Platz 1: Bachs h-Moll-Mes­se

Als Jo­hann Se­bas­ti­an Bach, der Pro­tes­tant, sei­ne ein­zi­ge ka­tho­li­sche Mes­se kom­po­nier­te, woll­te er sei­nem Gott und der Welt zei­gen: Auch das kann ich! Die h-Moll-Mes­se ist ein Gip­fel­werk, das Mu­sik­freun­de stau­nen lässt und Chor­sän­ger in Ver­zweif­lung stürz

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„Mat­thä­us­pas­si­on“oder die „Jo­han­nes­pas­si­on“ent­schei­den kön­nen; eben­falls sa­kra­le Kunst­wer­ke von un­er­reich­tem Tief­gang, theo­lo­gi­scher Dich­te und mu­si­ka­li­scher Ge­nia­li­tät. Die h-Moll-Mes­se schließt die The­men der Pas­sio­nen je­doch nicht nur ein, sie durch­misst auch den Ka­non mu­si­ka­li­scher For­men und Sti­le­be­nen im Sin­ne ei­ner To­ta­li­tät von Glau­ben und Sein.

Auf der ei­nen Sei­te fin­den wir in der h-Moll-Mes­se Sät­ze im „sti­le an­ti­co“, ge­lehrt an­mu­ten­de Sät­ze, die zu­rück in die Mu­sik­ge­schich­te bli­cken und bei­spiels­wei­se in der fran­ko-flä­mi­schen Vo­kal­po­ly­pho­nie Im­pul­se fin­den. Bach fühl­te sich in Wer­ke von Ockeg­hem, Jos­quin, Pa­le­stri­na, Wil­la­ert ein; an Bil­dung über­traf Bach kein an­de­rer Kom­po­nist. Wie man heu­te sa­gen wür­de: Bach war gut ver­netzt – und wenn er ins Ge­wand al­ter Sti­le stieg und trotz­dem der ei­ne und hei­li­ge Jo­hann Se­bas­ti­an blieb, dann war das bei­des zu­gleich: Ehr­be­zeu­gung und Selbst­be­kräf­ti­gung. Auf der an­de­ren Sei­te ste­hen die Ari­en und Du­et­te, in de­nen Bach auf sinn­li­che, zu­wei­len fast ita­lie­ni­sche Wei­se die Me­lo­die fei­ert und gleich­wohl die Kunst des Kon­tra­punkts be­schwört.

Bach hat die h-Moll-Mes­se in ih­rer voll­stän­di­gen Form ver­mut­lich nie ge­hört. Sie blieb ei­ne Uto­pie, ein Ent­wurf für spä­te­re Zei­ten. Dass er et­li­che Sät­ze be­reits frü­her et­wa in Kan­ta­ten ver­tont hat­te und nun um­wid­me­te, war zu sei­ner Zeit gän­gi­ge Pra­xis. Wei­ter­ver­wer­tung galt auch für Bach als Form der Er­wei­te­rung, Ve­re­de­lung und Op­ti­mie­rung,

Gott, so hoff­te Bach, nahm dar­an kei­nen An­stoß. Nein, er nahm nicht, son­dern war be­glückt: dem Höchs­ten das Höchs­te. (RP) Zum Ab­schluss un­se­rer Se­rie „Goertz’ Top 100 der Klas­sik“gibt es am Mitt­woch, 9. De­zem­ber, Be­ginn 19.30 Uhr, in der Düs­sel­dor­fer Ton­hal­le ei­ne pro­mi­nent be­setz­te Dis­kus­si­ons­run­de.

Über das The­ma „Die Ma­gie des Meis­ter­werks“und über ei­ge­ne CDVor­lie­ben dis­ku­tie­ren fünf Klas­si­kPro­fis in der Rot­un­de. Da­bei sind Axel Ko­ber (Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor der Rhein­oper Düsseldorf/Duis­burg), Mih­kel Küt­son (Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor der Nie­der­rhei­ni­schen Sin­fo­ni­ker und des Thea­ters Kre­feld/Mön­chen­glad­bach), Chris­toph Meyer (Ge­ne­ral­in­ten­dant der Rhein­oper) und Micha­el Becker (In­ten­dant der Düs­sel­dor­fer Sym­pho­ni­ker und der Düs­sel­dor­fer Ton­hal­le). Das Ge­spräch mo­de­riert RP-Re­dak­teur Wolfram Goertz. Al­le Dis­ku­tan­ten wer­den zwei Lieb­lings­Meis­ter­wer­ke auf CD mit­brin­gen, dem Pu­bli­kum vor­stel­len und an­schlie­ßend im Ge­spräch ih­re Wahl be­grün­den und ver­tei­di­gen.

Der Ein­tritt zu die­ser Ver­an­stal­tung ist frei.

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