VW: Ab­gas-Skan­dal be­trifft we­ni­ger Au­tos als an­ge­nom­men

Für die Mar­ke Sko­da gibt Volks­wa­gen Ent­war­nung – da­für ge­rät Kon­kur­rent Opel in den Fo­kus. Die Bun­des­re­gie­rung will die Prü­fun­gen an­pas­sen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON JAN DREBES UND FLO­RI­AN RINKE

RÜSSELSHEIM/IN­GOL­STADT Wäh­rend sich Opel mit dem Vor­wurf falsch an­ge­ge­be­ner CO2-Wer­te aus­ein­an­der­set­zen muss, gibt Volks­wa­gen für ei­nen Teil sei­ner Fahr­zeu­ge Ent­war­nung: Die Zahl der ver­däch­ti­gen Au­tos schrump­fe, sag­te ges­tern ein Un­ter­neh­mens­spre­cher. An­fang No­vem­ber hat­ten die Wolfs­bur­ger mit­ge­teilt, dass rund 800.000 Fahr­zeu­ge über al­le Kon­zern­mar­ken hin­weg be­trof­fen sein könn­ten. Die VW-Toch­ter Sko­da teil­te ges­tern be­reits mit, nicht be­trof­fen zu sein.

Ge­gen ähn­li­che Ver­däch­ti­gun­gen wehrt sich Opel. Das ARD-Ma­ga­zin Mo­ni­tor be­haup­tet, dass bei dem Au­to­her­stel­ler in ei­ner in­ter­nen Prü­fung über­höh­te Koh­len­di­oxid­wer­te (CO2) ge­mes­sen wor­den sei­en. Mo­ni­tor lie­ge ein Pro­to­koll von Mes­sun­gen vor, wo­nach Ver­brauch und CO2-Emis­sio­nen beim Opel Za­fi­ra Die­sel im Durch­schnitt um 15 Pro­zent über den An­ga­ben des Her­stel­lers lie­gen. Opel er­klär­te ges­tern, dass es sich da­bei um fal­sche Be­haup­tun­gen han­de­le: „Die CO2-An­ga­ben sind kor­rekt.“Opel er­fül­le die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten.

Wür­den die Vor­wür­fe zu­tref­fen, müss­te Opel die Kun­den ent­schä­di- gen. Denn laut ei­nem Be­schluss des Bun­des­ge­richts­hofs darf der ge­mes­se­ne Ver­brauch ei­nes Pkw nicht mehr als zehn Pro­zent von den Her­stel­ler­an­ga­ben ab­wei­chen (Az. VIII ZR 19/05). „Schluckt der Wa­gen mehr, ist der Fahr­zeug­wert er­heb­lich ge­min­dert“, sagt Jens Tart­ler vom Ver­brau­cher­por­tal Fi­nanz­tip. Der Käufer kön­ne in so ei­nem Fall sein Au­to zu­rück­ge­ben und sich den Kauf­preis er­stat­ten las­sen oder den

Opel-Spre­cher Der Au­to­bau­er weist Vor­wür­fe, fal­sche

Ab­gas­wer­te an­zu­ge­ben, zu­rück. Wa­gen be­hal­ten und ei­nen Teil des Prei­ses zu­rück­ver­lan­gen.

Un­ter­des­sen hat die Bun­des­re­gie­rung an­ge­kün­digt, we­gen der Um­stel­lung des Prüf­ver­fah­rens bei Ty­pen­zu­las­sun­gen vom bis­he­ri­gen La­b­or­test zum rea­li­täts­nä­he­ren Stra­ßen­test auch den für 2020 gel­ten­den CO2-Grenz­wert von 95 Gramm pro Ki­lo­me­ter an­zu­pas­sen. Das geht aus der Ant­wort des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums auf ei­ne klei­ne An­fra­ge der Grü­nen-Frak­ti­on her­vor. „Ei­ne An­pas­sung des Prüf­ver­fah­rens er­for­dert ei­ne An­pas­sung be­reits fest- ge­leg­ter Ziel­wer­te“, heißt es im Schrei­ben des Um­welt­res­sorts.

Bis­her wer­den CO2-Emis­sio­nen und Kraft­stoff­ver­brauch un­ter La­bor­be­din­gun­gen er­mit­telt. Weil die­se Wer­te nie dem Aus­stoß un­ter rea­len Fahr­be­din­gun­gen ent­spre­chen, soll ab 2017 auf ein Stra­ßen­test­ver­fah­ren um­ge­stellt wer­den, bei dem hö­he­re Emis­si­ons- und Ver­brauchs­wer­te zu er­war­ten sind.

Das Um­welt­mi­nis­te­ri­ums teil­te mit, dass der Grenz­wert nicht qua­li­ta­tiv ver­än­dert wer­de, al­so nicht et­wa nach­läs­si­ger zu­guns­ten der Au­to­in­dus­trie. Die EU-Kom­mis­si­on wer­de vor­aus­sicht­lich im Ja­nu­ar ei­nen Vor­schlag für die Um­rech­nung des Grenz­werts ein­rei­chen.

Die Grü­nen be­fürch­ten, dass es da­bei zu ei­ner Ent­schär­fung für Au­to­bau­er kom­men wird. Ste­phan Kühn, ver­kehrs­po­li­ti­scher Spre­cher der Frak­ti­on, sag­te: „Die Bun­des­re­gie­rung ver­sucht of­fen­bar, ei­ne Auf­wei­chung des CO2-Ziels für Pkw durch die Hin­ter­tür zu er­rei­chen.“Der Po­ker in Brüssel sei ab­surd. „Ei­ner­seits schließt die EU in­dus­triefreund­li­che Schlupf­lö­cher im Test­ver­fah­ren aber an­de­rer­seits ver­sucht die Bun­des­re­gie­rung, die­sel­ben Schlupf­lö­cher an an­de­rer Stel­le wie­der ein­zu­bau­en.“

„Die CO2-An­ga­ben von

Opel sind kor­rekt“

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