Ge­lun­ge­ne Rück­kehr von Cold­play

Auf dem neu­en Al­bum fin­det die bri­ti­sche Band zu al­ter Form zu­rück.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON MAX FLO­RI­AN KÜH­LEM

DÜSSELDORF Ei­ne Faust­re­gel im Pop lau­tet: Je län­ger die Lis­te der Gast­stars, des­to schlech­ter das Al­bum. Im Book­let des neu­en Cold­play-Al­bums „A He­ad Full Of Dreams“, das heu­te er­scheint, ist die Lis­te sehr lang. Tim Berg­ling ali­as Avicii hat wie­der Beats pro­gram­miert. No­el Gal­lag­her spielt Gi­tar­re. Die schwe­di­sche New­co­me­rin To­ve Lo hat Ge­sän­ge bei­ge­steu­ert – ge­nau wie Me­gastar Beyon­cé. Da­ve Grohl von den Foo Figh­ters sagt die Band eben­falls Dan­ke. Und so­gar Gwy­neth Paltrow, die An­lass für das eher mit­tel­mä­ßi­ge Tren­nungs­al­bum „Ghost Sto­ries“war, taucht in der Lis­te auf. Ih­re Stim­me irr­lich­tert ir­gend­wo in den Sound­land­schaf­ten von „Ever­glow“.

„Ever­glow“ist der Link zum Vor­gän­ger-Al­bum und ein Schlüs­sel, um das neue Werk zu ver­ste­hen: Front­mann Chris Mar­tin ist nach der Tren­nung von Gwy­neth Paltrow an­schei­nend wie­der gu­ter Din­ge, singt vom „ewi­gen Glü­hen“, das ei­ne star­ke Lie­be ent­facht. Die Me­lan­cho­lie des Songs er­in­nert zwar noch an die trä­gen, et­was lar­mo­yan­ten „Ghost Sto­ries“. Doch ei­gent­lich soll das neue Al­bum den Vor­gän­ger prak­tisch ver­ges­sen ma­chen: An­statt mit sei­nem Ma­te­ri­al zu tou­ren, sind die Bri­ten gleich wie­der ins Stu­dio ge­gan­gen – in Ma­li­bu, L.A. und Lon­don – um nur ein­ein­halb Jah­re spä­ter ein far­ben­fro­hes Co­ver in die Ton­trä­ger-Re­ga­le und Down­load-Por­ta­le ein­zu­spei­sen.

Pas­send zu des­sen Re­gen­bo­gen­far­ben ist die Grund­stim­mung der neu­en Lie­der op­ti­mis­tisch. Die fro­he Bot­schaft für al­le Fans: So schlecht wie die Lis­te der Gast­stars lang ist „A He­ad Full Of Dreams“gar nicht. Ob­wohl Cold­play den Weg wei­ter ge­hen, den sie ir­gend­wann wäh­rend der Auf­nah­men zu „X & Y“ein­ge­schla­gen ha­ben: Sie lö­sen klas­si­sche Song-Struk­tu­ren in Sound­Land­schaf­ten auf und lau­fen ak­tu­el­len Trends aus HipHop und R’n’B hin­ter­her. Man könn­te sa­gen: Sie ha­ben das bri­ti­sche Pop-Prin­zip ge­gen das ame­ri­ka­ni­sche ein­ge­tauscht. Bis die­ses Un­ter­fan­gen auf­geht, muss sich der Hö­rer durch zwei be­lie­bi­ge Stü­cke aus der Ra­di­oGr­ab­bel­kis­te dö­sen. „Hymn For The Wee­kend“, das Beyon­cé mit mäd­chen­haf­tem Träl­ler­ge­sang ein­lei­tet, ist dann al­ler­dings ein fett pro­du­zier­ter Hit, der in den obe­ren Re­gio­nen der Bill­board-Charts nicht auf­fal­len wür­de.

Wie schon auf ih­rem best ver­kauf­ten Al­bum, „A Rush Of Blood To The He­ad“, stel­len Cold­play ei­nen der stärks­ten Song ganz ans En­de: „Up And Up“, das Chris Mar­tin li­ve so an­kün­dig­te: „Wir ha­ben seit 15 Jah­ren dar­auf ge­war­tet, sol­che Songs zu spie­len.“Tat­säch­lich kann er sich mit Ma­te­ri­al aus al­ten Ta­gen zu­min­dest mes­sen: Nicht nur we­gen No­el Gal­lag­hers E-Gi­tar­ren­so­lo klin­gen Cold­play hier end­lich mal wie­der wie die Ret­ter des an­ge­schla­ge­nen Brit­pop-Gen­res.

FOTO: WAF­ZIG

Chris Mar­tin, 38 Jah­re al­ter Sän­ger der Band Cold­play.

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