Ka­len­der­blatt 5. De­zem­ber 1933

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG -

Fast 14 Jah­re lang galt in den USA das Ge­setz der Pro­hi­bi­ti­on, das Ver­bot je­den Al­ko­hols. Was zu hö­he­rer Moral und ge­rin­ge­ren Ver­bre­chens­ra­ten hät­te füh­ren sol­len, be­wirk­te das Ge­gen­teil: Die or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät flo­rier­te, Gangs­ter­ban­den in ganz Ame­ri­ka be­rei­cher­ten sich an dem ver­bo­te­nen Stoff. Am 5. De­zem­ber 1933 en­de­te die Zeit der Pro­hi­bi­ti­on in den USA. Züng­lein an der Waa­ge war die Stim­me des Bun­des­staats Utah. Aus­ge­rech­net: Der von streng­gläu­bi­gen Mor­mo­nen be­völ­ker­te Staat war der letz­te, des­sen Zu­stim­mung be­nö­tigt wur­de, um den 21. Zu­satz­ar­ti­kel der Ver­fas­sung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu ra­ti­fi­zie­ren. Utah stimm­te zu, und in ganz Ame­ri­ka wur­de ge­fei­ert. In New York war so­gar die Po­li­zei in Alarmbereitschaft ver­setzt wor­den – un­nö­ti­ger­wei­se, denn noch war Al­ko­hol zu knapp, um gan­ze Städ­te zu be­rau­schen. Für den US-Prä­si­den­ten reich­te es al­ler­dings: Fran­klin D. Roo­se­velt (Foto) gönn­te sich am Abend des 5. De­zem­ber 1933 ei­nen Mar­ti­ni. Kei­nen Grund zu fei­ern hat­te die ka­na­di­sche In­dus­trie. Jah­re­lang hat­te man Al­ko­hol an Schmugg­ler ver­kauft, die den Stoff il­le­gal ins Nach­bar­land brach­ten. Auch in den USA än­der­te sich vie­les. Die „Spea­kea­sys“, die so ge­nann­ten „Flüs­ter­knei­pen“, wur­den zu of­fi­zi­el­len Bars, das „Moons­hi­ning“, das Bren­nen von Whis­key bei Mond­schein, wur­de mehr oder we­ni­ger un­nö­tig. Ganz Ame­ri­ka konn­te nun wie­der le­gal trin­ken.

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