Te­nor Ja­mes Park: Der Pre­mie­ren­ret­ter

Seit der Spiel­zeit 2014/2015 ist Ja­mes Park Mit­glied im Opern­stu­dio. Schon jetzt hat er sich ei­nen Na­men ge­macht.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON BEATE WYGLENDA

Mehr­fach ist Ja­mes Park spon­tan bei Pre­mie­ren ein­ge­sprun­gen, weil die Erst­be­set­zung krank ge­wor­den ist. Seit­her gilt der Te­nor im Thea­ter schlicht als „der Pre­mie­ren­ret­ter“. Bei „Hoff­manns Er­zäh­lun­gen“im No­vem­ber 2014 ist es das ers­te Mal pas­siert: Die Erst­be­set­zung der „Vier-Die­ner-Rol­le“ist vor der Pre­mie­re im Glad­ba­cher Haus plötz­lich krank ge­wor­den. Der jun­ge Te­nor soll­te aus­hel­fen. „Mein ers­ter Ge­dan­ke war: Oh mein Gott, was ma­che ich jetzt“, sagt Park. Doch dann kon­zen­trier­te sich der Nach­wuchs­künst­ler, über­prüf­te sich selbst, ob er sich fit fühl­te und die Stim­me nicht be­legt war. „Da­nach setz­te das Mit­ge­fühl für den Kol­le­gen ein, da er bei der Auf­füh­rung nicht selbst da­bei sein konn­te.“

Schließ­lich ist die Pre­mie­re die wich­tigs­te Vor­stel­lung – auch für er­fah­re­ne Ha­sen. Für ei­nen Neu­ling, so Park sel­ber, sei die Mög­lich­keit, bei ei­ner Pre­mie­ren­auf­füh­rung mit­zu­wir­ken, ein­fach ei­ne rie­sen­gro­ße Eh­re. „An die­sem Abend sind ja auch Jour­na­lis­ten zu Gast, was ei­nem die wert­vol­le Chan­ce gibt, ein Feed­back zu be­kom­men.“

Ent­spre­chend ge­freut hat sich der Sti­pen­di­at am Opern­stu­dio, dass er in der Pres­se lo­bend er­wähnt wur­de, dass von sei­ner „ju­gend­li­chen Fri­sche“die Re­de war. Auch von dem Rol­len­va­ter gab es Lob, dass die Vor­stel­lung nicht aus­fal­len muss­te.

Knapp ein Jahr spä­ter stand der Te­nor dann vor sei­ner nächs­ten gro­ßen Be­wäh­rungs­pro­be. Die Pre­mie­re der Oper „Pe­ter Gri­mes“von Ben­ja­min Brit­ten stand in Kre­feld an. „Ich wuss­te, dass ich nicht zum Ein­satz kom­me und freu­te mich dar­auf, die Auf­füh­rung in Ru­he an­zu­se­hen.“Doch die Erst­be­set­zung der Rol­le Bob Bo­les wur­de krank. Wie­der wur­de Park ge­be­ten, ein­zu­sprin­gen.

Das Lam­pen­fie­ber war auch beim zwei­ten Mal ge­wal­tig, doch ge­ra­de mit die­ser Rol­le hat sich Park in­ten­siv aus­ein­an­der­ge­setzt. „Bob Bo­les ist ein ekel­haf­ter und per­ver­ser Cha­rak­ter. Ge­ra­de weil er mir so fremd ist, ha­be ich ihn lan­ge ana­ly­siert und mich Stück für Stück in sein We­sen ein­ge­ar­bei­tet, um ihn über­zeu­gend dar­stel­len zu kön­nen.“Park konn­te auch dies­mal wie­der glän­zen.

Der ge­bür­ti­ge Süd­ko­rea­ner kommt aus ei­ner mu­si­ka­li­schen Fa­mi­lie und hat schon als Kind in Chö- Ja­mes Park

Te­nor ren ge­sun­gen, doch erst in Deutsch­land, mit 17 Jah­ren, nahm er Ge­s­angs­un­ter­richt. „Erst hier ha­be ich fest­ge­stellt, dass es mein Her­zens­wunsch ist, zu sin­gen.“Park stu­dier­te Opern­ge­sang an der Ro­ber­tSchu­mann-Hoch­schu­le Düsseldorf. Er er­gat­ter­te meh­re­re Par­ti­en im Rah­men der jähr­li­chen Hoch­schul­pro­duk­tio­nen und er­ar­bei­te­te sich ei­ni­ge En­ga­ge­ments in klei­ne­ren En­sem­bles und grö­ße­ren Chor­for­ma­tio­nen. An sei­ne ers­te Büh­nen­er­fah­rung er­in­nert er sich: Bel­li­nis „I Ca­pu­le­ti e i Mon­tec­chi“im Aal­to-Mu­sik­thea­ter Es­sen. Park wirk­te im Ex­tra­chor mit. „Ich stand hin­ten und be­ob­ach­te­te, wie die So­lis­ten ih­ren gro­ßen Auf­tritt hat­ten. Das hat mich sehr be­ein­druckt. Vor al­lem der Cha­rak­ter-Te­nor Te­bal­do hat mich fas­zi­niert.“Noch im­mer macht es Park Spaß, im Chor zu sin­gen, doch die­se Er­fah­rung nähr­te sei­nen Wunsch, selbst So­list zu wer­den.

Das Schlüp­fen in ver­schie­de­ne Rol­len – auch in her­aus­for­dern­de – fin­det der jun­ge Te­nor span­nend. Sein Wunsch ist es, mal die Rol­le des Ne­mo­ri­no in Gae­ta­no Do­ni­zet­tis Oper „Der Lie­be­s­trank“zu über­neh­men. „Die­se Oper hat mir schon als Kind ge­fal­len. Ich mag das nai­ve, ein­fa­che und hoff­nungs­los ro­ma­ti­sche We­sen Ne­mo­ri­nos. Mit ihm kann ich mich sehr gut iden­ti­fi­zie­ren.“

„Mein ers­ter Ge­dan­ke war: Oh mein Gott, was

ma­che ich jetzt“

RP-FOTO: T. LAMMERTZ

Ja­mes Park wur­de in Ko­rea ge­bo­ren. Seit 2004 lebt er in Deutsch­land. Seit der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit ge­hört er zum Opern­stu­dio Nie­der­rhein.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.