Ber­gi­schen Hand­bal­lern droht Ab­stieg

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON GE­ORG AMEND

SO­LIN­GEN Der Ber­gi­sche HC hat Fest­wo­chen vor sich: Am Sams­tag gas­tiert er zum so­ge­nann­ten ber­gi­schen Der­by in der Hand­ball-Bun­des­li­ga beim VfL Gum­mers­bach. Ei­ne Wo­che spä­ter kommt der TBV Lem­go, in der Wo­che dar­auf kann er mit ei­nem Sieg im Mitt­woch­aben­dSpiel ge­gen Zweit­li­gist Minden erst­mals in der Vereinsgeschichte ins Fi­nal­tur­nier des na­tio­na­len Po­kals ein­zie­hen. Und das Du­ell mit Re­kord­meis­ter THW Kiel am 27. De­zem­ber in der Köl­ner Lan­xess-Are­na ver­spricht mit mehr als 10.000 Zu­schau­ern ei­nen neu­en Ein­nah­me­re­kord. In­des – nach Fei­ern ist dem BHC so gar nicht zu­mu­te. Nach sie­ben Li­ga-Nie­der­la­gen in Se­rie soll­te ge­gen Auf­stei­ger TVB Stuttgart al­les bes­ser wer­den, doch das 21:21 ge­riet zum Tief­punkt der Sai­son. So ist der BHC, der sein drit­tes Bun­des­li­ga­jahr in Fol­ge spielt, ein Ab­stiegs­kan­di­dat. Die Grün­de für die bis­lang höchst er­nüch­tern­de Spiel­zeit. Ver­let­zun­gen Trai­ner Se­bas­ti­an Hin­ze mag es nie als Aus­re­de gel­ten las­sen, spricht statt­des­sen stets von „Auf­ga­ben“, die es zu lö­sen gel­te. Fakt ist aber, dass er noch kein Mal in die­ser Sai­son al­le Pro­fis an Bord hat­te. Ka­pi­tän Vik­tor Szilágyi hat­te mit ei­nem am En­de der Vor­sai­son er­lit­te­nen Seh­nen­riss un­ter dem lin­ken Fuß die ers­ten sechs Spie­le ver­passt. Bei sei­nem Come­back ge­gen Lüb­be­cke gab es gleich den zwei­ten Sieg (30:28) nach dem kla­ren 30:22 ge­gen Ei­se­nach. Doch der ös­ter­rei­chi­sche Na­tio­nal­spie­ler konn­te an­schlie­ßend nur noch fünf Par­ti­en mit­ma­chen, be­vor er sich mit ei­nem Teil­a­briss der Achil­les­seh­ne am rech­ten Fuß wie­der in den Kran­ken­stand ver­ab­schie­de­te. Die­ses Jahr wird der 37-Jäh­ri­ge nicht mehr spie­len. Von der Stamm­for­ma­ti­on ka­men bis­lang nur Alex­an­der Oel­ze, Ar­nor Gun­n­ars­son und Björg­vin Gus­tavs­son ver­let­zungs­frei durch die Run­de. Ka­der Zwei Ab­gän­gen – Kreis­läu­fer Ben­ja­min Meschke und Tor­hü­ter Ma­rio Huhn­stock – stan­den zu die­ser Sai­son drei Zu­gän­ge ge­gen­über: Tor­wart-Ta­lent Chris­to­pher Ru­deck, Alex­an­der Her­mann und Ace Jo­nov­ski – der Ka­der schien sinn­voll ver­stärkt. Die Ver­let­zun­gen sorg­ten aber da­für, dass der BHC stän­dig im­pro­vi­sie­ren muss­te. So konn­te er sein Po­ten­zi­al, das er im Trai­nings­la­ger in Ös­ter­reich vor die­ser Spiel­zeit noch an­ge­deu­tet hat­te, nie ab­ru­fen. Auf die er­neu­te Ver­let­zung von Szilágyi re­agier­ten die Ber­gi­schen vor Wo­chen­frist mit der Ver­pflich­tung von Inal Afli­tu­lin – wie schnell der rus­si­sche Mit­tel­mann aber Fuß fas­sen kann, ist frag­lich. Über­ra­schungs­ef­fekt In der Vor­sai­son wur­den die „Gro­ßen“der Li­ga zu Hau­se ge­schla­gen: SG Flens­bur­gHan­de­witt, Füch­se Ber­lin, RheinNeckar Lö­wen – sie al­le un­ter­la­gen dem BHC in der Wup­per­ta­ler Uni­hal­le. Ein Fak­tor auf dem Weg zum vier Spiel­ta­ge vor Schluss per­fekt ge­mach­ten Klas­sen­er­halt. Die­sel­ben drei Teams ge­wan­nen in die­ser Sai­son al­ler­dings be­reits beim BHC – nie­mand nimmt ihn mehr auf die leich­te Schul­ter. Der Über­ra­schungs­ef­fekt ist hier ge­nau­so ver­pufft wie bei der prä­fe­rier­ten Ab­wehr, die den Geg­ner in der Vor­sai­son un­ter Stress setz­te, wie es Trai­ner Hin­ze nennt. Das Kon­zept, dass drei Spie­ler aus der 6:0-Gr­und­for­ma­ti­on her­aus­tre­ten, wenn der Kon­tra­hent sei­ne An­grif­fe ein­lei­tet, hat in die­ser Sai­son noch nicht ge­grif­fen. Na­tür­lich spie­len auch hier Aus­fäl­le von Leis­tungs­trä­gern ei­ne Rol­le, Fakt ist aber: Mit 432 Ge­gen­to­ren stellt der BHC die fünftschlech­tes­te Ab­wehr der Li­ga. Cle­ver­ness Noch dra­ma­ti­scher ist die An­griffs­leis­tung: Die 373 To­re sind der zweit­schlech­tes­te Wert der Li­ga. Die Ber­gi­schen nutz­ten er­schre­ckend vie­le Groß­chan­cen nicht. Vor al­lem in ent­schei­den­den Si­tua­tio­nen fehlt dem BHC die Cle­ver­ness: In Leip­zig kas­sier­te er nach ei­ner 25:23-Füh­rung sechs To­re in Fol­ge und ver­lor 28:31, ge­gen Stuttgart führte er zwei Mi­nu­ten vor Schluss 21:18 und lan­de­te kei­nen Sieg. Dem Team fehlt in sol­chen Si­tua­tio­nen ein Spie­ler­typ, wie es Szilágyi ist: Ei­ner, der in den wich­ti­gen Pha­sen den Ball und die Ver­ant­wor­tung über­nimmt. Ein sol­cher Typ ist al­ler­dings nicht in Sicht. So könn­ten die Fest­wo­chen sehr bit­ter wer­den.

Stip­pe­fött­chen:

Chris­toph St­ei­nert, rechts Maximilian Weiß vom BHC.

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