Sind Ju­sos über­haupt straf­mün­dig?

Um die SPD-Ju­gend war es still ge­wor­den. Nun hat sie wie­der ge­lärmt. Sie will, dass gröbs­te Staats-Verun­glimp­fung künf­tig straf­los bleibt. Ein Holz­weg.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rheinische-post.de

Lan­ge nichts ge­hört von der SPD-Ju­gend, den „Jung­so­zia­lis­ten“. Nicht dass da­durch ein in­tel­lek­tu­el­les Va­ku­um in der po­li­ti­schen De­bat­te ent­stan­den wä­re. Aber ver­misst hat man die fre­chen Ju­sos schon ein we­nig; denn was wä­re ein al­tern­des Land oh­ne sei­ne klei­nen Un­ru­he­stif­ter. über­haupt: Jun­ge Uni­on, Jun­ge Li­be­ra­le, Grüne Ju­gend – die drei brau­chen ihr Ge­schwis­ter­chen mit der dun­kel­ro­ten Pu­del­müt­ze schon des­halb, um sich mit ihm von Zeit zu Zeit zu zan­ken.

Vor Kur­zem ha­ben uns die klei­nen Ro­ten den Ge­fal­len ge­tan und wie­der ein­mal Rab­batz ge­macht, so wie in al­ten Zei­ten, als Ju­so-Vor­sit­zen­de noch Schre­ckens-Na­men hat­ten, et­wa Ger­hard Schröder oder Hei­de­ma­rie Wieczorek-Zeul, die „ro­te Hei­di“aus Hes­sen-Süd.

Zu­ge­ge­ben, es hat zwar die Re­pu­blik nicht bis ins Mark er­schüt­tert, aber blo­ßer Kin­der­kram war es auch nicht, dass ein Ju­so-Kon­gress be­schloss, man sol­le un­ge­straft öf­fent­lich ru­fen dür­fen: „ Ey, Deutsch­land, du mie­ses Stück Schei­ße.“Wer so et- was auf ei­ner De­mo von sich gibt, der kann zum Ver­druss der Ju­sos we­gen Verun­glimp­fung des Staa­tes mit ei­ner Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren be­langt wer­den. Nun lie­ße sich nach den Er­fah­run­gen mit al­ler­lei frü­he­ren Ak­ti­vi­tä­ten der SPDJu­gend fra­gen, ob sie wohl je­mals Ge­fahr lie­fen, ver­ur­teilt zu wer­den. Denn auch jetzt er­we­cken sie den Ein­druck man­geln­der po­li­ti­scher Schuld­fä­hig­keit. Au­ßer­dem: Auch auf be­sag­tem Kon­gress wa­ren zwar al­le De­le­gier­ten äl­ter als zwölf Jah­re; den­noch, mit Ver­laub, mei­ne Fra­ge: Sind die Leut­chen wirk­lich straf­mün­dig?

Sie wer­den die Iro­nie des bis­he­ri­gen Tex­tes be­merkt ha­ben. Jetzt wird es doch noch ernst: Das Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit gilt nicht schran­ken­los. Gro­be per­sön­li­che Beleidigungen durch ei­nen Drit­ten muss sich kein ver­un­glimpf­ter Pri­vat­mensch ge­fal­len las­sen. Er kann (muss nicht) Straf­an­zei­ge er­stat­ten. Das gilt auch für den Staat, von dem es so tref­fend heißt, das sei­en „wir al­le“. Wer al­so meint, er dür­fe, ob auf Neo­na­zi-, Pe­gi­da- oder Ju­so-Um­zü­gen, die Bun­des­re­pu­blik und de­ren Staats­sym­bo­le ver­bal in den Dreck tre­ten, oh­ne dass sich Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft für ihn in­ter­es­sie­ren, der ist nicht nur ein po­li­ti­scher Holz­kopf, der ist auch auf dem ju­ris­ti­schen Holz­weg.

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