SE­RIE MEI­NE AUS­BIL­DUNG (4) Er sorgt für den süf­fi­gen Bier­ge­schmack

Bas­ti­an Faust ist im drit­ten Lehr­jahr und macht in der Oet­tin­ger-Braue­rei ei­ne Aus­bil­dung zum Brau­er und Mäl­zer. Trotz Di­gi­ta­li­sie­rung ist der Be­ruf noch im­mer mit kör­per­li­cher Ar­beit ver­bun­den. Da­für bie­tet er je­doch viel Ab­wechs­lung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE WIRTSCHAFT - VON CHRIS­TI­AN LIN­GEN

Bier ge­hört zu den be­lieb­tes­ten Ge­trän­ken der Deut­schen. Ob beim Fuß­ball, bei ei­ner Fa­mi­li­en­fei­er oder im Brauch­tum: Der Gers­ten­saft ist für vie­le un­ver­zicht­bar. Ei­ner, der da­für sorgt, dass Bier­freun­de nicht auf ihr Lieb­lings­ge­tränk ver­zich­ten müs­sen, ist Bas­ti­an Faust. Der 28-Jäh­ri­ge macht in der Oet­tin­ger Braue­rei ei­ne Aus­bil­dung zum Brau­er und Mäl­zer. Der Be­ruf bie­tet je­de Men­ge Ab­wechs­lung und ist span­nend. DER BE­TRIEB Ge­grün­det wur­de die Braue­rei 1731 im baye­ri­schen Oet­tin­gen. Heu­te gibt es fünf Brau­stät­ten an vier Stand­or­ten. Ei­ner da­von ist Mön­chen­glad­bach. In Neu­werk, wo frü­her die Han­nen-Braue­rei be­hei­ma­tet war, braut seit 2003 Oet­tin­ger. Rund 200 Mit­ar­bei­ter, da­von sechs Aus­zu­bil­den­de, sind am Stand­ort be­schäf­tigt. Für das kom­men­de Aus­bil­dungs­jahr wer­den wie­der zwei neue Aus­zu­bil­den­de ge­sucht. DIEBEWERBUNG Wer ei­ne Aus­bil­dung in der Braue­rei be­gin­nen möch­te, braucht min­des­tens ei­nen Haupt­schul­ab­schluss. Bei Bas­ti­an Faust war es et­was an­ders. „Ich ha­be schon ei­ne Aus­bil­dung zum Kf­zMecha­tro­ni­ker ge­macht und ge­merkt, dass es nicht das Rich­ti­ge für mich war“, er­zählt er. Viel wich­ti­ger als der Schul­ab­schluss ist es, wie sich der po­ten­zi­el­le Azu­bi in den Be­trieb ein­fin­det, wie er ins Team passt und ob er Ein­satz­wil­len zeigt. „Bier ist ein na­tür­li­ches Pro­dukt. Des­halb soll­te auf je­den Fall ein na­tur­wis­sen­schaft­li­ches Ver­ständ­nis vor­han­den sein“, sagt Aus­bil­dungs­lei­ter und Brau­meis­ter Udo Fei­ter. Da­her wer­den die Be­wer­ber vor der Zu­sa­ge zu ei­nem zwei­wö­chi­gen Prak­ti­kum ein­ge­la­den. Wer dort über­zeugt, wird ge­nom­men. Auf ei­nes müs­sen sich die Be­wer­ber aber ein­stel­len. Trotz Di­gi­ta­li­sie­rung ist der Be­ruf des Brau­ers und Mäl­zers mit kör­per­li­cher An­stren­gung ver­bun­den. DIEAUSBILDUNG Drei Jah­re dau­ert die Aus­bil­dung zum Brau­er und Mäl­zer. Durch das Prak­ti­kum ha­ben die Azu­bis be­reits ers­te Er­fah­run­gen ge­sam­melt und ei­nen Ein­blick in die Ab­läu­fe er­hal­ten. „Ich ha­be in mei­ner ers­ten Wo­che da­mit an­ge­fan­gen, Pro­ben zu neh­men“, er­in­nert sich Bas­ti­an Faust. Die Ab­läu­fe wer­den de­tail­liert er­klärt und der Azu­bi durch­läuft al­le Be­rei­che der Pro­duk­ti­on. „Vie­les wird heu­te über Com­pu­ter ge­steu­ert“, er­klärt Udo Fei­ter. Weil es um Le­bens­mit­tel geht, spielt die Hy­gie­ne ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Zur Auf­ga­be ei­nes Brau­ers und Mäl­zers ge­hö­ren auch Rei­ni­gungs­ar­bei­ten und hand­werk­li­che Tä­tig­kei­ten. Ab­ge­se­hen von der Be­rufs­schu­le ver­bringt Bas­ti­an Faust die meis­te Zeit sei­ner Aus­bil­dung in der Braue­rei. Weil in Mön­chen­glad­bach aber, wie in den meis­ten an­de­ren Braue­rei­en auch, nur ge­braut wird, be­such­te er be­reits für drei Wo­chen die Malz­fa­brik Wey­er­mann in Bam­berg. Dort ma­chen die Azu­bis ein Prak­ti­kum. „Das war sehr in­ter­es­sant“, er­zählt Bas­ti­an Faust, der im drit­ten Lehr­jahr ist. DIE BE­RUFS­SCHU­LE Zwei­mal im Jahr hat Bas­ti­an Faust je­weils sechs Wo­chen am Stück Un­ter­richt am Frit­zHenß­ler-Berufskolleg in Dort­mund. Dort lernt er die prak­ti­schen Ab­läu­fe noch ein­mal in der Theo­rie. „Wir ha­ben auch ge­lernt, wie Hop­fen an­ge­baut und ge­ern­tet wird. Au­ßer­dem ging es um Ven­ti­le und Pum­pen“, er­zählt er. In ei­ner Klein­brau­an­la­ge wird den Azu­bis der Brau­pro­zess noch ein­mal ver­an­schau­licht. DIE ZU­KUNFT Nach sei­ner Aus­bil­dung wird Bas­ti­an Faust für ein hal­bes Jahr von der Oet­tin­ger Braue­rei über­nom­men. Da­nach wird er ent­we­der wei­ter­be­schäf­tigt oder an ei­ne an­de­re Braue­rei ver­mit­telt. Es gibt aber auch noch an­de­re Mög­lich­kei­ten. „Brau­er wer­den auch ger­ne von Mol­ke­rei­en ein­ge­stellt oder von an­de­ren Be­trie­ben der Le­bens­mit­tel­in­dus­trie“, sagt Udo Fei­ter. Ei­ni­ge Brau­er zog es nach der Aus­bil­dung auch schon in die Kos­me­tik­in­dus­trie. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve ist nach der Aus­bil­dung der Be­ginn ei­nes Stu­di­ums. Au­ßer­dem kann Bas­ti­an Faust sich zum Brau­meis­ter wei­ter­bil­den las­sen.

FOTO: ILGNER

Mit ei­nem Mess­ge­rät kon­trol­liert Bas­ti­an Faust den Sau­er­stoff­ge­halt und die Koh­len­säu­re des Bie­res. Für den rich­ti­gen Ge­schmack muss al­les stim­men.

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