Auch oh­ne Stern ein Star am Herd

Vor über zwei Jah­ren er­öff­ne­te Chris­ti­an Penz­horn in Ra­tin­gen-Lin­torf ein Re­stau­rant mit ei­nem An­ge­bot, das er Land­haus­kü­che nennt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR -

Gut ge­le­gen? Als Penz­horn Düsseldorf ver­ließ (dort hat­te er im Mon­key’s-West und im Vic­to­ri­an ge­ar­bei­tet), hing das wo­mög­lich mit sei­ner Er­kennt­nis zu­sam­men, dass das Ko­chen in der Lan­des­haupt­stadt auf Ster­ne-Ni­veau zwar viel Ruhm, aber noch mehr Stress be­schert. Al­so ab ins un­mit­tel­ba­re Um­feld. Ra­tin­gen-Lin­torf ist hübsch, von Düsseldorf aus schnell er­reich­bar. Das Re­stau­rant Penz­horn ist ein al­tes Post­ge­bäu­de mit ho­hen De­cken, gro­ßen Fens­tern und viel At­mo­sphä­re. Park­plät­ze gibt es reich­lich, die di­rekt da­ne­ben ver­lau­fe­ne Gü­ter­zug­stre­cke dürf­te nur im Som­mer die Ter­ras­sen­gäs­te stö­ren. Stil­voll? Ja – aber mit Ein­schrän­kun­gen. Der ge­räu­mi­ge Gast­raum ist in De­sign und Vo­lu­men zu­rück­hal­tend ge­stal­tet, die Ti­sche ste­hen aus­rei­chend weit aus­ein­an­der, um un­ge­stört zu spre­chen. Wit­zig sind al­te Ur­kun­den zur His­to­rie des Ge- bäu­des an den Wän­den, merk­wür­dig da­ge­gen die da­ne­ben hän­gen­de, abs­trak­te Kunst. Wenn sie ei­nen Kon­trast zum al­ten Ge­bäu­de bil­den soll, ist das ge­lun­gen – hier die schö­ne His­to­rie, da­ne­ben we­nig an­sehn­li­che Bil­der aus der Jetzt­zeit. Gut ge­schmeckt? Das hat es. Weil wir uns bei den durch­weg reiz­voll klin­gen­den Vor­spei­sen nicht ent­schei­den konn­ten, wähl­ten wir die Eta­ge­re mit ver­schie­de­nen Vor­spei­sen (14 Eu­ro p.P.) und ge­nos­sen die schön ge­styl­te Por­ti­ön­chen. Ro­teBe­te-Mous­se, ge­bra­te­ne Scam­pi auf Sa­lat und an­de­re per­fekt an­ge­rich­te­te Mi­nis wa­ren buch­stäb­lich leicht zu ge­nie­ßen, mach­ten Lust auf mehr, oh­ne die da­zu nö­ti­ge Ka­pa­zi­tät zu dämp­fen. Nur weil es so le­cker ist, lie­ßen wir uns noch ein weich ge­koch­tes Ei, rund­um leicht an­ge­bra­ten, auf ge­trüf­fel­tem Spi­nat (zehn Eu­ro) ser­vie­ren und wur­den nicht ent­täuscht. Als Haupt­ge­richt wähl­ten wir Zan­der mit Spi­nat auf Herb­s­tri­sot­to (24 Eu­ro). Der Süß­was­ser­fisch war gut ab­ge­stimmt mit den Bei­la­gen, auf den Punkt ge­gart, fein kross. Zu­dem hat­te uns die ge­schmor­te Och­sen­ba­cke (19,90) neu­gie­rig ge­macht – wie es sein soll, war die­ses klei­ne Stück Mus­kel­fleisch zart ge­nug, um von der Ga­bel ge­teilt zu wer­den. Rot­wein­scha­lot­ten, Pil­ze und Sel­le­rie­pü­ree har­mo­nier­ten da­mit her­vor­ra­gend. Gu­te Ide­en? Ja – die oben ge­nann­te Art, meh­re­re Spei­sen auf ei­nem mehr­stö­cki­gen Ta­blett zu ser­vie­ren, kann­ten wir so bis­her nur zum Nach­mit­tags­kaf­fee mit Ge­bäck. Nett auch, zum üb­li­chen Salz, Schmalz und Brot vor­ab das Oli­ven­öl in ei­ner win­zi­gen Fla­sche mit Schnapp­ver­schluss zu rei­chen. Das war was fürs Au­ge. Über­ra­schend? Die Kar­te für die Klei­nen (Chi­cken-Nug­gets mit Pom­mes oder Pas­ta mit To­ma­ten­sau­ce) nach Al­ter zu be­rech­nen, war uns neu: ein Eu­ro pro Jahr. Mut zur Lü­cke? Ja, den gibt es, zwei­fel­los. Die Kar­te ist klein, aber um­fas­send ge­nug, um für je­den Ge­schmack was an­zu­bie­ten, je­den­falls über­haupt nicht über­la­den. Kein Steak, kein Wie­ner Schnit­zel, kei­ne Pas­ta – gut so, das muss nicht im­mer sein. Den Preis wert? Ja – al­le Vor­spei­sen un­ter 20, kein Haupt­ge­richt auch nur na­he an 30 Eu­ro. Und das bei ei­ner Qua­li­tät, die mit der der weit­aus teu­re­ren ver­gleich­ba­ren Re­stau­rants min­des­tens gleich­auf liegt. Gut be­dient? Oh­ne Zwei­fel. Die jun­ge Da­me, die sich um uns küm­mer­te, war kom­pe­tent und ver­bind­lich und schaff­te sehr sou­ve­rän die Grat­wan­de­rung zwi­schen ein biss­chen kess und an­ge­nehm freund-

lich. Ei­ne gu­te Be­die­nung. Fa­zit: Ein an­er­ken­nen­der Gruß an die Kü­che für den frü­he­ren Ster­ne­koch, der zwar kei­nen Stern mehr hat, aber im­mer noch so kocht. Hof­fent­lich spricht sich das rum, denn von Ra­tin­ger Gäs­ten al­lein wird er nicht le­ben kön­nen. INFOChris­ti­an Penz­horn, Kon­rad-Ade­nau­er-Platz 29, 40885 Ra­tin­gen. Tel. 0 21 02 / 38 999 70; Kü­che Di - Sa 17.30 - 22 Uhr; So & fei­er­tags 12 bis 22 Uhr; www.chris­ti­an-penz­horn.de

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