EZB kauft län­ger An­lei­hen – Dax stürzt ab

Die Kur­se fal­len, weil die No­ten­bank ge­gen al­le Er­war­tun­gen nicht mehr Geld als bis­her für Staats­pa­pie­re aus­gibt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

FRANKFURT/M. Seit­dem die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) im März die­ses Jah­res ihr bil­lio­nen­schwe­res An­lei­hel­auf­pro­gramm ge­star­tet hat, geht die Sor­ge um, dass die No­ten­bank die Fi­nanz­märk­te zu sehr mit Geld flu­ten könn­te. Für durch­schnitt­lich et­wa 60 Mil­li­ar­den Eu­ro kauft die No­ten­bank seit­her Staats­an­lei­hen der Eu­ro-Staa­ten. Ge­plant war das Pro­gramm bis Sep­tem­ber des kom­men­den Jah­res, jetzt läuft es so­gar bis März 2017. Das hat die EZB ges­tern be­schlos­sen. Aber sie kauft nicht mehr An­lei­hen als bis­her, und das hat die Bör­sia­ner ent­täuscht. Fol­ge­rich­tig ist der Deut­sche Ak­ti­en-In­dex (Dax) ge­fal­len, und zwar in der ers­ten St­un­de nach Be­kannt­ga­be der Ent­schei­dung um drei Pro­zent. Da­nach hol­te der Dax ei­nen Teil der Ver­lus­te wie­der ein. War­um stür­zen die Kur­se ab? Bör­sia­ner hat­ten ges­tern da­mit ge­rech­net, dass die Zen­tral­bank die Sum­me ih­rer mo­nat­li­chen An­lei­hen­käu­fe auf 70 Mil­li­ar­den Eu­ro auf­sto­cken wür­de. Das ist nicht pas­siert, und da­mit kommt we­ni­ger Geld als er­war­tet an die Fi­nanz­märk­te. Mehr Geld hät­te da­ge­gen mehr Nach­fra­ge und da­mit stei­gen­de Kur­se be­deu­tet. War­um gibt es das Pro­gramm? EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi will mit den An­lei­hen­käu­fen zwei Din­ge er­rei­chen: In den Län­dern, in de­nen der­zeit ei­ne Re­zes­si­on oder zu­min­dest ei­ne Wirt­schafts­flau­te herrscht, soll die Kon­junk­tur an­ge­kur­belt wer­den, und über die stei­gen­de Geld­men­ge soll das im­mer noch ex­trem nied­ri­ge Preis­ni­veau stei­gen. Die In­fla­ti­on soll nach den Vor­stel­lun­gen der Zen­tral­ban­ker um zwei Pro­zent lie­gen, aber in Deutsch­land bei­spiels­wei­se sind die Ver­brau­cher­prei­se im No­vem­ber nur um 0,1 Pro­zent ge­stie­gen. Funk­tio­niert die EZB-Po­li­tik si­cher? Nein. Wenn die Ban­ken das Geld, das sie für die An­lei­hen von der EZB be­kom­men, nicht als Kre­dit wei­ter­rei­chen, geht Drag­his Plan nicht auf. Und die­se Ge­fahr ist durch­aus ge­ge- ben, denn wo­mög­lich ist für die Ge­schäfts­ban­ken ein Fir­men­kre­dit mit nied­ri­ger Zins­mar­ge aus Er­trags­sicht ein­fach nicht at­trak­tiv ge­nug. Dar­um hat Draghi die Ver­län­ge­rung des Kauf­pro­gramms mit ei­ner An­he­bung der so­ge­nann­te Straf­zin­sen gar­niert – je­nem Zins­satz, den Ge­schäfts­ban­ken zah­len müs­sen, wenn sie Geld bei der eu­ro­päi­schen No­ten­bank par­ken, statt es an ein Un­ter­neh­men zu ver­lei­hen. Die­ser Zins­satz steigt von 0,2 auf 0,3 Pro­zent. Ge­ne­rell gilt zu­dem: Je mehr Geld über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum in den Wirt­schafts­kreis­lauf fließt, um so grö­ßer ist al­len nied­ri­gen In­fla­ti­ons­ra­ten zum Trotz die Ge­fahr, dass sich an ein­zel­nen Märk­ten Preis­bla­sen bil­den – bei­spiels­wei­se an den Im­mo­bi­li­en­märk­ten in Bal­lungs­zen­tren und de­ren Um­land. Was hat die EZB noch im Kö­cher? Nicht mehr viel. Der Leit­zins liegt seit ei­nem Jahr auf dem Re­kord­tief von 0,05 Pro­zent. aber das hat in der Eu­ro-Zo­ne ins­ge­samt bis­her nicht ge­reicht, um Wachs­tum und Be­schäf­ti­gung an­zu­kur­beln. Und das seit März lau­fen­de An­lei­hen-Kauf­pro­gramm hat of­fen­sicht­lich auch nicht die be­ab­sich­tig­te Wir­kung ge­habt. Ei­ne noch wei­te­re Ab­sen­kung der Zin­sen wür­de kei­nen Sinn ma­chen. So­mit bleibt nur ei­ne Aus­wei­tung und/oder Ver­län­ge­rung des Kauf­pro­gramms. Was ist neu? Die EZB will künf­tig nicht nur An­lei­hen aus Mit­glieds­staa­ten der Eu­ro­Zo­ne kau­fen, son­dern sie ist auch be­reit, Staats­pa­pie­re bei­spiels­wei­se von deut­schen Lan­des­re­gie­run­gen, Kom­mu­nen oder Krei­sen zu kau­fen. Auch die fi­nan­zie­ren sich über die Aus­ga­be sol­cher Schuld­ti­tel, wa­ren bis­her aber nicht auf dem Ra­dar der No­ten­bank. Von wem kauft die EZB? Sie darf die Pa­pie­re nicht von der öf­fent­li­chen Hand di­rekt er­wer­ben, denn das wä­re Staats­fi­nan­zie­rung. Die ist ver­bo­ten. So­mit kann die EZB nur An­lei­hen kau­fen, die be­reits auf dem Markt sind, und die auch nur von Ban­ken oder an­de­ren Fi­nanz­dienst­leis­tern.

FOTO: DPA

Die Eu­ro-Skulp­tur vor der EZBZen­tra­le in Frankfurt

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