Mehr Si­cher­heit durch die Ver­wahr­stel­le

Sach­wer­te-In­vest­ments sind durch die Re­gu­lie­rung trans­pa­ren­ter ge­wor­den – auch weil jetzt ex­ter­ne Ver­wahr­stel­len die Ver­wen­dung der An­la­ge­gel­der kon­trol­lie­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON JÜR­GEN GRO­SCHE

In die Sach­wer­te-Welt kehrt all­mäh­lich Nor­ma­li­tät ein. Vor drei Jah­ren hat die Re­gu­lie­rung die ge­sam­te Bran­che kom­plett auf den Kopf ge­stellt. Miss­stän­de, mit de­nen man­che al­ten Ge­schlos­se­nen Fonds für Schlag­zei­len sorg­ten, sol­len nun durch neue Spiel­re­geln aus­ge­schlos­sen wer­den.

Ei­ne der neu­en Re­geln lau­tet: Ad­mi­nis­tra­ti­on und Ma­nage­ment ei­nes Fonds sind zu tren­nen von der Ver­wah­rung und Kon­trol­le der Ka­pi­tal­an­la­ge. Seit­her über­neh­men ex­ter­ne Ver­wahr­stel­len die­se Auf­ga­be. Mit ih­nen sind neue Ak­teu­re in den Markt der Ge­schlos­se­nen Fonds vor­ge­drun­gen, un­ter ih­nen die Düs­sel­dor­fer WGZ Bank. Sie hat­te be­reits viel Er­fah­rung mit der De­pot­bank­funk­ti­on für of­fe­ne In­vest­ment­fonds ge­sam­melt, dies kommt nun auch den ge­schlos­se­nen In­vest­ment­ver­mö­gen zu­gu­te. Als sol­che be­zeich­net man heu­te ger­ne die frü­he­ren Ge­schlos­se­nen Fonds; der Na­mens­wech­sel si­gna­li­siert die grund­le­gen­de Ve­rän­de­rung.

Kun­den der WGZ Bank sind die Ka­pi­tal­ver­wal­tungs­ge­sell­schaf­ten (KVG) von Of­fe­nen und Ge­schlos­se­nen Fonds. Die KVG grün­det den Fonds, er­wirbt das Ob­jekt, und küm­mert sich um die Ver­wal­tung der Im­mo­bi­lie. An- und Ver­kauf, Ver­mie­tung, Wer­ter­mitt­lung – al­les Auf­ga­be der KVG. „Wir sind hin­ge­gen ver­ant­wort­lich da­für, dass die Gel­der der An­le­ger kor­rekt ver­wen­det wer­den und die KVG die ge­setz­li­chen und ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen ein­hält“, nennt Su­san­ne Zy­rus, Lei­te­rin Ab­tei­lung De­pot­bank­ge­schäft der WGZ Bank, die wich­ti­ge Funk­ti­on der Ver­wahr­stel­le.

Die Zu­sam­men­ar­beit mit den Kun­den funk­tio­nie­re „er­staun­lich gut“, bi­lan­ziert Patrick West­er­hoff, Lei­ter Grup­pe De­pot­bank­ser­vices der WGZ Bank, die ers­ten Er­fah­run­gen mit den Sach­wer­teKVGs. Sie sei­en sehr dank­bar für die Emp­feh­lun­gen der Düs­sel­dor­fer Spe­zia­lis­ten, die die Re­gu­lie­rung ja be­reits aus der of­fe­nen Welt ken­nen. „Wir brin­gen un­se­re jah­re­lan­ge Er­fah­rung mit der Re­gu­lie­rung of­fe­ner Fonds ein und sind schon vor der Fonds­auf­la­ge ein­ge­bun­den um ei­ne re­gel­kon­for­me Fonds­auf­la­ge zu ge­währ­leis­ten.“

Ein Bei­spiel: Die KVG lässt sich ih­re Ar­beit von den An­le­gern na­tür­lich ver­gü­ten – doch auf wel­cher Be­mes­sungs­grund­la­ge? Die muss trans­pa­rent sein. Grund­la­ge ist in der Re­gel das ein­ge­zahl­te Ei­gen­ka­pi­tal. Doch was ge­nau ist da­mit ge­meint? „Wir schau­en zum Bei­spiel, ob das qua­li­fi­zier­te Ka­pi­tal als Grund­la­ge ver­wen­det wird“, er­klärt West­er­hoff. Kon­kret: Das ist das An­le­ger­ka­pi­tal, das dem Fonds nach Ablauf der Wi­der­spruchs­frist zur Ver­fü­gung steht. Die Ver­wahr­stel­le prüft, wie mit Gel­dern um­ge­gan­gen wird, die An­le­ger vor Ablauf der Frist doch noch zu­rück­zie­hen. Be­misst sich die Ver­gü­tung dann tat­säch­lich nur nach dem vor­han­de­nen Ka­pi­tal? „Auf sol­che Din­ge ach­ten wir“, be­schreibt Patrick West­er­hoff die Ar­beit der Ex­per­ten.

Das klingt al­les sehr tech­nisch, doch auch auf sol­che Din­ge soll­ten An­le­ger schau­en, wenn sie sich für Sach­wer­teIn­vest­ments in­ter­es­sie­ren. Wenn die Ver­wahr­stel­le gu­te Ar­beit macht und über ein gu­tes Re­nom­mee ver­fügt, ist das ein wich­ti­ges Qua­li­täts­merk­mal. „Ein An­le­ger soll­te sich fra­gen: Wür­de ich der Ver­wahr­stel­le – in der Re­gel ei­ne Bank – auch sonst mein Geld an­ver­trau­en?“, nennt Zy­rus als Bei­spiel.

Die im ge­nos­sen­schaft­li­chen Sek­tor ver­an­ker­te WGZ Bank macht ih­re Ar­beit be­son­ders gründ­lich, er­klärt die Ex­per­tin wei­ter. „Un­se­re ei­ge­ne Re­pu­ta­ti­on steht ja auch auf dem Spiel.“Des­halb legt die WGZ Bank zum ei­nen ho­hen Wert auf ei­ne sach­ge­rech­te Prü­fung und setzt ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter ein. Wei­ter ver­zich­tet die Bank lie­ber auf ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit ei­ner KVG wenn sie Ih­ren Auf­ga­ben nicht nach den ei­gens de­fi­nier­ten Stan­dards durch­füh­ren kann. „Wir ha­ben auch schon An­ge­bo­te ab­ge­lehnt“, sagt Zy­rus. Die Zu­sam­men­ar­beit der KVG mit der Ver­wahr­stel­le ist in­ten­siv, wie­der ein Bei­spiel: Ver­äu­ßert ein Fonds ei­ne Im­mo­bi­lie, be­glei­tet die Ver­wahr­stel­le den Trans­ak­ti­ons­pro­zess. Sie stellt si­cher, dass die Im­mo­bi­lie nicht un­ter Wert und im Rah­men der An­la­ge­be­din­gun­gen ver­kauft wird.

Zu­nächst hat­te die WGZ Bank Ver­wahr­stel­len-Auf­ga­ben nur bei Sach­wer­te-In­vest­ments in den Seg­men­ten Im­mo­bi­li­en, Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en und In­fra­struk­tur an­ge- nom­men – dort kann­ten sich die Ex­per­ten aus. Nun wol­len sie auch in den Flug­zeug­markt vor­drin­gen. „Wir ha­ben fest­ge­stellt, dass un­se­re Pro­zes­se pas­sen, das fach­li­che Know­how ha­ben wir die­ses Jahr auf­ge­baut“, er­klärt Su­san­ne Zy­rus.

Ei­nes kann ei­ne Ver­wahr­stel­le dem An­le­ger aber nicht ga­ran­tie­ren: Der wirt­schaft­li­che Er­folg ist nicht ab­hän­gig von ei­ner gu­ten Kon­trol­le. „Ein Sach­wer­te-In­vest­ment ist und bleibt ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Be­tei­li­gung mit den ent­spre­chen­den Ri­si­ken“, sagt West­er­hoff. An­le­ger soll­ten da­zu ei­ne kla­re Mei­nung ha­ben.

Und sie soll­ten die Mü­he nicht scheu­en, die Pro­spek­te und In­for­ma­tio­nen ge­nau zu stu­die­ren, rät der Ex­per­te. Nur wenn sie das In­vest­ment ver­ste­hen, kön­nen sie ei­ne fun­dier­te An­la­ge­ent­schei­dung tref­fen und die Chan­cen und Ri­si­ken des In­vest­ments be­wer­ten.

Die Ver­wahr­stel­le prüft den Um­gang mit Gel­dern, die An­le­ger vor Ablauf der Frist zu­rück­zie­hen

FOTO: THINKSTOCK/ALEX­AN­DR DU­BO­VITS­KIY

Ver­wahr­stel­len kon­trol­lie­ren die Ka­pi­tal­an­la­ge. Doch An­le­ger soll­ten auch selbst das In­vest­ment prü­fen und zum Bei­spiel die Pro­spek­te stu­die­ren.

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