Tsi­pras bringt Haus­halt durchs Par­la­ment

Die nächs­te schwie­ri­ge Ab­stim­mung für den grie­chi­schen Pre­mier be­trifft ein wei­te­res Spar­pa­ket.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

AT­HEN (höh) Hö­he­re Steu­ern, Aus­ga­ben­kür­zun­gen, aber trotz­dem wach­sen­de Schul­den: Der Haus­halts­ent­wurf des kom­men­den Jah­res, den das grie­chi­sche Par­la­ment in der Nacht zu ges­tern ver­ab­schie­de­te, zeigt, dass Grie­chen­land die Kri­se kei­nes­wegs hin­ter sich ge­las­sen hat. Das Zah­len­werk des Fi­nanz­mi­nis­ters steht auf schwa­chen Fü­ßen. Pre­mier­mi­nis­ter Al­exis Tsi­pras konn­te am frü­hen Mor­gen er­leich­tert zu Bett ge­hen. Die 153 Ab­ge­ord­ne­ten sei­ner Ko­ali­ti­on stimm­ten ge­schlos­sen für den Haus­halt. Al­les an­de­re wä­re ein Miss­trau­ens­vo­tum ge­we­sen.

Die Grie­chen ha­ben we­ni­ger Grund zur Freu­de. Das Bud­get mu­tet ih­nen neue Op­fer zu. Zwar sol­len die Staats­aus­ga­ben ge­gen­über 2015 um 5,7 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­kürzt wer­den. Aber Fi­nanz­mi­nis­ter Eu­klid Tsaka­lo­tos will zu­sätz­li­che Steu­ern von 3,2 Mil­li­ar­den Eu­ro kas­sie­ren. Au­ßer- dem ste­hen vie­len Rent­nern neue Kür­zun­gen ih­rer Be­zü­ge be­vor.

Das Bud­get sieht Ein­nah­men von 53,53 Mil­li­ar­den Eu­ro und Aus­ga­ben von 55,75 Mil­li­ar­den vor. Al­lein 5,9 Mil­li­ar­den wer­den die Zin­sen für die Staats­schul­den ver­schlin­gen. In der Pri­mär­bi­lanz, die den Schul­den­dienst aus­klam­mert, soll ein klei­nes Plus von 0,53 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP) ste­hen. Grie­chen­lands Schul­den­berg wächst aber. Die Schul­den­quo­te soll von jetzt 180 Pro­zent des BIP En­de 2016 auf knapp 189 Pro­zent stei­gen – mehr als das Drei­fach der im Eu­roS­ta­bi­li­täts­pakt ge­setz­ten Ober­gren­ze von 60 Pro­zent.

Auf­ge­hen kann die Rech­nung des Fi­nanz­mi­nis­ters aber nur, wenn sich sei­ne ma­kro­öko­no­mi­schen An­nah­men er­fül­len. Und die sind sehr op­ti­mis­tisch. Wäh­rend die EU-Kom­mis­si­on für Grie­chen­land in die­sem Jahr ei­nen Rück­gang der Wirt­schafts­leis- tung um 1,4 Pro­zent er­war­tet, un­ter­stellt der Haus­halt ein Null­wachs­tum. Für 2016 rech­net die EU mit ei­nem Mi­nus von 1,3 Pro­zent, der Athe­ner Fi­nanz­mi­nis­ter aber nur mit ei­nem Rück­gang um 0,7 Pro­zent.

Frag­wür­dig ist der Haus­halts­ent­wurf auch, weil schon das Bud­get 2015 stark aus dem Ru­der läuft. Die Steu­er­ein­nah­men la­gen in den ers­ten zehn Mo­na­ten um 2,1 Mil­li­ar­den Eu­ro un­ter dem Plan. Der Haus­halt wä­re tief in die ro­ten Zah­len ge­rutscht, hät­te der Fi­nanz­mi­nis­ter nicht vie­le Zah­lun­gen ein­fach ein­ge­stellt. Lie­fe­ran­ten und Bau­fir­men sit­zen auf un­be­zahl­ten Rech­nun­gen des Staa­tes, Steu­er­rück­zah­lun­gen wer­den zu­rück­ge­stellt, auch bei vie­len So­zi­al­leis­tun­gen gibt es ei­ne in­of­fi­zi­el­le Aus­ga­ben­sper­re. Un­ter dem Strich sum­mier­ten sich die nicht ein­ge­lös­ten Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen des Staa­tes En­de Ok­to­ber auf 5,85 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Mit der Ver­ab­schie­dung des Haus­halts hat Tsi­pras zwar ei­ne Hür­de ge­nom­men, aber ei­ne schwie­ri­ge Ab­stim­mung steht be­reits die­se Wo­che be­vor, wenn das Par­la­ment ein wei­te­res Re­form­pa­ket mit 13 Maß­nah­men bil­li­gen muss, dar­un­ter Pri­va­ti­sie­run­gen und ein Re­gel­werk zur Kon­so­li­die­rung fau­ler Bank­kre­di­te. Zur Na­gel­pro­be für die Re­gie­rung dürf­te die im Ja­nu­ar an­ste­hen­de Ab­stim­mung über die Ren­ten­re­form wer­den. Ob Tsi­pras da­für ei­ne Mehr­heit fin­det, ist un­ge­wiss.

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