Opel drängt Ex-Opelanern Au­tos auf

Bei der Schlie­ßung des Bochu­mer Wer­kes ver­lor fast die ge­sam­te Be­leg­schaft ih­re Ar­beit. Jetzt bie­tet der Au­to­bau­er den Ex-Kol­le­gen ein „Sorg­los-Pa­ket“an – wenn sie neue Au­tos kau­fen oder lea­sen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON THO­MAS REI­SE­NER

DÜSSELDORF/BOCHUM Au­tos bau­en dür­fen sie für Opel nicht mehr – aber kau­fen sol­len sie die Au­tos trotz­dem: Ein Brief des Ma­nage­ments an die Be­leg­schaft des vor ei­nem Jahr ge­schlos­se­nen Bochu­mer Opel-Wer­kes hat Em­pö­rung aus­ge­löst. Vor al­lem un­ter den 2498 ExO­pelanern, die bis heu­te ver­geb­lich nach neu­er Ar­beit su­chen.

In dem Schrei­ben (Über­schrift: „Wir bei Opel fah­ren Opel“) wirbt das Ma­nage­ment für den Kauf von Neu­wa­gen. Nach na­ment­li­cher An­re­de schreibt der für Bochum zu­stän­di­ge Ver­kaufs­lei­ter: „Ein er­eig­nis­rei­ches und zu­gleich er­folg­rei­ches Jahr neigt sich dem En­de.“Man freue sich, „Sie und Ih­re Fa­mi­lie auch im nächs­ten Jahr wie­der bei uns be­grü­ßen zu dür­fen, um Sie von un­se­ren neu­es­ten Mo­del­len zu über­zeu­gen“. Aus­drück­lich wird auch ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern beim Kauf ei­nes Neu­wa­gens ein „ex­klu­si­ver Mit­ar­bei­ter­nach­lass von 20 Pro­zent“an­ge­bo­ten. Al­ter­na­tiv ge­be es ein Lea­sing-An­ge­bot mit„Sorg­losPa­ket für Sie und Ih­re Fa­mi­lie“. Zum Schluss for­dert der Ver­kaufs­lei­ter sei­ne Ex-Kol­le­gen auf, sich für ei­nen Opel-News­let­ter zu re­gis­trie­ren.

Für den frü­he­ren Opel-Ma­na­ger Die­ter Wel­wei ist das Schrei­ben „an Zy­nis­mus nicht zu über­bie­ten“. Er spricht von ei­ner „Er­nied­ri­gung, die Opel sich auch hät­te spa­ren kön­nen“, der Brief sei „ei­ne pu­re Pro­vo­ka­ti­on“. Wel­wei war selbst 20 Jah­re lang Ma­na­ger im Bochu­mer OpelWerk. Er hat bis heu­te kei­nen neu­en Job und ge­hört zu den rund 2500 ExO­pelanern, die bis En­de nächs­ten Jah­res in ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft des Au­to­bau­ers fort­ge­bil­det und be­zahlt wer­den. Die Fa­mi­li­en der ent­las­se­nen Opelaner, de­nen das Schrei­ben ein „Sorg­los-Pa­ket“an­bie­tet, hät­ten „jetzt be­stimmt an­de­re Sor­gen, als sich neue Au­tos zu kau­fen“, kri­ti­sier­te Wel­wei.

Den Au­to­bau­er bringt das Schrei­ben in Er­klä­rungs­not. Ein Spre­cher nahm sei­ne erst te­le­fo­nisch für die Ver­öf­fent­li­chung frei­ge­ge­be­nen Aus­sa­gen spä­ter wie­der zu­rück und schick­te statt­des­sen ein schrift­li­ches State­ment: „Die­ses Schrei­ben der Fach­ab­tei­lung rich­te­te sich an al­le Ver­trags­part­ner und Be­rech­tig- te in Bochum. Wäh­rend der Trans­fer­zeit bie­tet das Un­ter­neh­men wei­ter­hin die Mög­lich­keit der In­an­spruch­nah­me des vom Ar­beit­ge­ber mit­fi­nan­zier­ten Mit­ar­bei­ter-Lea­sings an.“Auf den Ver­such, die ge­schass­ten Ex-Kol­le­gen zum Kauf neu­er Au­tos zu über­re­den, ging der Spre­cher nicht ein.

Der Chef des Opel-Kon­zern­be­triebs­ra­tes, Wolf­gang Schä­fer-Klug, hat sei­nen Bochu­mer Ex-Kol­le­gen un­ter­des­sen Mit­schuld an der vor­zei­ti­gen Schlie­ßung des Wer­kes vor ei­nem Jahr ge­ge­ben. Wie er ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te, hät­ten die Bochu­mer den Er­halt vor dem Hin­ter­grund der jüngs­ten Ent­wick­lun­gen wahr­schein­lich so­gar über 2016 hin­aus si­chern kön­nen.

2013 lehn­ten die Bochu­mer ei­nen Kom­pro­miss­vor­schlag der Rüs­sels­hei­mer Zen­tra­le ab. Der sah vor, das Werk frü­hes­tens 2016 zu schlie­ßen. Die Bochu­mer woll­ten aber den lang­fris­ti­gen Er­halt. Als die Ver­hand­lun­gen platz­ten, ver­la­ger­te Opel die Pro­duk­ti­on des Za­fi­ra von Bochum nach Rüsselsheim und schloss das Werk schon 2014. Schä­fer-Klug: „Hät­ten sie zu­ge­stimmt, wä­re das Fahr­zeug­werk min­des­tens bis En­de 2016 er­hal­ten ge­blie­ben. Mitt­ler­wei­le wis­sen wir, dass der Za­fi­ra so­gar län­ger läuft.“Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung hat der Opel-Vor­stand so­eben be­schlos­sen, das frü­her in Bochum ge­bau­te Mo­dell erst 2019 aus­lau­fen zu las­sen. Leit­ar­ti­kel

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