Aus­wärts­spiel für den DFB

Das Prä­si­di­um des Ver­bands tag­te in Düsseldorf. Prä­si­dent­schafts-Kan­di­dat Gr­in­del ließ die Bun­des­tags­sit­zung aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON GI­AN­NI COS­TA UND RO­BERT PE­TERS

DÜSSELDORF Ges­tern ent­schied der Deut­sche Bun­des­tag über die Ent­sen­dung von Bun­des­wehr-Sol­da­ten nach Sy­ri­en. Der CDU-Ab­ge­ord­ne­te für den Wahl­kreis Ro­ten­burg I – Soltau-Fal­ling­bos­tel war nicht in Ber­lin. Rein­hard Gr­in­del hat­te ei­nen wich­ti­ge­ren Ter­min. In sei­nem Eh­ren­amt als Schatz­meis­ter des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des nahm er an ei­ner Prä­si­di­ums­sit­zung des Ver­bands teil. Der DFB war zu der plan­mä­ßi­gen Ver­an­stal­tung vom Stamm­sitz in Frankfurt/Main nach Düsseldorf um­ge­zo­gen.

Re­vo­lu­tio­nä­re Be­schlüs­se stan­den nicht auf der Ta­ges­ord­nung, nach­dem sich die Funk­tio­nä­re bei ei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung im No­vem­ber in Frankfurt mit dem Ter­ror­an­schlag von Pa­ris und der Län­der­spiel-Ab­sa­ge von Han­no­ver be­schäf­tigt hat­ten. In Düsseldorf ging es deut­lich ent­spann­ter zu, zum Bei­spiel bei ei­ner ge­mein­sa­men Fahrt der De­le­gier­ten auf dem Rie­sen­rad in der Alt­stadt.

Im Sit­zungs­saal ver­ab­schie­de­te der DFB den Rah­men­ter­min­plan für die Sai­son 2016/17 mit dem Bun­des­li­ga­start am 26. Au­gust. Er ent­schied sich für den Auf­bau ei­ner Fut­sal-Na­tio­nal­mann­schaft (der Va­ri­an­te des Hal­len­fuß­balls mit ei­nem klei­ne­ren, sprungre­du­zier­ten Ball). Und er leg­te das ers­te Heim­spiel der Frau­en-Na­tio­nal­mann­schaft 2016 ge­gen Kroa­ti­en auf den 12. April in Osnabrück. Dar­über hin­aus wur­de über den Haus­halt ge­spro­chen.

Ge­nau des­halb, ver­si­cher­te Gr­in­del, „war da mei­ne An­we­sen­heit als Schatz­meis­ter ab­so­lut not­wen­dig“. Für die Bun­des­tags­sit­zung in Ber­lin ha­be er sich „auf­grund der be­ste­hen­den Mehr­heits­ver­hält­nis­se ent­schul­di­gen las­sen“. Wenn die Sor­ge be­stan­den hät­te, dass die Mehr­heit für ei­nen Bun­des­wehr­ein­satz in­fra­ge ge­stan­den hät­te, wä­re er selbst­ver­ständ­lich im Plenar­saal ge­we­sen.

Gr­in­del ist nicht nur Po­li­ti­ker und DFB-Schatz­meis­ter, er ist auch er­klär­ter An­wär­ter auf das Amt des Prä­si­den­ten, das nach Wolf­gang Niers­bachs Rück­tritt von Rai­ner Koch (zu­vor Vi­ze­prä­si­dent) und Rein­hard Rau­ball (Li­ga­prä­si­dent) zwi­schen­ver­wal­tet wird. Ein of­fi­zi­el­ler Nach­fol­ger für Niers­bach wird im nächs­ten Jahr bei ei­nem Bun­des­tag des Ver­bands ge­wählt. Auch dar­über wur­de ge­spro­chen, ob­wohl es nicht auf der of­fi­zi­el­len Ta­ges­ord­nung stand. Das Prä­si­di­um geht da­von aus, dass die Kanz­lei Fresh­fiel­ds die Er­geb­nis­se ih­rer Un­ter­su­chung zu mög­li­chen Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei der Ver­ga­be der WM 2006 an Deutsch­land im Früh­jahr, wahr­schein­lich En­de Fe­bru­ar vor­le­gen wird. Erst wenn die Er­geb­nis­se der Be­fra­gun­gen aus­ge­wer­tet sind, wer­de über das Da­tum des Bun­des­tags mit der Wahl des Prä­si­den­ten ent­schie­den, heißt es nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on.

Der Bun­des­tag wird wohl nicht vor April 2016 statt­fin­den. Bis da­hin wer­den ei­ni­ge Un­ter­su­chun­gen die Fuß­ball­po­li­ti­ker be­schäf­ti­gen. Nicht nur der Fresh­fiel­ds-Re­port, son­dern auch die wei­te­ren Er­geb­nis­se der FBI-Er­mitt­lun­gen ge­gen füh­ren­de Fi­fa-Funk­tio­nä­re. Im in­of­fi­zi­el­len Teil der DFB-Sit­zung wur­de er­neut lü­cken­lo­se Auf­klä­rung im Welt­ver­band ver­langt. Vor Niers­bachs Rück­tritt galt der DFB als ei­ner der schärfs­ten Be­für­wor­ter von Re­for­men bei der Fi­fa. Nun wer­den an­de­re Prio­ri­tä­ten ge­setzt. Bis zum Bun­des­tag hat die DFB-Spit­ze Zeit, die In­ter­es­sen der Pro­fis und der Ama­teu­re mit­ein­an­der zu ver­söh­nen. Die Deut­sche Fuß­ball Li­ga, die Ver­tre­tung der 36 Pro­fi­klubs, war nicht be­geis­tert da­von, dass Gr­in­del von den Ama­teu­ren mög­lichst schnell auf den Prä­si­den­ten­ses­sel ge­ho­ben wer­den soll­te.

Dar­um war Gr­in­del un­ter der Wo­che zu Gast bei der DFL-Ver­samm­lung. Li­ga­prä­si­dent Rau­ball stell­te ihm dar­auf­hin Un­ter­stüt­zung der Pro­fis in Aus­sicht. Mit war­nen­dem Un­ter­ton al­ler­dings. „Uns liegt dar­an, den bes­ten Kan­di­da­ten zu wäh­len. Wir wol­len be­stimm­te Din­ge um­set­zen. Da ist es wich­tig, dass der Prä­si­dent die Schrit­te mit­geht“, sag­te Rau­ball, „wenn er das tut, wird er von uns ge­wählt, wir ha­ben nichts ge­gen Gr­in­del.“Er er­klär­te auch: „Es ist un­se­re kla­re Ab­sicht, den DFB neu auf­zu­stel­len.“Das geht frei­lich nur mit den Ama­teu­ren, denn die ha­ben beim Bun­des­tag ei­ne kla­re Mehr­heit. Sie ver­fü­gen über zwei Drit­tel der Stim­men.

FOTO: DPA

Wich­ti­ge Män­ner: DFB-In­te­rims­prä­si­dent Rein­hard Rau­ball (r.) und Schatz­meis­ter Rein­hard Gr­in­del.

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