De­mir­bay pfeift beim Mäd­chen-Fuß­ball

Fortu­nas Mit­tel­feld­spie­ler lei­tet die Be­geg­nung zwi­schen der SSVg Ha­an und Blau-Weiß Lan­gen­berg im schi­cken Man­tel. Es soll­te Teil sei­ner Bu­ße sein, nach­dem er sich ge­gen­über Schieds­rich­te­rin St­ein­haus frau­en­feind­lich ge­äu­ßert hat­te.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON THO­MAS SCHUL­ZE

DÜSSELDORF Die Ak­ti­on war ge­heim, aber sie muss­te am Wo­che­n­en­de über die Büh­ne ge­hen, denn es war der letz­te Spiel­tag im Mäd­chen­fuß­ball vor der Win­ter­pau­se. Fortu­nas kom­mis­sa­ri­scher Vor­stands­vor­sit­zen­der Paul Jä­ger hat­te den Kon­takt zur SSVg Ha­an her­ge­stellt, de­ren U13 ge­gen Blau-Weiß Lan­gen­berg spiel­te. Vor dem Spiel er­klär­te SSVg-Trai­ner Mar­co Stum­pe sei­ner Mann­schaft, dass die­ses Spiel nicht wie üb­lich von ei­nem Va­ter, son­dern von Ke­rem De­mir­bay ge­lei­tet wer­de – je­nem Spie­ler von Fortuna Düsseldorf, der im Spiel in Frankfurt vom Platz ge­stellt wur­de. „Frau-

Mar­co Strumpe Trai­ner die SSVg Ha­an en ha­ben im Fuß­ball nichts ver­lo­ren“, soll er zur Schieds­rich­te­rin Bi­bia­na St­ein­haus ge­sagt ha­ben, die ihn dar­auf­hin des Fel­des ver­wies. Der 22-Jäh­ri­ge hat­te sich zwar un­mit­tel­bar nach Spie­len­de bei St­ein­haus ent­schul­digt. Fortuna brumm­te ihm ei­ne Geld­stra­fe auf und reg­te an, er sol­le ein Spiel bei den Mäd­chen pfei­fen. Vom Deut­schen Fuß­ball-Bund wur­de er für drei Spie­le ge­sperrt, zwei wei­te­re wur­den zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt.

Die­se Stra­fe wie­der­um hält Fortuna für „un­an­ge­mes­sen hoch“, so Ma­na­ger Ra­chid Az­zou­zi. Da­her hat der Zweit­li­gist Ein­spruch ge­gen das Ur­teil ein­ge­legt und Rechts­an­walt Horst Klet­ke mit der Ver­tei­di­gung be­auf­tragt. Bleibt es bei dem Ur­teil, so fehlt De­mir­bay heu­te (20.15 Uhr/ Sport1) ge­gen Ein­tracht Braun­schweig we­gen Gelb-Ro­ter Kar­te so­wie ge­gen Ber­lin, in Pa­der­born und ge­gen Hei­den­heim.

In Ha­an wur­de Ke­rem De­mir­bay von den Mäd­chen wohl­wol­lend auf­ge­nom­men. „Wir ha­ben vor dem Spiel über die Ak­ti­on ge­spro­chen“, be­rich­tet Trai­ner Mar­co Stum­pe. „Die Mäd­chen wa­ren der Auf­fas­sung, dass er sich ent­schul­digt hat und des­halb pfei­fen darf.“

Die Fuß­bal­le­rin­nen stie­ßen sich auch nicht dar­an, dass De­mir­bay im schi­cken hel­len Man­tel auf dem Platz stand. Sie ak­zep­tier­ten ihn als Spiel­lei­ter, fan­den sein Auf­tre­ten als an­ge­nehm, zu­mal er ei­ner half, den Schuh auf­zu­kno­ten. Und auch weil er nach dem Spiel ei­ne hal­be St­un­de blieb, Au­to­gram­me gab, mit ih­nen sprach und noch­mals be­kann­te: „Was ich ge­macht ha­be, war nicht

„Die Mäd­chen wa­ren der Auf­fas­sung, dass er sich ent­schul­digt hat und des­halb

pfei­fen darf“ „Was ich ge­macht ha­be, war nicht rich­tig. Des­halb fand ich es schön, dass ich hier bei euch

pfei­fen durf­te.“

Ke­rem De­mir­bay rich­tig. Des­halb fand ich es schön, dass ich hier bei euch pfei­fen durf­te.“Da­mit stieß er auf viel Ge­gen­lie­be. „Für uns war das ei­ne tol­le Ak­ti­on“, sagt Trai­ner Stum­pe, des­sen Mann­schaft 6:0 ge­wann.

Doch die von Fortuna ver­öf­fent­lich­ten Fotos von der Ak­ti­on sor­gen für viel Wir­bel. Der Te­nor im In­ter­net und den so ge­nann­ten so­zia­len Netz­wer­ken ist rie­sen­groß und auch ziem­lich ein­deu­tig: Ke­rem De­mir­bay ha­be ein Ei­gen­tor ge­schos­sen. Er ha­be es nicht deut­li­cher als mit sei­nem Er­schei­nungs­bild sa­gen kön­nen, dass er Frau­en­fuß­ball nicht ernst neh­me.

Fortuna ist um Scha­dens­be­gren­zung be­müht. Der Ver­ein weist dar­auf hin, Spie­le wür­den im un­ter­klas­si­gen Nach­wuchs­be­reich stets in zi­vi­ler Klei­dung ge­lei­tet. Und der Klub ha­be bei die­ser Ak­ti­on auch kei­ne Spon­so­ren prä­sen­tie­ren wol­len. Kom­men­tar

FOTO: TWIT­TER/F95

Woll­man­tel statt Sport­ler­klei­dung: Da­für ern­te­te Ke­rem De­mir­bay im In­ter­net viel Kri­tik.

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