Noch 39 Ha­sel­nüs­se für Aschen­brö­del

Die tsche­chi­sche Mär­chen-Ver­fil­mung ist ein Weih­nachts­klas­si­ker und wird nun in der Köl­ner Phil­har­mo­nie ge­zeigt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON MAR­TI­NA STÖ­CKER

DÜSSELDORF Wer meint, das Ge­du­del von „Last Christ­mas“wä­re schon schlimm, der hat noch nicht die Vor­weih­nachts­zeit mit ei­nem ex­tre­men „Drei Ha­sel­nüs­se für Aschen­brö­del“-Fan ver­bracht. Kein an­de­rer Weih­nachts­klas­si­ker läuft im Fern­se­hen so oft: An Hei­lig­abend al­lein fünf Mal – die­je­ni­gen, die kei­nen Wert auf Vor­be­rei­ten, Got­tes­dienst­be­such, Be­sche­rung und trau­tes Bei­sam­men­sein un­term Baum le­gen, müs­sen auf kaum ei­ne Mi­nu­te ver­zich­ten. Und soll­te 14.20 13.30 12.10 14.40 20.15 21.15 23.15 8.35 8.40 8.50 9.00 16.15 23.15 WDR ARD ARD WDR Ein­sfes­ti­val rbb

hr BR Ein­sfes­ti­val NDR rbb MDR SWR doch je­mand am 24. De­zem­ber kei­ne Zeit ge­habt ha­ben, der be­kommt an den drei fol­gen­den Ta­gen sechs Chan­cen, das Aschen­brö­del auf sei­nem Weg ins Glück zu be­glei­ten. Ins­ge­samt noch 13 Mal läuft die tsche­chisch-ost­deut­sche Pro­duk­ti­on in den kom­men­den Wo­chen. Den Auf­takt der Nuss-Sai­son am ers­ten Ad­vent sa­hen im Kin­der­ka­nal um 12Uhr mehr als zwei Mil­lio­nen – von sol­chen Zah­len träumt Sat1 in der Prime­time.

War­um die Men­schen das Aschen­brö­del lie­ben, ist für vie­le ein Rät­sel, doch der mehr als 40 Jah­re al­te Film ist im­mer noch ein Hit beim Pu­bli­kum – trotz der vor­her­seh­ba­ren Ge­schich­te, grau­sa­mer Ko­s­tü­me (man den­ke nur an den Lam­pen­schirm-Hut der Stief­mut­ter) und der schlech­ten Tricks, wenn zum Bei­spiel im­mer das pas­sen­de Kleid aus ei­ner Zau­ber­nuss quillt, ganz oh­ne Knit­ter­fal­ten. Mit­ten im Film wech­seln die Haupt­dar­stel­ler die Pfer­de, weil da­mals in Tsche­chi­en die Maul- und Klau­en­seu­che aus­ge­bro­chen war und die Tie­re nicht zum Dreh­ort in die DDR ge­bracht wer­den durf­ten. Egal.

Al­so was macht die Fas­zi­na­ti­on aus? Es ist ein Mix aus al­lem, was vie­le Mäd­chen und Frau­en, in de­nen ir­gend­wo noch ein Mäd­chen steckt, mö­gen: Es gibt ein sehr hüb­sches ar­mes Ding (Aschen­brö­del), ge­spielt von der be­zau­bern­den Li­buse Saf­ran­ko­va, ein wei­ßes Pferd (Ni­ko­laus), ei­nen Hund (Kas­per­le) und ei­nen Prin­zen (Prinz), der zwar ei­ne Pott-Fri­sur hat, aber das Aschen­brö­del ver­göt­tert. Und am En­de rei­ten sie durch die Ei­ses­käl­te über schnee­be­deck­te Fel­der – er in Strumpf­ho­sen und sie in ih­rem dün­nen Braut­kleid – und nie­mand rät ihr, bes­ser ei­nen Schal an­zu­zie­hen, weil sie sonst nicht wirk­lich lan­ge et­was von ih­rem Prin­zen ha­ben wird. Der­art ent­rückt von der Wirk­lich­keit passt die Ge­schich­te in die Weih­nachts­zeit, vor al­len Din­gen weil die jun­ge Frau sich nicht er­obern lässt, son­dern den Prin­zen selbst an Land zieht.

Mit­ver­ant­wort­lich für den Er­folg von „Drei Ha­sel­nüs­se für Aschen­brö­del“ist si­cher­lich die Mu­sik des Kom­po­nis­ten Ka­rel Svo­bo­da. Zum Glück hat es das Lied „Wo klei­ner Vo­gel ist dein Nest“, das im tsche­chi­schen Ori­gi­nal Ka­rel Gott singt, nur in der In­stru­men­tal­ver­si­on in den Film ge­schafft – das be­wahrt viel von sei­nem Zau­ber. Svo­bo­da, der die dia­man­te­ne Schall­plat­te für mehr als zehn Mil­lio­nen ver­kauf­te Ton­trä­ger er­hielt, ist auch ver­ant­wort­lich für die Me­lo­di­en von „Bie­ne Ma­ja“, „Wi­ckie“und „Nils Hol­gers­son“. Zum ers­ten Mal er­klingt sei­ne „Aschen­brö­del“-Mu­sik nun in der Köl­ner Phil­har­mo­nie: Am 27. De­zem­ber wird das Mär­chen im Ki­no­for­mat und mit Be­glei­tung des Ra­dio­sym­pho­nie­or­ches­ters Pil­sen auf­ge­führt.

Und der Hy­pe geht wei­ter. Es gibt ein Thea­ter­stück, ein Musical, ei­ne Aus­stel­lung am Dreh­ort Schloss Mo­ritz­burg bei Dresden, aus der im ver­gan­ge­nen Jahr so­gar ei­ne Ko­pie des Ball­kleids erst ge­stoh­len und dann per Pa­ket wie­der zu­rück­ge­schickt wur­de. Die Sän­ge­rin Jac­que­line Ze­bisch hat un­ter dem Künst­ler­na­men El­la End­lich auf das Aschen­brö­del-„La­la­la“die Zei­le „Küss mich, halt mich, lieb mich“ge­legt und er­reich­te da­mit 2009 Platz 12 in den deut­schen Charts – un­nö­tig, nach der Jah­res­zeit zu fra­gen. Es war na­tür­lich Weih­nach­ten. INFO27. De­zem­ber, 15 und 19 Uhr, Köl­ner Phil­har­mo­nie. Kar­ten un­ter 0211 - 274000 oder www.west­ti­cket.de

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