Fa­mi­li­en über­neh­men das Kom­man­do

El­tern und ih­re Kin­der sind schon län­ger in den Fo­kus der Ree­de­rei­en ge­rückt. Tui Crui­ses hat das Kon­zept auf der Mein Schiff 4 wei­ter aus­ge­ar­bei­tet. Für den Nach­wuchs gibt es vier ver­schie­de­nen Be­rei­che, die nach Al­ter ge­staf­felt sind.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON MAR­KUS WASCH

Lang­sam wer­den die Kin­der ner­vös. Im­mer öf­ter schie­len sie durch das glä­ser­ne Bul­l­au­ge an der Ein­gangs­tür. „Wisst ihr denn, wer jetzt gleich kommt?“, fragt Er­zie­he­rin Eva Well­ner die zwölf Kin­der, die es kaum noch auf ih­ren Plät­zen im Sitz­kreis hält. Na­tür­lich. Al­le wis­sen, wer gleich kommt. „Capt’n Shaaaaar­ky“, kreischt die vier­jäh­ri­ge Ma­ja durch den Kids Club der Mein Schiff 4. Dann geht end­lich die Tür auf, und ein Mit­ar­bei­ter stelzt in ei­nem bei­na­he zwei Me­ter gro­ßen Pi­ra­ten-Ko­s­tüm her­ein. In Se­kun­den­schnel­le ha­ben die Klei­nen das Mas­kott­chen von Tui Crui­ses um­zin­gelt – und las­sen es so schnell nicht wie­der von der „In­sel der See­räu­ber“flie­hen.

Die Zei­ten, in de­nen sich auf Kreuz­fahrt­schif­fen vor al­lem äl­te­re Her­ren im Smo­king beim Cap­tain’s Dinner die

„In den Som­mer­fe­ri­en ha­ben wir 400 bis 500 Kin­der an Bord“

Mi­ri­am Schwen­der

Tui Crui­ses Hän­de schüt­tel­ten, sind vor­bei. Fa­mi­li­en mit Kin­dern über­neh­men das Kom­man­do auf den Welt­mee­ren. Ree­de­rei­en wie Tui Crui­ses kon­zi­pie­ren gan­ze Schif­fe nach den Be­dürf­nis­sen der neu­en Ziel­grup­pe – so wie das jüngs­te Flot­ten­mit­glied Mein Schiff 4. Kr­ab­bel­raum, Fuß­ball­camp, Play­sta­ti­on-Tur­nier: Für den Nach­wuchs gibt es zig Mög­lich­kei­ten, sich an Bord die Zeit zu ver­trei­ben. Und den El­tern da­durch die ei­ne oder an­de­re freie Mi­nu­te zu er­mög­li­chen.

„In den Som­mer­fe­ri­en ha­ben wir 400 bis 500 Kin­der an Bord“, be­rich­tet Mi­ri­am Schwen­der, die un­ter an­de­rem für den Kids Club zu­stän­dig ist. Die Be­son­der­heit liegt dar­in, dass für je­de Al­ters­stu­fe in­di­vi­du­el­le Kon­zep­te mit ei­ge­nen Räu­men ent­wi­ckelt wur­den. Die Kleins­ten spie­len mit ih­ren El­tern im „Nest“. Dort gibt es ei­nen gro­ßen Spiel­tep­pich, Bob­by­cars, Holz­spiel­zeug und ei­ne Wi­ckel­un­ter­la­ge. Ab drei Jah­ren kön­nen die jun­gen Pas­sa­gie­re den Kids Club be­su­chen. Wer zu alt ist, um auf der „In­sel der See­räu­ber“zu spie­len, der kommt im Am­phi­thea­ter un­ter. „Dort ha­ben wir ei­ne ei­ge­ne Büh­ne, auf der wir Tän­ze ein­stu­die­ren, oder wir ma­chen ei­nen Ki­no­abend mit Pop­corn und Über­nach­tung“, sagt Schwen­der. Für Ju­gend­li­che bis 15 Jah­re ist die Te­ens Lounge „Sturm­frei“mit DJPult und Play­sta­ti­on-Ecke An­lauf­stel­le. „Man­che Kin­der dür­fen zu Hau­se kei­ne Vi­deo­spie­le spie­len, bei uns an Bord ma­chen die El­tern dann ei­ne Aus­nah­me.“

In ei­ner Ecke des Kids Clubs sitzt Vio­la Hess, die Mut­ter von Ma­ja und ih­rer klei­nen Schwes­ter Ki­ra. „Die bei­den ha­ben mich schon längst ver­ges­sen“, sagt sie mit ge­spiel­ter Ent­rüs­tung. Da Ki­ra erst zwei­ein­halb Jah­re alt ist, muss die Mut­ter da blei­ben. Im Hin­ter­grund pro­bie­ren ih­re Kin­der ge­ra­de mit „Capt’n Shar­ky“ih­re Ret­tungs­wes­ten an. „Hier ler­nen sie ganz spie­le­risch, was sie im Not­fall tun müs­sen“, be­schreibt die Hei­del­ber­ge­rin die Übung. Hess war schon auf der Mein Schiff 1 und 2, „aber das hier ist et­was an­de­res. Hier gibt es ja al­les.“Be­son­ders ha­ben es ih­re Töch­ter auf die Eis-Bar auf Deck zwölf ab­ge­se­hen. Den gan­zen Tag über war­ten dort di­cke Eis­ku­geln – mit Nüs­sen, Smar­ties und Scho­ko­so­ße kön­nen die Kin­der sel­ber gar­nie­ren. Im Buf­fe­tRe­stau­rant „Anckel­manns­platz“hat der Nach­wuchs ei­ne ei­ge­ne The­ke mit Chi­cken Nug­gets, Pom­mes und Würst­chen. Aus Me­lo­nen schnit­zen die Mit­ar­bei­ter des Schiffs lus­ti­ge Fi­gu­ren, die ne­ben dem Es­sen ste­hen. „Be­son­ders gut ist das ,Tag & Nacht’- Bis­tro. Da be­kommt man rund um die Uhr Pas­ta, Cur­ry­wurst oder an­de­re Klei­nig­kei­ten. Mit den Kin­dern klap­pen die Es­sens­zei­ten ja nicht im­mer“, er­zählt Hess.

Drei Er­zie­her ar­bei­ten im Kids Club, in der Fe­ri­en­zeit kom­men zehn Hel­fer da­zu. Am Fir­men­sitz von Tui Crui­ses in Ham­burg wer­den die Re­geln für die Kin­der er­ar­bei­tet. „Bei uns gibt es kein Eis vor dem Früh­stück und kei­ne Co­la“, sagt Er­zie­he­rin Well­ner. Auch das auf dem Schiff wich­ti­ge Des­in­fi­zie­ren der Hän­de wird ge­übt. „So gut, dass die Kin­der sich an je­dem Spen­der die Hän­de säu­bern“, er­zählt Well­ner. Wahr­schein­lich wür­den es El­tern und Kin­der so­gar schaf­fen, sich den gan­zen Tag auf den 14 Decks gar nicht zu be­geg­nen – ein­fach, weil al­le paar Me­ter et­was Neu­es an­ge­bo­ten wird. Wäh­rend die Er­wach­se­nen in der größ­ten fin­ni­schen Sau­na auf den Welt­mee­ren aus­span­nen, ent­wer­fen die Klei­nen ih­re ei­ge­ne Zei­tung „Fla­schen­post“. Es gibt auch An­ge­bo­te für die gan­ze Fa­mi­lie: Mal­kur­se, ei­nen Grill­abend mit ei­ge­nem Koch oder Na­tur­fil­me im Klang­haus. Und spä­tes­tens am Abend ist in ei­ner der Fa­mi­li­en­ka­bi­nen ein Wie­der­se­hen ga­ran­tiert.

Ma­ja und Ki­ra sind mitt­ler­wei­le Pro­fis, was das An­le­gen der Schwimm­wes­te an­geht. Jetzt ste­hen sie bei­de freu­de­strah­lend ne­ben Capt’n Shar­ky für ein Er­in­ne­rungs­fo­to. Nach lan­gem Über­le­gen ist Mut­ter Vio­la Hess dann doch noch ein Kri­tik­punkt ein­ge­fal­len. „Hier an Bord gibt es gar kei­ne ,Capt’n Shar­ky’-Pup­pe zu kau­fen. Wir ha­ben un­se­re ex­tra zu Hau­se ge­las­sen.“ Die Re­dak­ti­on wur­de von Tui Crui­ses zu der Pres­se­rei­se ein­ge­la­den.

FOTOS: TUI CRUI­SES

Klei­ne Ent­de­cker kön­nen auf der „In­sel der See­räu­ber“mit ih­ren El­tern spie­len oder al­lei­ne in die Rol­le des Pi­ra­ten schlüp­fen.

Im „Nest“wer­den die kleins­ten Pas­sa­gie­re von ge­schul­tem Per­so­nal be­treut. Hier gibt es zu­dem al­ters­ge­rech­tes Spiel­zeug.

FOTO: MAR­KUS WASCH

Das Kin­der-Buf­fet ist mit Fi­gu­ren ver­ziert.

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