Zwei Dick­schä­del ler­nen De­mut

Im Film „Stur­köp­fe“müs­sen ei­ne Re­ha­trai­ne­rin und ein er­blin­de­ter Un­ter­neh­mer zu­ein­an­der­fin­den.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN - VON KLAUS BRA­EU­ER

BER­LIN (dpa) Zwei rich­ti­ge Dick­köp­fe tref­fen da auf­ein­an­der. Die jun­ge Sis­si Fisch­ba­cher (Al­wa­ra Hö­fels) steht kurz vor dem Ab­schluss ih­rer Aus­bil­dung zur Re­ha­trai­ne­rin für Seh­be­hin­der­te. Ei­ne letz­te Prü­fung steht ihr noch be­vor: Die Be­treu­ung des kürz­lich er­blin­de­ten Münch­ner In­dus­tri­el­len Theo Ols­son (Pe­ter Ha­ber), der ei­gent­lich aus Schwe­den stammt. Und das wird zu ei­ner un­ge­heu­ren Her­aus­for­de­rung für bei­de. Sie sagt bei der ers­ten Be­geg­nung im Kran­ken­haus: „Vie­le Men­schen wer­den durch ih­re schwe­re Er­kran­kung erst zu bes­se­ren Men­schen.“Dar­auf ant­wor­tet er: „Na, dann kann ich mir ja noch ei­nen Arm ab­ha­cken, dann wer­de ich viel­leicht ein noch bes­se­rer Mensch.“

Theo lehnt ei­nen Blin­den­hund ab, auch jeg­li­chen „Eso­te­rik-Kram“, und er hat gro­ße Angst, sich zu bla­mie­ren. Sis­si wohnt ei­gent­lich noch bei Ma­ma, zieht aber zeit­wei­se zu ihm in sein gro­ßes Haus. Ganz zag­haft ver­sucht sie, ihn da­zu zu be­we­gen, sei­ne üb­ri­gen Sin­ne zu be­nut­zen, um sein ver­lo­re­nes Au­gen­licht zu kom­pen­sie­ren – vor al­lem sein Ge­hör und sei­nen Ge­ruchs­sinn. Er nennt sie „das Mä­del“und ver­langt, dass sie ihn in vier Wo­chen fit macht, was na­tür­lich un­mög­lich ist. Ganz all­mäh­lich aber ak­zep­tie­ren sich Sis­si und Theo – weil sie die­sel­be kla­re Spra­che spre­chen.

Re­gis­seu­rin Pia Striet­mann (37, „Ta­ge, die blei­ben“) hat mit ih­rem ers­ten TV-Film ei­ne le­bens­klu­ge Tra­gi­ko­mö­die ge­dreht, in de­ren Mit­tel­punkt zwei voll­kom­men un­ter­schied­li­che und ver­ein­sam­te Men­schen ste­hen. Er er­in­nert in Ge­schich­te und Auf­bau stark an den fran­zö­si­schen Er­folgs­film „Ziem­lich bes­te Freun­de“. Ganz so schar­fe Dia­lo­ge und wit­zi­ge Sze­nen hat die deut­sche Va­ri­an­te lei­der nicht zu bie­ten – der Ar­beits­ti­tel „Kla­re Sicht bei mil­den Tem­pe­ra­tu­ren“wä­re aber zu­min­dest poe­ti­scher als „Stur­köp­fe“– denn so rich­tig stur sind sie ja im Grun­de gar nicht. Sie zei­gen sehr schön, wie die Fi­gu­ren von­ein­an­der ler­nen, ein bes­se­rer Mensch zu wer­den (was im­mer das heißt) und „Ja!“zu sa­gen zu ei­nem neu­en, ei­nem an­de­ren Le­ben.

„Stur­köp­fe“, ARD, 20.15 Uhr

FOTO: DPA

Die Blin­den­leh­re­rin Sis­si Fisch­ba­cher (Al­wa­ra Hö­fels) trai­niert mit dem er­blin­de­ten Stahl­fa­bri­kan­ten Theo Ols­son (Pe­ter Ha­ber) die Lang­s­tock­tech­nik.

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