Venezuela wählt den So­zia­lis­mus ab

Die kon­ser­va­ti­ve Op­po­si­ti­on hat die Par­la­ments­wahl klar ge­won­nen. Für Chá­vez-Nach­fol­ger Ma­du­ro wird es eng.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK -

CARACAS (RP) Nach 16 Jah­ren so­zia­lis­ti­scher Re­gie­rungs­mehr­heit steht Venezuela vor ei­ner Wen­de: Die Op­po­si­ti­on konn­te bei der Par­la­ments­wahl am Sonn­tag ei­ne deut­li­che Mehr­heit er­zie­len. Auf die kon­ser­va­ti­ven und so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en ent­fie­len min­des­tens 99 der 167 Mandate.

Der so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rungs­block er­litt mit nur 46 er­run­ge­nen Man­da­ten ei­ne her­be Nie­der­la­ge – da­mit wird Prä­si­dent Ni­colás Ma­du­ro auf Kom­pro­mis­se an­ge­wie­sen sein. Er räum­te die Nie­der­la­ge ein und be­ton­te nach Ver­öf­fent­li­chung der ers­ten Er­geb­nis­se im Fern­se­hen: „Wir ak­zep­tie­ren das.“Ma­du­ro ver­sucht, die Po­li­tik des 2013 ver- stor­be­nen so­zia­lis­ti­schen Prä­si­den­ten Hu­go Chá­vez wei­ter­zu­füh­ren. Doch liegt die Wirt­schaft trotz des gro­ßen Öl­reich­tums am Bo­den.

Die Op­po­si­ti­on sieht dar­in den Haupt­grund für ih­ren Tri­umph: „Ve­ne­zo­la­ni­sche Fa­mi­li­en ha­ben kei­ne Lust mehr, mit den Kon­se­quen­zen des Ver­sa­gens zu le­ben“, sag­te Jesús Tor­re­al­ba von der Op­po­si­ti­ons­ko­ali­ti­on. Der Wahl­sieg ist der größ­te Er­folg des 2008 ge­grün­de­ten Bünd­nis­ses „Me­sa de la Un­i­dad De­mo­crá­ti­ca“. Be­ob­ach­ter ver­wei­sen aber dar­auf, dass sich noch zei­gen muss, ob die un­ter­schied­li­chen Par­tei­en im Par­la­ment auch an ei­nem Strang zie­hen wer­den. Ei­ner der Op­po­si­ti­ons­füh­rer, der frü- he­re Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat und Gou­ver­neur des Bun­des­staa­tes Mi­ran­da, Hen­ri­que Ca­pri­les, be­ton­te: „Es gibt ein Land, das ei­nen Wan­del will.“Das Op­po­si­ti­ons­bünd­nis will die na­tio­na­le Spal­tung über­win­den und strebt ei­ne neue Wirt­schafts­po­li­tik an.

Trotz der Nie­der­la­ge kann Ni­colás Ma­du­ro aber noch bis 2019 an der Macht blei­ben. Al­ler­dings: Nach ei­ge­nen An­ga­ben hat Ve­ne­zue­las Op­po­si­ti­on ei­ne Zwei­drit­tel­mehr­heit er­reicht. Man ha­be 112 der 167 Mandate er­hal­ten, sag­te Jesús Tor­re­al­ba. Die staat­li­che Wahl­kom­mis­si­on be­stä­tig­te dies ges­tern Nacht zu­nächst nicht. Ei­ne Zwei­drit­tel­mehr­heit wür­de der Op­po­si­ti­on Chan­cen zur weit­rei­chen­den Um­ge­stal­tung des po­li­ti­schen Sys­tems er­öff­nen. Bleibt es bei ei­ner ein­fa­chen Mehr­heit, könn­te es nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten zu ei­ner Blo­cka­de im Par­la­ment kom­men.

Die Wahl­nie­der­la­ge der So­zia­lis­ten in Venezuela steht of­fen­bar für ei­nen Trend der la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Lin­ken, die nach Chá­vez’ Auf­stieg an die Macht ge­kom­men war. In Ar­gen­ti­ni­en wur­de im No­vem­ber der kon­ser­va­ti­ve Ge­schäfts­mann Mau­ricio Ma­cri zum nächs­ten Prä­si­den­ten ge­wählt, in Bra­si­li­en kämpft die lin­ke Staats­che­fin Dil­ma Rousseff mit nied­ri­gen Zu­stim­mungs­wer­ten und ei­nem Kor­rup­ti­ons­skan­dal.

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