Fi­fa-Exe­ku­ti­ve ent­mach­tet den Prä­si­den­ten

Die US-Jus­tiz er­mit­telt ge­gen wei­te­re 16 Funk­tio­nä­re.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

DÜSSELDORF/ZÜ­RICH Die Fi­fa ist in den ver­gan­ge­nen Wo­chen aus dem Fo­kus ge­ra­ten. Der deut­sche Fuß­ball war mit sich selbst be­schäf­tigt, mit mög­li­chen kai­ser­li­chen Ver­ge­hen, Schum­me­lei­en rund um die Ver­ga­be der WM 2006, selt­sa­men Geld­trans­fers, die nie­mand so recht er­klä­ren kann. Die Schwei­zer Po­li­zei hat nun wie­der die rich­tig bö­sen Bu­ben des Welt­fuß­balls ins ent­spre­chen­de Zwie­licht ge­zerrt.

Buch­stäb­lich. Am sehr frü­hen Mor­gen hol­te sie in Zü­rich zwei wich­ti­ge Fi­fa-Funk­tio­nä­re aus dem kom­for­ta­blen Ho­tel­bett. Die bei­den Vi­ze­prä­si­den­ten Juan An­gel Na­pout (Paraguay) und Al­f­re­do Ha­wit Ba­ne­gas (Hon­du­ras) wur­den fest­ge­nom­men. Nach Be­hör­den-Aus­kunft be­fin­den sie sich auf Er­su­chen von US-Er­mitt­lern in Aus­lie­fe­rungs­haft. Sie ste­hen un­ter Kor­rup­ti­ons­ver­dacht. Die US-Jus­tiz er­mit­telt ge­gen 16 wei­te­re Funk­tio­nä­re des Fuß­ball­Welt­ver­ban­des. Das gab Jus­tiz­mi­nis­te­rin Lo­ret­ty Lynch ges­tern Abend be­kannt. Na­men nann­te Lynch nicht. Nach In­for­ma­tio­nen der BBC soll der frü­he­re bra­si­lia­ni­sche Ver­bands­chef Ri­car­do Tei­xei­ra zu den Per­so­nen ge­hö­ren, de­nen ei­ne Ver­wick­lung in Be­ste­chun­gund Kor­rup­ti­ons­de­lik­te in Hö­he von et­wa 200 Mil­lio­nen US-Dol­lar vor­ge­wor­fen wird.

Da­mit er­reicht der Fi­fa-Skan­dal sei­nen nächs­ten Hö­he­punkt. Für den ers­ten pu­bli­kums­wirk­sa­men Schlag ge­gen Kor­rup­ti­on an der Spit­ze des Fuß­ball-Welt­ver­bands sorg­ten US-Er­mitt­ler und das Schwei­zer Bun­des­amt für Jus­tiz vor ei­nem hal­ben Jahr. Vor dem Fi­faKon­gress in Zü­rich wur­den sie­ben füh­ren­de Fuß­ball-Funk­tio­nä­re in Zü­rich fest­ge­nom­men. Die Er­mitt­ler weck­ten sie wie Na­pout und Ha­wit Ba­ne­gas in al­ler Frü­he im Lu­xus­ho­tel Baur au Lac.

Ei­ner von ih­nen, Jef­frey Webb von den Kay­man­in­seln, gilt als sehr ge­sprä­chi­ger In­for­mant der US-Be­hör­den, auf de­ren Er­mitt­lun­gen sich die Schwei­zer Kol­le­gen stüt­zen. Webb ist of­fen­bar dar­an in­ter­es­siert, ei­ne dro­hen­de Stra­fe durch Ent­ge­gen­kom­men ab­zu­mil­dern. Des­halb ist es wahr­schein­lich, dass der Skan­dal durch die er­neu­ten Fest­nah­men in Zü­rich noch lan­ge nicht be­en­det ist.

Die Auf­klä­rungs­ar­beit der USA­me­ri­ka­ner hat be­reits da­zu ge­führt, dass der noch am­tie­ren­de Fi­fa-Prä­si­dent Sepp Blat­ter und des­sen einst er­klär­ter Nach­fol­ge-Kan­di­dat Mi­chel Pla­ti­ni von der Fi­faE­thik­kom­mis­si­on mit ei­ner 90-tä­gi­gen Sper­re be­legt wur­den. Bei­de müs­sen mit schwer­wie­gen­de­ren Fol­gen rech­nen.

Ges­tern woll­te das Fi­fa-Exe­ku­tiv­ko­mi­tee mit den ers­ten drin­gend not­wen­di­gen Re­form­schrit­ten in die Zu­kunft auf­bre­chen. Es trat al­ler­dings mit ei­ner per­so­nell ge­schwäch­ten Mann­schaft an. Blat­ter und Pla­ti­ni fehl­ten we­gen ih­rer Sper­ren, die Vi­ze­prä­si­den­ten Na­pout und Ha­wit Ba­ne­gas sa­ßen in Haft, der Ko­lum­bia­ner Lu­is Be­doya er­klär­te aus der si­che­ren Hei­mat sei­nen Rück­tritt, nach­dem auch er un­ter den Ver­dacht der Be­stech­lich­keit ge­ra­ten war.

Das Rumpf­team von 20 der 25 Exe­ku­tiv-Mit­glie­der (dar­un­ter der als DFB-Prä­si­dent zu­rück­ge­tre­te­ne Wolf­gang Niers­bach) be­schloss ein ers­tes Re­form­pa­ket, das weit hin­ter den For­de­run­gen von Kor­rup­ti­ons­ex­per­ten zu­rück­bleibt. Wich­tigs­te Punk­te: Es soll künf­tig ei­ne Art Auf­sichts­rat ge­ben, das Coun­cil, das aus 35 De­le­gier­ten und dem Prä­si­den­ten ge­bil­det wird. Die­se Funk­tio­nä­re dür­fen ma­xi­mal zwölf Jah­re im Amt blei­ben und sol­len die Stra­te­gie der Fi­fa vor­ge­ben. Das Coun­cil tritt an die Stel­le des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees, hat aber kei­ne exe­ku­ti­ve Ge­walt mehr. Auch der Ein­fluss des Prä­si­den­ten wird da­mit be­schnit­ten. Die Ver­gü­tung der Funk­tio­nä­re soll jähr­lich ver­öf­fent­licht wer­den.

Das Ge­ne­ral­se­kre­ta­ri­at wird auf­ge­wer­tet. Es über­wacht das ope­ra­ti­ve und kom­mer­zi­el­le Ge­schäft. Die Zahl der Ko­mi­tees wird von 26 auf neun re­du­ziert. Al­len Ko­mi­tees sol­len un­ab­hän­gi­ge Mit­glie­der an­ge­hö­ren. Ein Ko­mi­tee soll aus In­ter­es­sen­ver­tre­tern, der Spie­ler, der Ver­ei­ne und der Li­gen ge­bil­det wer­den.

Der Fi­fa-Kon­gress am 26. Fe­bru­ar 2016 muss die­sen Re­for­men noch zu­stim­men.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.