Sach­wer­te soll es künf­tig auch online ge­ben

Trotz gu­ter Markt­zah­len re­agie­ren An­le­ger und Ver­trieb zu­rück­hal­tend auf Sach­wer­te-In­vest­ments. Die Com­merz Re­al be­geg­net dem nun mit ei­ner neu­en Online-Stra­te­gie.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON JÜR­GEN GRO­SCHE

Vor drei Jah­ren hat die Re­gu­lie­rung die Sach­wer­te-Welt kom­plett ver­än­dert, aber noch im­mer lei­det die Bran­che un­ter den Fol­gen der Ver­gan­gen­heit. Dr. Frank He­nes, Vor­stand der Com­merz Re­al AG, und Hei­ko Sz­c­zo­drow­ski, ver­ant­wort­li­cher Ge­schäfts­füh­rer der Ka­pi­tal­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft des Hau­ses, se­hen da­bei aber auch Ver­zer­run­gen in der sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung so­wohl bei An­le­gern als auch im Ver­trieb der Pro­duk­te.

„Wir müs­sen schau­en, was tat­säch­lich in den Port­fo­li­os pas­siert ist“, sagt Sz­c­zo­drow­ski. Nach Markt­zah­len des Bun­des­ver­ban­des Sach­wer­te und In­vest­ment­ver­mö­gen (bsi) wei­sen auf­ge­lös­te Ge­schlos­se­ne Im­mo­bi­li­en­fonds ei­ne jähr­li­che Durch­schnitts­ren­di­te von 10,3 Pro­zent auf, Flug­zeug­fonds so­gar von 22,3 Pro­zent. Auch die Com­merz Re­al zieht ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz für ih­re Fonds. Stand En­de 2014 ha­ben – so die Ge­sell­schaft – 52 der 71 be­reits auf­ge­lös­ten Fonds die Aus­schüt­tungs­pro­gno­sen ein­ge­hal­ten, sie­ben über­tra­fen sie, zwölf sei­en hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück­ge­blie­ben.

Das ak­tu­el­le Port­fo­lio der Com­merz Re­al ent­hält 95 Pro­duk­te, dar­un­ter 67 Pu­bli­kums­fonds. Sie schüt­te­ten 2014 ins­ge­samt 254,4 Mil­lio­nen Eu­ro aus und er­wirt­schaf­te­ten für das Jahr ei­ne Durch­schnitts­ren­di­te auf das ein­ge­zahl­te Ka­pi­tal von 6,14 Pro­zent. Im Jahr da­vor wa­ren es 5,46 Pro­zent. Zum Ver­gleich: Der Dax hat in den Jah­ren 2013 und 2014 nach Schluss­stän­den nur 2,7 Pro­zent Ren­di­te ge­bracht.

„Das Miss­trau­en ge­gen­über Ge­schlos­se­nen Fonds wird dem Pro­dukt als sol­chem nicht ge­recht“, be­tont He­nes, „son­dern be­ruht auf Kon­struk­ti­ons­feh­lern, die vie­le Fonds in der Ver­gan­gen­heit auf­wie­sen.“So zum Bei­spiel die Auf­nah­me un­ge­deck­ter Fremd­wäh­rungs­ri­si­ken oder viel zu op­ti­mis­ti­sche Zu­kunfts­pro­gno­sen. Au­ßer­dem die­nen Sach­wer­te – so der Vor­stand – nur zur Abrun­dung im Ver­mö­gen, sie soll­ten je­doch ei­nen An­teil von zehn bis 15 Pro­zent nicht über­schrei­ten. Und An­le­ger soll­ten auch hier die Ri­si­ken streu­en und nicht al­les in ein ein­zel­nes Pro­dukt in­ves­tie­ren.

„Der­zeit ist der Ver­trieb noch un­schlüs­sig, wie er auf die neue, re­gu­lier­te Welt re­agie­ren soll“, be­ob­ach­tet He­nes. „Wir müs­sen zei­gen: Ein Sach­wer­te-In­vest­ment ist ein ganz nor­ma­les An­la­ge­pro­dukt“, fügt Sz­c­zo­drow­ski hin­zu. „Es stellt sich jetzt die Fra­ge: Wie er­rei­chen wir die End­kun­den?“Zu die­sen zäh­len ja auch vie­le Selbst­ent­schei­der, die sich online in­for­mie­ren und dann auch ger­ne auf Por­ta­len die Pro­duk­te selbst kau­fen. Ge­nau die will die Com­merz Re­al jetzt ver­stärkt an­spre­chen. Nicht nur, in­dem der In­ter­net-Auf­tritt op­ti­ma­le Port­fo­lio-Struk­tu­ren zeigt, Fra­gen be­ant­wor­tet und Zu­sam­men­hän­ge er­klärt. Das Haus er­wägt auch den Ein­stieg in den Di­rekt­ver­trieb. Das hät­te Aus­wir­kun­gen auf die ge­sam­te Bran­che und wür­de vie­les ver­än­dern, auch zum Bei­spiel die Pro­duk­te. „Sie wer­den nie das­sel­be As­set über meh­re­re Ka­nä­le ver­trei­ben kön­nen“, ist Sz­c­zo­drow­ski über­zeugt. Online-af­fi­ne Pro­duk­te dürf­ten nicht zu groß­vo­lu­mig sein, und sie dürf­ten kei­ne kom­ple­xen Struk­tu­ren ha­ben. „Sie müs­sen klar, schlicht und gut dar­stell­bar sein.“

Der tra­di­tio­nel­le Ver­trieb fürch­te der­zeit die Fol­gen der Re­gu­lie­rung, tra­ge sich mit Haf­tungs­fra­gen, stel­len die Spe­zia­lis­ten fest. Die der­zei­ti­gen Um­sät­ze sind schwach, „die Vo­lu­mi­na tra­gen die Bran­che nicht“, bi­lan­ziert He­nes. Ent­wi­ckelt sich dies so wei­ter, kön­ne der Markt für un­ter­neh­me­ri­sche Be­tei­li­gun­gen im Pri­vat­kun­den­seg­ment zum Er­lie­gen kom­men.

Die Com­merz Re­al will da­her ne­ben dem klas­si­schen Ver­trieb auch die Online-Ver­triebs­ka­nä­le stär­ken. „Wir sind recht­lich, re­gu­la­to­risch und tech­nisch da­zu in der La­ge“, sagt Sz­c­zo­drow­ski. Die On­li­ne­Ka­nä­le rich­ten sich an Selbst­ent­schei­der; „wir ver­mit­teln nur, be­ra­ten aber nicht.“So lie­ße sich der re­gu­la­to­ri­sche Auf- wand be­gren­zen. Es ge­be ge­nug Mit­ar­bei­ter, die die für die Ver­mitt­lung von Fi­nanz­an­la­gen not­wen­di­ge Li­zenz nach der Ge­wer­be­ord­nung ha­ben. Vor al­lem: Seit lan­gem ver- treibt die Com­merz Re­al den Of­fe­nen Im­mo­bi­li­en­fonds haus­in­vest auch online. „Da­von pro­fi­tie­ren wir“, sagt He­nes, „das Know-how kön­nen wir nut­zen.“Die Ge­sell­schaft sucht nun nach As­sets, die da­zu pas­sen. Die Spe­zia­lis­ten sind zu­ver­sicht­lich, wel­che zu fin­den, da sie als gro­ßes Haus auf vie­len Märk­ten und in un­ter­schied­li­chen Seg­men­ten su- chen kann. Man darf nun ge­spannt sein, wel­che Aus­wir­kun­gen die­se Plä­ne auf die Com­merz Re­al und auf den Markt der Sach­wer­te-In­vest­ments ha­ben.

FOTO: THINKSTOCK/SCYTHER5

An­le­ger er­war­ten heu­te, Fi­nanz­din­ge online er­le­di­gen zu kön­nen. Die Sach­wer­te-Bran­che muss den Trend auf­grei­fen und online-af­fi­ne An­ge­bo­te brin­gen, sa­gen Ex­per­ten.

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