So spie­len sie in Eu­ro­pa ge­gen die Über-Teams

Im Rei­gen der 17 Bun­des­li­gis­ten stellt sich al­so mor­gen für Bo­rus­sia die Fra­ge: mau­ern ge­gen die Bay­ern oder mu­tig mit­spie­len? Ein Pa­tent­re­zept ge­gen ein Über-Team gibt es nicht – üb­ri­gens auch nicht in den an­de­ren Top-Li­gen Eu­ro­pas, wie ein Blick dort­hin

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON STE­FAN KLÜTTERMANN

„Das geht trotz­dem in die Rich­tung Mit­spie­len, selbst wenn es am En­de

Ge­gen­to­re ha­gelt“

Zu­wei­len wird in die­sen Ta­gen Bo­rus­si­as Rol­le im mor­gi­gen Spiel arg über­höht: Qua­si die letz­te Hoff­nung der Li­ga auf ei­nen Hin­run­densieg ge­gen die­se al­les zer­mal­men­den Bay­ern sei An­dré Schu­berts Team, war zu le­sen. Denn von den ver­blei­ben­den Münch­ner Geg­nern In­gol­stadt und Han­no­ver sei das wohl kaum zu er­war­ten. Erst ei­nen Zäh­ler gab der Re­kord­meis­ter in die­ser Sai­son ab: Frankfurt er­mau­er­te sich ein 0:0. Soll­te Bo­rus­sia al­so auch den Bus vor dem ei­ge­nen Sech­zeh­ner par­ken? Oder das spie­le­ri­sche Herz in bei­de Hän­de neh­men und mu­tig of­fen­siv spie­len? Dar­über wird der­zeit mun­ter und kon­tro­vers dis­ku­tiert. Ein Pa­tent­re­zept ge­gen ei­ne Über­mann­schaft gibt es nicht. Nicht hier in Deutsch­land, und ge­nau­so we­nig in den an­de­ren Top-Li­gen Eu­ro­pas, wie ein Blick dort­hin zeigt.

Bei­spiel Spa­ni­en Wer sich als Mit­glied der Pri­me­ra Di­vi­sión den Hoch­be­gab­ten von Re­al Ma­drid und dem FC Barcelona ge­gen­über­sieht, der wird ja wohl al­ter­na­tiv­los mau­ern, oder? „Nein“, sagt Ja­vier Cá­ce­res, Spa­ni­en-Kor­re­spon­dent der „Süd­deut­schen Zei­tung.“„Das geht trotz­dem eher in die Rich­tung Mit­spie­len, selbst wenn es am En­de Ge­gen­to­re ha­gelt. Der Ca­te­n­ac­cio bleibt in Spa­ni­en ver­pönt.“So be­kam bei­spiels­wie­se José Lu­is Men­dilíbar, da­mals Trai­ner von CA Osa­su­na, 2011 viel Lob für den mu­ti­gen Auf­tritt sei­nes Teams in Ma­drid – trotz ei­ner 1:7-Klat­sche.

Bei­spiel En­g­land Das Über-Team gibt es in der Pre­mier Le­ague nicht, es sind viel mehr die Top Vier, be­ste­hend aus Man­ches­ter Ci­ty und Uni- ted, dem FC Ar­senal und dem FC Chel­sea. „Ge­gen Ar­senal zum Bei­spiel zie­hen sich die meis­ten Teams re­la­tiv weit zu­rück und spie­len dann ein Mit­tel­feld­pres­sing, aber bis auf we­ni­ge Aus­nah­men oh­ne Gegenpressing. Man kon­zen­triert sich in der Of­fen­si­ve auf Stan­dards oder Kon­ter über Ziel-Stür­mer“, sagt Ra­pha­el Ho­nig­stein, Pre­mier-Le­agueEx­per­te der „SZ“.

Bei­spiel Schweiz Sechs­mal in Fol­ge wur­de der FC Ba­sel zu­letzt Meis­ter, und auch ak­tu­ell liegt er wie­der weit vor­ne in der Su­per Le­ague. „Vie­le Geg­ner pro­bie­ren es mit ei­ner de­fen­si­ven Va­ri­an­te, an­de­re ha­ben schlicht nicht die Qua­li­tät, um mu­tig und da­bei auch klug zu spie­len. Drei­mal hat Ba­sel in die­ser Sai­son ver­lo­ren, ein­mal, weil Bern an dem Abend ein­fach bes­ser auf­ge­legt war, ein­mal, ge­gen die Gras­shop­per, weil der Schieds­rich­ter kei­nen gu­ten Tag hat­te. Und zu­letzt war die Mann­schaft nicht wil­lens, in St. Gal­len die Be­triebs­tem­pe­ra­tur bei ein­set­zen­dem Schnee­fall hoch­zu­hal­ten“, sagt Pe­ter Birrer, Sport­re­dak­teur beim „Ta­ges-An­zei­ger“aus Zü­rich.

Bei­spiel Frank­reich Das mit Ka­tar-Mil­lio­nen ge­pu­der­te Pa­ris St.

Ja­vier Cá­ce­res SZ-Kor­re­spon­dent Ger­main ist seit 2012 das Maß al­ler Din­ge in der Li­gue 1. Glaubt man Sport­blog­ger Kai Pahl (al­le­s­aus­ser­sport.de), sind die ver­meint­li­chen Ver­fol­ger mehr da­mit be­schäf­tigt, sich um die Plät­ze hin­ter PSG zu bal­gen, als da­mit, PSG selbst ein Bein zu stel­len. „Es gibt kei­ne Konstanz im Ver­fol­ger­feld. Je­der kann je­der­zeit ge­gen je­den ver­lie­ren. Da­durch wer­den al­le Spie­le ir­gend­wie egal“, sagt Pahl.

Bei­spiel Ita­li­en Das Über-Team der ver­gan­ge­nen Jah­re, Ju­ven­tus Tu­rin, ist in die­ser Sai­son keins. Viel­mehr ist die Li­ga aus­ge­gli­chen und über­ra­schend, was für Pahl ein Zei­chen ge­stie­ge­ner At­trak­ti­vi­tät der Se­rie A ist. „Wenn man ein kom­ple­xes Dreh­buch zu ei­ner Se­rie mit zahl­rei­chen un­ter­schied­li­chen Cha­rak­te­ren schrei­ben müss­te, es kä­me die Se­rie A raus. Für mich ist sie mit En­g­land die in­ter­es­san­tes­te Li­ga in Eu­ro­pa“, sagt er.

DAS SAGT AN­DRÉ SCHU­BERT ZU PER­SO­NA­LI­EN

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.