stuhl, wäh­rend ein Mann mit Mi­kro­fon die Na­men „Lars“und „Tobias“ei­ner ge­spannt war­ten­den Mas­se von jun­gen Leu­ten ent­ge­gen spricht. Was klingt, wie Sams­tag­nach­mit­tag, 15.25 Uhr in der Nord­kur­ve des Bo­rus­sia-Parks, spiel­te sich tat­säch­lich ges­tern Mit­tag auf Sta­ti­on K4 der Kin­der­kli­nik im Eli­sa­beth-Kran­ken­haus in Rhe­ydt ab. Bo­rus­sia-Trai­ner An­dré Schu­bert so­wie Tor­hü­ter Tobias Sip­pel und Of­fen­siv-Ak­teur Lars St­indl be­such­ten ei­ni­ge jun­ge Pa­ti­en­ten im Kran­ken­haus.

Bei dem Be­such der De­le­ga­ti­on der Foh­len­elf han­delt es sich um ei­ne Art Tra­di­ti­on. Seit rund 15 Jah­ren kom­men je­des Jahr Ver­tre­ter der Bo­rus­sia in die Kli­nik, um den Kin­dern, die dort be­han­delt wer­den, ei­ne Stipp­vi­si­te ab­zu­stat­ten.

Nach­dem Pro­fes­sor Dr. Wolf­gang Köl­fen, Chef­arzt des Zen­trums für Kin­der- und Ju­gend­me­di­zin, An­dré Schu­bert, Lars St­indl und Tobias Sip­pel den an­we­sen­den Pa­ti­en­ten, El­tern und Kli­nik-Mit­ar­bei­tern vor­ge­stellt hat­te, schrie­ben die drei Bo­rus­sen zu­nächst Au­to­gram­me und po­sier­ten für Fotos. An­schlie­ßend war­te­te Wolf­gang Köl­fen mit et­was auf, das wohl ge­nau­so tra­di­ti­ons- reich ist, wie die Kli­nik-Be­su­che der Bo­rus­sia selbst. Un­ter sei­nem wei­ßen Arzt­kit­tel trug er ei­nen wei­te­ren, über­sät mit Un­ter­schrif­ten von Trai­nern und Spie­lern, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zur Au­to­gramm­stun­de in die Kin­der­kli­nik ge­kom­men wa­ren. Selbst­re­dend ka­men ges­tern drei wei­te­re Au­to­gram­me da­zu – die von Schu­bert, St­indl und Sip­pel.

Nach der Au­to­gramm­stun­de führte Chef­arzt Köl­fen die Bo­rus­sen durch die Kli­nik, an­ge­fan­gen auf Sta­ti­on K4, auf der zu­meist Schul­kin­der be­han­delt wer­den. Da­nach be­such­ten Arzt, Trai­ner und Spie­ler die Klein­kin­der-Sta­ti­on für Pa­ti­en­ten un­ter drei Jah­ren. Zu­letzt führte der Rund­gang dann auf die Früh­ge­bo­re­nen-Sta­ti­on. In der Rhe­ydter Kli­nik wer­den je­des Jahr 6800 Kin­der sta­tio­när be­han­delt, hin­zu kom­men 20.000 am­bu­lan­te Be­hand­lun­gen.

Bei den pro­mi­nen­ten Be­su­chern hin­ter­ließ der Be­such in der Kli­nik spür­bar Ein­druck. „Da wird ei­nem be­wusst, wie wich­tig die Ge­sund­heit ist und auch, dass es Wich­ti­ge­res im Le­ben gibt als Fuß­ball“, sag­te An­dré Schu­bert. Nicht nur für die jun­gen Pa­ti­en­ten, son­dern auch für ihn war der Be­such der Kli­nik ein ge­lun­ge­ner Aus­flug. „Wir freu­en uns, dass wir den Kin­dern ei­ne Freu­de be­rei­ten konn­ten“, so Schu­bert. Tor­hü­ter Tobias Sip­pel war be­son­ders vom Be­such auf der Früh­chen­Sta­ti­on be­ein­druckt. „Es ist fas­zi­nie­rend, wie weit die Me­di­zin heu­te ist, zum Bei­spiel, dass auch Früh­ge­bo­re­ne mit ei­nem Ge­wicht von viel- leicht 400 Gramm ei­ne Über­le­bens­chan­ce ha­ben“, so Sip­pel. Wenn die Bo­rus­sen zu ih­rem jähr­li­chen Be­such in die Kli­nik kom­men, be­wirkt das bei den klei­nen Pa­ti­en­ten gleich meh­re­re Din­ge, er­klärt Wolf­gang Köl­fen. „Die Kin­der sind elek­tri­siert“, sagt er. „Sie mer­ken dann aber auch, dass die Pro­fis auch Men­schen sind, wie ih­re Brü­der und Vä­ter.“Was aber viel­leicht der wich­tigs­te Ef­fekt ist: „Die Freu­de der Kin­der trägt auch zum Hei­lungs­pro­zess bei. Un­se­re Ge­sund­heit ist stark von un­se­ren Emo­tio­nen ab­hän­gig. Wer sich freut, der ver­gisst sei­ne Schmer­zen ein­fach mal für ei­nen Mo­ment“, so Köl­fen. Doch nicht nur die Pa­ti­en­ten er­le­ben wäh­rend der Be­su­che be­son­de­re Mo­men­te, sagt Köl­fen: „Wenn die Pro­fis auf der Früh­chen­sta­ti­on sind, wer­den sie nach­denk­lich. Es kommt zu ei­ner Be­sin­nung auf das We­sent­li­che. Sie mer­ken dann auch eins – Fuß­ball ist nicht das Wich­tigs­te im Le­ben.“

RP-FOTO: RAUPOLD

Pro­mi­nen­ter Be­such in der Kin­der­kli­nik: An­dré Schu­bert, Lars St­indl und Tobias Sip­pel (v. r.).

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