Re­gio­na­le Ob­jek­te als „lang­wei­li­ge Sen­sa­tio­nen“

An den Top-Stand­or­ten wer­den Im­mo­bi­li­en rar und teu­er. Das hat bei Han­no­ver Lea­sing da­zu ge­führt, dass im­mer häu­fi­ger in Ob­jek­te an Stand­or­ten wie Hei­del­berg oder auch Müns­ter in­ves­tiert wird.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON PATRICK PE­TERS

Deutsch­land hat ge­gen­über den eu­ro­päi­schen Nach­barn ei­nen be­son­de­ren Stand­ort­vor­teil: Die wirt­schaft­li­che Leis­tung ver­teilt sich über al­le Re­gio­nen hin­weg und kon­zen­triert sich nicht auf ganz we­ni­ge Zen­tren, wie das bei­spiels­wei­se in Frank­reich (mit Pa­ris) oder En­g­land (mit Lon­don) der Fall ist. Dies führt da­zu, dass auch zahl­rei­che mit­tel­gro­ße Städ­te ei­ne ho­he wirt­schaft­li­che Schlag- und An­zie­hungs­kraft ent­wi­ckelt ha­ben. „Städ­te wie Hei­del­berg, Karls­ru­he und Frei­burg, aber bei­spiels­wei­se auch Müns­ter und Bonn sind mit­tel­stän­di­sche Zen­tren, die von der de­zen­tra­len Struk­tur in Deutsch­land pro­fi­tie­ren und die Hei­mat vie­ler Un­ter­neh­men ist. Dar­un­ter be­fin­den sich re­gel­mä­ßig auch Welt­markt­füh­rer in ih­ren Spe­zi­al­be­rei­chen“, sagt Micha­el Ruhl, Ge­schäfts­füh­rer des Emis­si­ons­hau­ses Han­no­ver Lea­sing aus München. „Des­halb in­ves­tie­ren wir im­mer wie­der auch in Ob­jek­te in sol­chen La­gen.“Han­no­ver Lea­sing ge­hört zu den füh­ren­den Emit­ten­ten von Al­ter­na­ti­ven In­vest­ment­fonds im Im­mo­bi­li­en­be­reich – mitt­ler­wei­le eben auch an so­ge­nann­ten B-Stand­or­ten.

„Die Be­zeich­nung B-Stand­ort ist über­haupt nicht ne­ga­tiv ge­meint. Da­zu zäh­len auch be- deu­ten­de Groß­städ­te wie Köln und Stuttgart, die nur nicht zu den Top-Fünf-Stand­or­ten im Im­mo­bi­li­en­be­reich ge­hö­ren, wie Ber­lin, Düsseldorf, Ham­burg, Frankfurt und München“, sagt Micha­el Ruhl. „Zu­dem bie­ten die B-Städ­te ei­nen gro­ßen Vor­teil für Emit­ten­ten und An­le­ger, da sie nicht oder nicht so stark im Fo­kus aus­län­di­scher Groß­in­ves­to­ren ste­hen.“An den A-Stand­or­ten herr­sche ein enorm ho­her Wettbewerb um As­sets und Mie­ter, und die Prei­se für Im­mo­bi­li­en sei­en in den ver­gan­ge­nen Jah­ren spür­bar ge­stie­gen. So sehr, dass im­mer mehr Ob­jek­te für eher mit­tel­stän­di­sche Ge­sell­schaf­ten nicht mehr er­schwing­lich sei­en, wie Ruhl be­tont.

„Wir sind in die­sem Jahr an be­reits meh­re­ren B-Stand­or­ten ak­tiv ge­wor­den, un­ter an­de­rem eben in Hei­del­berg und Müns­ter. Dort ha­ben wir je­weils be­kann­te Im­mo­bi­li­en er­wor­ben und die Al­ter­na­ti­ven In­vest­ment­fonds er­folg­reich plat­ziert.“Ein Bei­spiel: Ein Fonds mit ei­nem Ei­gen­ka­pi­tal­vo­lu­men von 28,2 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert in den re­vi­ta­li­sier­ten Bü­ro­kom­plex „Die Di­rek­ti­on“in Müns­ter. Das Ge­samt­in­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men be­trägt 50,9 Mil­lio­nen Eu­ro. Zu den Mie­tern zäh­len un­ter an­de­rem die Deut­sche Bahn, die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung/Knapp­schaft Bahn See, der Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe und ei­ne Fi­lia­le der Dro­ge­rie­markt-Ket­te dm. Der Ver­mie­tungs­stand be­trägt ak­tu­ell rund 98 Pro­zent.

Micha­el Ruhl weiß auch, dass re­gio­na­le As­sets bei den An­le­gern gut an­kom­men. „Na­tür­lich ist es at­trak­tiv für In­ves­to­ren, in ei­ne Im­mo­bi­lie zu in­ves­tie­ren, die sie ken­nen und mit de­nen sie ei­ne Ver­bin­dung ha­ben. Wenn sie zu­dem an den Stand­ort glau­ben, an dem sie auch le­ben und ar­bei­ten, kön­nen sie sich gut da­mit ar­ran­gie­ren, und das As­set ist ih­nen we­ni­ger fremd als viel­leicht ein Bü­ro­hoch­haus in Brüssel oder Ams­ter­dam.“Da­zu kä­men hand­fes­te wirt­schaft­li­che Er­wä­gun­gen. Ruhl hat die Er­fah­rung ge­macht, dass sich re­gio­na­le Im­mo­bi­li­en häu­fi­ger et­was lang­fris­ti­ger be­wirt­schaf­ten lie­ßen als Ob­jek­te an sehr dy­na­mi­schen, in­ter­na­tio­na­len Stand­or­ten. Will hei­ßen: „Die Treue ei­nes lo­ka­len Un­ter­neh­mens zu sei­nem Sitz ist we­sent­lich hö­her als bei ei­nem welt­weit agie­ren­den Un­ter­neh­men, das in Deutsch­land ei­ne Nie­der­las­sung un­ter­hält. Bei die­sen ist die Wech­sel­be­reit­schaft hö­her als in der Re­gi­on ge­wach­se­nen Ge­sell­schaf­ten“, er­läu­tert Micha­el Ruhl.

Das füh­re auch da­zu, dass bei den Miet­erträ­gen nach un­ten hin lang­fris­tig nicht viel pas­sie­ren kön­ne, Ruhl schätzt sie sta­bil zwi­schen vier und sechs Pro­zent. Er gibt aber auch zu, dass die Per­for­mance auch nach oben hin be­grenzt sei. „Ei­ne sol­che In­ves­ti­ti­on wird in al­ler Re­gel kei­ne Ren­di­te-Höchst­leis­tun­gen er­brin­gen, da die re­gio­na­len Märk­te nicht die Vo­la­ti­li­tät der TopFünf-Stand­or­te ha­ben. Ich be­zeich­ne die Ob­jek­te ger­ne als ‚lang­wei­li­ge Sen­sa­ti­on‘.“

Han­no­ver Lea­sing ar­bei­tet üb­ri­gens mit re­gio­na­len Pro­jekt­ent­wick­lern zu­sam­men. Das er­hö­he die Er­folgs­aus­sich­ten, be­tont der Ge­schäfts­füh­rer. „Pro­jekt­ent­wick­ler ha­ben ei­nen Blick für den re­gio­na­len Markt und die Be­son­der­hei­ten.“Die lau­fen­de Be­wirt­schaf­tung ist je­doch im­mer bei Han­no­ver Lea­sing an­ge­sie­delt.

FOTO: THINKSTOCK/ALEX­AN­DER HAS­SEN­STEIN

Blick auf das Hei­del­ber­ger Schloss: Die Stadt am Neckar zählt zu den so­ge­nann­ten B-Städ­ten mit sta­bi­len Ren­di­teaus­sich­ten für Im­mo­bi­li­en-In­ves­to­ren.

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