Sin­fo­ni­ker la­den Flücht­lin­ge ein

Zum ers­ten Mal or­ga­ni­sie­ren die Blech­blä­ser der Nie­der­rhei­ni­schen Sin­fo­ni­ker ein Weih­nachts­kon­zert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Die Po­sau­ne hat ei­ne ko­mi­sche Stim­me, fin­det ei­ne Mu­si­ke­rin. Und die Trom­pe­te soll­te un­be­dingt mit der Tu­ba spie­len. „Mehr phra­sie­ren, da­bei aber kein Tem­po ver­lie­ren“, sagt Ber­ten Clayes. Wäh­rend der Laie bei die­ser Un­ter­hal­tung nur Bahn­hof ver­steht, wis­sen die Blech­blä­ser der Nie­der­rhei­ni­schen Sin­fo­ni­ker ganz ge­nau, was die Kol­le­gen mei­nen. Da wer­den auch schon mal ver­meint­li­che Feh­ler auf dem No­ten­blatt wie­der und wie­der ge­spielt, um da­nach fest­zu­stel­len, dass es doch kei­ner war.

Die Sin­fo­ni­ker sind eben Pro­fis, auch bei der ers­ten von acht Pro­ben für das gro­ße Weih­nachts­kon­zert „Fest­li­cher Ju­bel“, das sie am 9. De­zem­ber im Thea­ter Mön­chen­glad­bach spie­len. Zum ers­ten Mal üb­ri­gens. Un­ter den Gäs­ten sol­len auch Flücht­lin­ge sein, für die das En­sem­ble 20 Ti­ckets aus der ei­ge­nen Orches­ter­kas­se ge­kauft hat. „Die Sin­fo­ni­ker ar­bei­ten eng mit dem SKM Rhe­ydt zu­sam­men“, sagt Eva Zie­gel­hö­fer vom Thea­ter.

„Un­ser Pro­gramm stand schon, da kam uns die Idee, Flücht­lin­ge ein­zu­la­den“, sagt Clayes. Weil die weih­nacht­li­chen Songs wie „A Per­lu­de and Fu­gue for Christ­mas“von Si­mon Wills ein­fach Klas­si­ker sei­en, „und die an­de­ren Stü­cke me­lo­disch ganz ein­fach sind“, fin­det Clayes. Für die Sin­fo­ni­ker ist die Ein­la­dung ei­ne klei­ne Ges­te, und sie ha­ben sich ganz be­wusst da­zu ent­schie­den, nicht ein Kon­zert aus­schließ­lich für Flücht­lin­ge zu spie­len. „So sind sie mit­ten­drin, zu­sam­men mit dem üb­ri­gen Pu­bli­kum“, sagt Andre­as Mei­er-Krü­ger, der ei­ne der Po­sau­nen im Orches­ter spielt.

Das Weih­nachts­kon­zert ist nicht die ers­te Ver­an­stal­tung, zu der die Sin­fo­ni­ker Flücht­lin­ge ein­ge­la­den ha­ben. Kon­tra­bas­sist Holger Saß­manns­haus er­in­nert sich noch gut an das Bild ei­ner Fa­mi­lie, die von der Mit­te des Saals zu­schau­te: „Ich sit­ze im­mer ein biss­chen hö­her und sah, wie sie ge­strahlt ha­ben.“Weil für die Mu­sik der Blä­ser nie­mand Deutsch oder Eng­lisch oder Far­si kön­nen muss. Weil Mu­sik ver­bin­det und al­le ir­gend­wie da­zu­ge­hö­ren, sind sich die Sin­fo­ni­ker ei­nig. Na­tür­lich sol­len die Mus­li­me nicht zu kurz kom­men, des­we­gen wer­den beim Weih­nachts­kon­zert nicht nur Weih­nachts­lie­der ge­spielt. „Das wä­re auch zu süß“, sagt Ber­ten Clayes, der „Fest­li­cher Ju­bel“zu­sam­men­ge­stellt hat. Mit fest­li­chen Stü­cken von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach, Di­mi­trij Schosta­ko­witsch und Ro­ger Har­vey. „Die ha­ben viel ge­mein­sam, die Kom­po­nis­ten wa­ren zwar al­le kei­ne Re­vo­lu­tio­nä­re, ha­ben aber al­les bis zur Per­fek­ti­on aus­ge­ar­bei­tet“, sagt der Po­sau­nist.

Das Be­son­de­re am Weih­nachts­kon­zert ist, dass es oh­ne Di­ri­gent ge­spielt wird. „Wir sind ge­zwun­gen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, kön­nen aber al­les sel­ber ge­stal­ten“, sagt Clayes. Da­für soll es ei­nen Mo­de­ra­tor ge­ben, der mit dem Pu­bli­kum in Kon­takt steht. „Das ist et­was Un­ge­wöhn­li­ches, und wir wis­sen auch noch nicht, in wel­ches Spra­che wir mo­de­rie­ren“, sagt Clayes. Jetzt hofft er, dass die Flücht­lin­ge die Ein­la­dung an­neh­men. Da­bei setzt er vor al­lem auf Ma­ria Ni­ckel vom SKM. Die So­zi­al­ar­bei­te­rin wird für das Kon­zert wer­ben, im Ca­fé Wel­co­me zum Bei­spiel oder bei den Run­den Ti­schen. Eh­ren­amt­ler sol­len die Flücht­lin­ge üb­ri­gens be­glei­ten, da­mit sie sich in der Stadt und im Thea­ter in Mön­chen­glad­bach zu­recht­fin­den. „Wer je­man­den kennt, der ger­ne ins Kon­zert möch­te, der kann sich bei mir mel­den“, sagt Ni­ckel.

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