Fünf Tipps für den Sieg der Bo­rus­sia

Ex­per­ten sa­gen, wie Mön­chen­glad­bach das Kunst­stück aus der ver­gan­ge­nen Sai­son wie­der­ho­len kann.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON BERND KRAUSS VON TOBIAS ESCHER VON MI­KE HAN­KE VON IN­KA GRINGS VON GÜLISTAN YÜKSEL

Am 14.Ok­to­ber 1995 ha­ben wir den FC Bay­ern in München 2:1 be­siegt. Es war der ers­te Sieg ei­ner Glad­ba­cher Mann­schaft dort über­haupt. An dem Tag ha­ben wir al­le Ab­läu­fe ge­än­dert: Wir sind erst am Spiel­tag nach München ge­flo­gen – und ka­men auch erst spät an, weil sich der Ab­flug in Düsseldorf we­gen Ne­bels ver­zö­gert hat­te. Viel­leicht hat das die ent­schei­den­de Lo­cker­heit rein­ge­bracht. Wir sind raus­ge­gan­gen, ha­ben sie be­siegt und sind nach Hau­se ge­flo­gen. Auf dem Bö­kel­berg ha­ben wir zu mei­ner Zeit als Spie­ler die Bay­ern oft ge­schla­gen – weil wir mit mehr Mut agiert ha­ben als in München. Man muss na­tür­lich Re­spekt vor die­sem Geg­ner ha­ben, darf aber nicht in Ehr­furcht er­star­ren. Man darf sich nicht ver­ste­cken. Bernd Krauss trai­nier­te Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach von 1991 bis 1996. Die Bay­ern sind zur­zeit kaum zu kna­cken. Selbst wenn der Geg­ner ei­ne Stra­te­gie ge­gen Pep Guar­dio­las Team ent­wi­ckelt, passt Guar­dio­la sei­ne ei­ge­ne Tak­tik ein­fach an. Kein Trai­ner re­agiert so fle­xi­bel auf den Geg­ner wie der Münch­ner. Am ehes­ten sind die Bay­ern im Kon­ter an­fäl­lig. Ihr Gegenpressing kon­zen­triert sich sehr auf den Raum, sie schlie­ßen die Pass­we­ge. So­bald ein Ge­gen­spie­ler mit ei­nem Dribb­ling ein, zwei Bay­ern um­kurvt, tut sich je­doch Raum auf. Klingt leich­ter, als es ist – an Vi­dal spa­ziert man nicht ein­fach vor­bei. Doch Glad­bach hat die nö­ti­ge Ball­si­cher­heit im Zen­trum. Nach ei­nem er­folg­rei­chen Dribb­ling muss der Pass so­fort auf die Au­ßen fol­gen, wo die Bay­ern im Um­schalt­mo­ment of­fen­ste­hen. Der Tak­tik­ex­per­te er­klärt für „Spiel­ver­la­ge­rung“im In­ter­net den Fuß­ball. Ich den­ke, die Bo­rus­sen wer­den sich 100 Pro­zent auf das Spiel der Bay­ern vor­be­rei­tet ha­ben. Das ist schwie­ri­ger ge­wor­den, denn un­ter Pep Guar­dio­la sind die Mün­che­ner un­glaub­lich va­ria­bel ge­wor­den. Ent­schei­dend ist, die star­ken Au­ßen zu dop­peln – so ha­ben wir das auch ge­macht, als Lu­ci­en Fav­re un­ser Trai­ner war. Wir ha­ben in der Sai­son 2011/2012 ja zwei­mal ge­gen die Bay­ern ge­won­nen. Man muss kom­pakt ste­hen, ag­gres­siv in die Zwei­kämp­fe ge­hen und im­mer wie­der ver­su­chen, gu­te Kon­ter zu fah­ren. Es gibt im­mer we­ni­ge Chan­cen ge­gen die Bay­ern, al­so muss man kon­se­quent vor dem Tor sein. Je­de Se­rie en­det ir­gend­wann – und ich ge­he da­von aus, dass Bo­rus­sia die Se­rie der Bay­ern be­en­det. Mi­ke Han­ke spiel­te von 2011 bis 2013 für Mön­chen­glad­bach. Wenn ich für die tak­ti­sche Aus­rich­tung ver­ant­wort­lich wä­re, wür­de ich ge­gen den FC Bay­ern voll auf An­griffs­pres­sing set­zen. Es geht um den Ver­such, sie so zu über­ren­nen. Viel mehr bleibt dir gar nicht üb­rig. Du kannst die Ge­gen­spie­ler nicht über ein Spiel kom­plett zu­stel­len, weil sie ein­fach in­di­vi­du­ell zu stark sind. Die Bay­ern mit Pep Guar­dio­la zeich­net aus, dass sie sich ex­trem schnell auf den Ge­gen­spie­ler ein­stel­len kön­nen. Man kann das nicht ver­hin­dern, wohl aber er­schwe­ren – in dem man den Druck mög­lichst hoch­hält. Wenn man sich hin­ten rein stellt, ist es nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis München zu­schlägt. Ich glau­be, Glad­bach ver­fügt über die Fä­hig­kei­ten, die Bay­ern auf je­den Fall zu är­gern. Die Ex-Na­tio­nal­spie­le­rin ist Trai­ne­rin des Frau­en­teams beim MSV Duis­burg. Al­le ken­nen ja ei­gent­lich schon das Er­geb­nis. Al­le mei­nen, Glad­bach hat über­haupt kei­ne Chan­ce ge­gen ei­nen der­zeit über­mäch­ti­gen FC Bay­ern München. In der ver­gan­ge­nen Sai­son ist dann al­les aber doch ein we­nig an­ders ge­lau­fen. Ein Sieg, ein Un­ent­schie­den – so gut hat kei­ne an­de­re Mann­schaft ge­gen die Bay­ern ab­ge­schnit­ten. Ich ha­be auch für dies­mal ein sehr gu­tes Ge­fühl. Bo­rus­sia lebt vom Te­am­geist, von der mann­schaft­li­chen Ge­schlos­sen­heit, von Lei­den­schaft, von Be­geis­te­rung. Si­cher, München ver­fügt über die bes­se­ren Ein­zel­spie­ler, aber das ist ei­ne Ga­ran­tie für nichts. Ge­ra­de An­dré Schu­bert hat neu­en Wind in die Mann­schaft ge­bracht. Ich tip­pe auf ein hoch ver­dien­tes 1:0 für Mön­chen­glad­bach. Die SPD-Po­li­ti­ke­rin ist Vor­sit­zen­de des Bo­rus­sia-Fan­klubs im Bun­des­tag.

FOTOS (6): IMAGO (3), ILGNER, REICHWEIN, PRIVAT

So geht’s schon mal: Raf­fa­el trifft in der ver­gan­ge­nen Sai­son zum 2:0 in München; Die Bay­ern Je­ro­me Boateng und Manuel Neu­er ha­ben kei­ne Chan­ce:

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