Mo­no­pol­kom­mis­si­on warnt vor Macht der Te­le­kom

Die Tech­nik Vec­to­ring wür­de ei­ne Art neu­es Mo­no­pol schaf­fen. Die Te­le­kom be­tont da­ge­gen den Kun­den­nut­zen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON KLAUS HAR­KE UND REIN­HARD KO­WA­LEW­SKY

BONN Der Streit um den Aus­bau der deut­schen Te­le­fon­net­ze spitzt sich zu. Die Deut­sche Te­le­kom er­klär­te ges­tern, sie wol­le noch im De­zem­ber 1,4 Mil­lio­nen wei­te­re Haus­hal­te mit der Tech­nik Vec­to­ring für deut­lich schnel­le­res DSL vor­be­rei­ten. Die­se Haus­hal­te könn­ten dann künf­tig mit bis zu 100 Me­ga­bit pro Se­kun­de im In­ter­net sur­fen.

Kri­tisch ist da­ge­gen die Mo­no­pol­kom­mis­si­on. Sie be­fürch­tet, dass es zu neu­en ört­li­chen Mo­no­po­len kommt, wenn die Te­le­kom gro­ße Tei­le ih­rer Orts­net­ze auf Vec­to­ring um­rüs­tet. Dies kön­ne die Prei­se für die Ver­brau­cher in die Hö­he trei­ben, sag­te Die­ter Zim­mer, Chef der Mo­no­pol­kom­mis­si­on. Da­mit kri­ti­sier­te er auch, dass die Bun­des­netz­agen­tur Vec­to­ring an sich er­lau­ben will. Hin­ter­grund ist, dass laut Te­le- kom und laut den meis­ten Ex­per­ten Vec­to­ring nur sinn­voll ge­schal­tet wer­den kann, wenn ei­ne ein­zi­ge Fir­ma das ört­li­che Netz ma­nagt – Te­le­kom-Wett­be­wer­ber könn­ten al­so kei­ne ei­ge­ne Leis­tung mehr im Fest­netz an­bie­ten son­dern nur Te­le­kom-Tech­nik un­ter ih­rem Na­men wei­ter­ver­kau­fen. Aus­nah­me wä­ren die bei­den Ka­bel-TV-Fir­men Ka­belDeutsch­land (ein Vo­da­fo­ne-Ab­le­ger aus München) so­wie Uni­ty­me­dia aus Köln.

Auch der neue Chef von Vo­da­fo­ne Deutsch­land, Han­nes Amets­rei­ter, teilt die Kri­tik an der Te­le­kom-Stra­te­gie. Ak­tu­ell wer­de „die größ­te Re­mo­no­po­li­sie­rung ge­probt, die der deut­sche Markt je ge­se­hen hat“, sag­te er in ei­nem Interview. Es sei ei­ne „In­ves­ti­ti­on in die Ver­gan­gen­heit“, wei­ter­hin viel Geld in den Aus­bau der DSL-Tech­nik zu ste­cken, sagt er. Bei der Te­le­kom wird da­ge­gen in­tern dis­ku­tiert, DSL mit wei- te­ren Auf­rüs­tun­gen auf ein Tem­po von bis zu 400 Me­ga­bit auf­zu­rüs­ten - dann wä­ren die Ka­bel-TV-Net­ze nicht mehr über­le­gen beim Über­tra­gungs­tem­po. „Wir sind mit DSL noch lan­ge nicht am En­de“, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on kürz­lich ein füh­ren­der Te­le­kom-Ma­na­ger.

In NRW kön­ne es ge­lin­gen, rund 90 Pro­zent der Be­völ­ke­rung dank Vec­to­ring mit ei­nem sehr schnel­len Online-An­schluss zu ver­sor­gen, oh­ne da­für Sub­ven­tio­nen zu brau­chen, heißt es. Dies wür­de dann er­mög­li­chen, mit Zu­schüs­sen des Bun­des und des Lan­des den Rest von NRW auch noch mit Breit­band­an­schlüs­sen zu ver­sor­gen. Es ist al­so laut Te­le­kom denk­bar, dass NRW En­de 2018 tat­säch­lich fast 100 Pro­zent der Haus­hal­te mit Breit­band ver­sorgt hat.

In ih­rer Kri­tik an der Te­le­kom geht die Mo­no­pol­kom­mis­si­on gleich­zei­tig so so­weit, dass sie for­dert, dass der Bund sei­ne Ak­ti­en an dem Un­ter­neh­men ab­gibt – und das glei­che auch bei der Deut­schen Post macht.

Nur so lie­ße sich der „mas­si­ve In­ter­es­sen­kon­flikt“des Staa­tes auf­grund sei­ner Dop­pel­rol­le als Re­gu- lie­rer und An­teils­eig­ner be­en­den. Der Kom­mis­si­ons-Vor­sit­zen­de, Zim­mer, kri­ti­sier­te, dass die Po­li­tik die staat­li­chen Un­ter­neh­men be­vor­zu­ge.

Fer­ner for­der­te Zim­mer von Po­li­tik und Re­gu­lie­rungs­be­hör­de „ei­nen ent­schie­de­nen Im­puls für mehr Wettbewerb auf den Post­märk­ten“. Die Deut­sche Post ha­be auf dem Brief­markt im Pri­vat­kun­den­be­reich ei­ne Qua­si-Mo­no­pol­stel­lung und im Ge­schäfts­kun­den­be­reich ei­ne markt­be­herr­schen­de Stel­lung. Die Er­hö­hung des Brief­por­tos für den Stan­dard­brief von 62 auf 70 Cent hät­te die Bun­des­netz­agen­tur des­halb nicht ge­neh­mi­gen sol­len.

Ne­ben Por­to­er­hö­hun­gen kom­men auf die Ver­brau­cher 2016 auch wei­ter stei­gen­de Strom­prei­se zu. We­gen des zö­ger­li­chen Netz­aus­baus stei­gen die Kos­ten für Sys­tem­si­cher­heits­maß­nah­men er­heb­lich, er­klär­te die Bun­des­netz­agen­tur.

FOTO: DPA

Ein Ar­bei­ter ver­legt ein Breit­band­ka­bel in Hürth.

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