Ein La­ger vol­ler Nächs­ten­lie­be

Die Face­book-Grup­pe „Mön­chen­glad­ba­cher hel­fen“sam­melt ge­zielt Spen­den, zur­zeit vor al­lem Ba­by-Aus­stat­tun­gen für Flücht­lin­ge.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIET­DORF

Oben pa­cken zwei Hel­fe­rin­nen Beu­tel für die Weih­nachts­fei­ern der Ob­dach­lo­sen im Treff am Ka­pell­chen und im Bru­no-Le­lie­veld-Haus: Tee oder Kaf­fee, Kek­se, Zahn­bürs­te, Zahn­pas­ta und Dusch­gel kom­men in die selbst­ge­näh­ten Beu­tel, aber auch Müt­ze, Schal, So­cken und ein Hand­tuch. Rund 200 die­ser Ge­schenk­beu­tel wer­den an die­sem Nach­mit­tag fer­tig­ge­macht. Un­ten in ei­nem gro­ßen Saal sta­peln sich be­reits die Kar­tons mit Spen­den in lan­gen Rei­hen, or­dent­lich sor­tiert und be­schrif­tet: Klei­dung für Män­ner, Frau­en, Jun­gen, Mäd­chen und Ba­bys, da­zu Hy­gie­ne­ar­ti­kel oder Spiel­zeug. Es ist das größ­te Spen­den­la­ger in der Re­gi­on.

Be­trie­ben wird das La­ger von der Face­book-Grup­pe „Mön­chen­glad­ba­cher hel­fen“, die rund 3500 Mit­glie­der hat. Et­wa drei­ßig da­von hel­fen nicht nur mit Spen­den, sie brin­gen auch ih­re Zeit ein, um zu sor­tie­ren, An­fra­gen zu be­ar­bei­ten, wei­ter zu ver­tei­len. Ei­ne die­ser en­ga­gier­ten Eh­ren­amt­le­rin­nen ist Gi­se­la Hassels.

„Die Face­book-Grup­pe wur­de 2014 ge­grün­det“, er­zählt sie. „Es ging und geht dar­um, di­rek­te Hil­fe zu leis­ten. Und zwar al­len Be­dürf­ti­gen.“Die Grup­pe un­ter­stützt Flücht­lings­hei­me ge­nau­so wie Ob­dach­lo­sen­treffs, Frau­en­häu­ser oder das Ar­beits­lo­sen­zen­trum. Der gro­ße Vor­teil: Die Mit­glie­der der Grup­pe su­chen ge­zielt die Din­ge, die be­nö­tigt wer­den.

„Wir ru­fen über die Face­boo­kG­rup­pe auf, und die Re­ak­ti­on er­folgt im­mer sehr prompt“, sagt Gi­se­la Hassels. „In­ner­halb von 24 St­un­den ha­ben wir meis­tens das, was ge­braucht wird.“Im Au­gen­blick sam­meln die Hel­fer aber vor al­lem Kin­der­ja­cken und Erst­lings­aus­stat­tung für Ba­bys. Letz­te­res ist in den meis­ten Fäl­len für Flücht­lin­ge ge­dacht.

„Die Frau­en brin­gen ihr Kind in ei­nem Mön­chen­glad­ba­cher Kran­ken­haus zur Welt, aber sie ha­ben ja nichts, manch­mal noch nicht ein­mal ei­ne De­cke“, er­klärt Hassels. Al­so hat es sich die Grup­pe zur Auf­ga­be ge­macht, Ba­by-Aus­stat­tun­gen zu be­sor­gen. Was nicht als Spen­de rein­kommt, wird auch schon mal selbst ge­näht. Über ein Mit­glied der Grup­pe gibt es Kon­takt zu ei­nem Näh­club, der die Beu­tel für die Ob­dach­lo­sen­hil­fe, aber auch Ba­by­klei­dung an­fer­tigt. Lie­be­voll und mit viel En­ga­ge­ment.

Ab­neh­mer für die ge­spen­de­ten Ar­ti­kel gibt es mehr als ge­nug. Selbst Mal­te­ser oder Ca­ri­tas wen­den sich in­zwi­schen an die eh­ren­amt­li­chen Hel­fer. Es wer­den auch Spen­den wei­ter ver­teilt nach So­lin­gen, Vier­sen oder Weg­berg. Das meis­te aber bleibt in der Stadt.

Si­mo­ne Schül­ler, von An­fang an ak­ti­ves Mit­glied in der Grup­pe, be­treut vier Flücht­lings­hei­me und küm­mert sich dort um die Kin­der. Sie weiß, was vor Ort ge­braucht wird. Aber sie lässt auch die Hilfs­be­dürf­ti­gen hel­fen. Jetzt will sie mit den Flücht­lings­kin­dern Plätz­chen für die Ob­dach­lo­sen ba­cken: Sie bringt den Teig mit, die Kin­der ste­chen aus und ver­zie­ren die Plätz­chen, die Müt­ter ba­cken sie in ih­ren Öfen, und die Ob­dach­lo­sen kön­nen sich letzt­lich über Weih­nachts­kek­se freu­en.

Bei die­ser Art der Hil­fe zeigt das so­zia­le Netz­werk tat­säch­lich sein so­zia­les Ge­sicht. Schnell, un­bü­ro­kra­tisch und di­rekt kann die not­wen­di­ge Un­ter­stüt­zung be­sorgt wer­den. Aber es geht nicht oh­ne Men­schen, die tat­kräf­tig zu­pa­cken. „Die Men­ge der eh­ren­amt­li­chen Hel­fer wird zu we­nig ge­se­hen“, sagt Gi­se­la Hassels. „Oh­ne Eh­ren­amt­ler gin­ge es gar nicht.“

FOTO: JÖRG KNAP­PE

Ei­ne Sam­mel­stel­le vol­ler Klei­der: Das Spen­den­la­ger in Dort­hau­sen ist das größ­te sei­ner Art in der ge­sam­ten Re­gi­on und be­lie­fert in­zwi­schen auch die Städ­te im Um­land.

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