Land hat doch noch Platz

In den Flücht­lings­un­ter­künf­ten des Lan­des gibt es 28.000 freie Bet­ten. Zum ers­ten Mal seit Mo­na­ten sind we­ni­ger als 10.000 Asyl­su­chen­de in ei­ner Wo­che nach NRW ge­kom­men. Ein zehn­tä­gi­ger Auf­nah­me­stopp soll die Städ­te ent­las­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

DÜSSELDORF Die Plät­ze in den Flücht­lings­un­ter­künf­ten des Lan­des NRW sind der­zeit nur zu zwei Drit­teln be­legt. So wa­ren am 25. No­vem­ber die­ses Jah­res in den 264 Ein­rich­tun­gen 50.000 Asyl­su­chen­de un­ter­ge­bracht – Platz wä­re aber für 78.000. Das geht aus ei­nem Be­richt des In­nen­mi­nis­te­ri­ums her­vor, der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. Al­lein in den fünf Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen in Bad Ber­le­burg, Bur­bach, Bie­le­feld, Dort­mund und Un­na sind dem­nach ak­tu­ell rund 300 Plät­ze frei. In der zen­tra­len Un­ter­brin­gungs­ein­rich­tung (ZUE) in Neuss sind von den 1600 Plät­zen auch nur 1230 be­legt. Ge­mes­sen an der Grö­ße der Un­ter­künf­te ist die ZUE in Es­sen ak­tu­ell am we­nigs­ten aus­ge­las­tet. Dort sind von den 675 Plät­zen noch 320 frei.

Zum ers­ten Mal seit vie­len Mo­na­ten sind we­ni­ger als 10.000 Flücht­lin­ge in ei­ner Wo­che nach NRW ge­kom­men. Die für die Ver­tei­lung der schutz­su­chen­den Men­schen zu­stän­di­ge Be­zirks­re­gie­rung Arns­berg zähl­te vom 30. No­vem­ber bis zum 6. De­zem­ber 8.999 Flücht­lin­ge. Zum Ver­gleich: Im Ok­to­ber wa­ren es pro Wo­che noch bis zu 16.000 ge­we­sen. „In­so­fern scheint sich der Trend hin zu ei­ner leich­ten Ent­span­nung zu be­stä­ti­gen“, sagt ein Spre­cher der Arns­ber­ger Auf­sichts­be­hör­de. Ob die­se Ent­wick­lung al­ler­dings von Dau­er sein wer­de, oder ob es sich um ei­ne – auch wit­te­rungs­be­ding­te – Momentaufnahme han­de­le, kön­ne man der­zeit noch nicht sa­gen, er­klärt er.

Über die ge­naue Zahl der Flücht­lin­ge in NRW gibt es un­ter­schied­li­che An­ga­ben. So sind nach Aus­sa­gen des Bun­des seit Jah­res­be­ginn Her­kunfts­län­der der Flücht­lin­ge in NRW vom 1. bis 25. No­vem­ber Sy­ri­en 85.836 (47,8 % )

Flücht­lings­zu­wei­sun­gen (2015)

Zah­len des Bun­des: 180.801 Asyl­su­chen­de

Zah­len des Lan­des: 282.352 Asyl­su­chen­de 180.801 Asyl­su­chen­de nach Nord­rhein-West­fa­len ge­kom­men. Tat­säch­lich liegt die Zahl aber wohl deut­lich hö­her. Denn das NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­um zähl­te al­lein bis zum 25. No­vem­ber 282.352 Asyl­be­geh­ren­de. Die Dis­kre­panz von mehr als 100.000 Per­so­nen er­klä­re man sich vor al­lem durch die Flücht­lin­ge, die von sich aus di­rekt nach NRW kom­men und da­mit nicht im zen­tra­len Com­pu­ter­sys­tem des Bun­des er­fasst wer­den, heißt es in dem Be­richt. Die meis­ten von ih­nen kom­men aus Sy­ri­en (85.836) nach Nord­rhein-West­fa­len. Dann fol­gen Men­schen aus Af­gha­nis­tan (38.457), dem Irak (21.226) und dem Iran (8.498).

We­gen der sin­ken­den Flücht­lings­zah­len und der frei­en Ka­pa­zi­tä­ten in den Un­ter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen kann es sich das Land er­lau­ben, die Kom­mu­nen mit ei­nem Ver­tei­lungs­stopp zu ent­las­ten. In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) kün­dig­te ei­ne zehn­tä­gi­ge Zu­wei­sungs­pau­se zwi­schen dem 24. De­zem­ber und dem 3. Ja­nu­ar an. In die­sem Zei­t­raum wer­de man kei­ne wei­te­ren Asyl­be­wer­ber in die Kom­mu­nen schi­cken, sag­te Jä­ger der „Fun­ke Me­di­en­grup­pe“. Die Stadt Duis­burg be­grüßt die Ent­schei­dung. „Das ent­las­tet uns vor al­lem per­so­nell. Die Mit­ar­bei­ter in den be­tref­fen­den Ver­wal­tungs­be­rei­chen kön­nen nach dem Dau­er­druck der ver­gan­ge­nen Wo­chen und Mo­na­te dann mal end­lich et­was durch­schnau­fen“, be­tont der Ober­bür­ger­meis­ter von Duis­burg, Sö­ren Link (SPD). Auch in Köln re­agiert man er­leich­tert, weil man da­mit gar nicht mehr ge­rech­net hat­te. „Wir hat­ten schon – wie al­le an­de­ren Städ­te auch – ei­nen Not­dienst für die­sen Zei­t­raum ein­ge­rich­tet, weil uns die Be­zirks­re­gie­rung zu­vor ge­sagt hat­te, dass es kei­nen Zu­wei­sungs­stopp ge­ben wird“, so der stell­ver­tre­ten­de Amts­lei­ter für Woh­nungs­we­sen der Stadt Köln, Jo­sef Lud­wig.

Nicht nur zum Jah­res­wech­sel, son­dern auch dau­er­haft will das Land die 396 Städ­te und Ge­mein­den bei der Un­ter­brin­gung der Flücht­lin­ge deut­lich ent­las­ten. So sol­len nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on vie­le der mitt­le­ren und klei­ne­ren Not­un­ter­künf­te, die in den Kom­mu­nen kurz­fris­tig ent­stan­den sind, in den kom­men­den Mo­na­ten nach und nach wie­der ge­schlos­sen wer­den. „Für den Fall, dass der Zustrom an Flücht­lin­gen nicht wie­der deut­lich steigt, kön­nen wir wohl bald wie­der ins­be­son­de­re auf nicht ganz so gro­ße Turn­hal­len ver­zich­ten“, so ei­ne Mit­ar­bei­te­rin ei­ner Auf­sichts­be­hör­de. Die Lan­des­re­gie­rung hat­te im Som­mer die Städ­te auf dem We­ge der Amts­hil­fe um die Be­reit­stel­lung zu­sätz­li­cher Un­ter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten ge­be­ten.

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