Bo­rus­si­as Fans: Haupt­sa­che, sie sind da­bei

Er ist Mön­chen­glad­ba­cher und Bo­rus­sia-Fan, lebt aber in Edin­burgh: Manuel Breu­er hat heu­te so qua­si ein Heim­spiel.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON KARS­TEN KELLERMANN UND JAN­NIK SOR­GATZ

MAN­CHES­TER Manuel Breu­er ist froh. Er ist Mön­chen­glad­ba­cher, lebt aber in Schott­lands Haupt­stadt Edin­burgh. So hat Breu­er heu­te qua­si ein Heim­spiel: Man­ches­ter Ci­ty ge­gen „sei­ne“Bo­rus­sia. In der Wahl­hei­mat oder we­nigs­tens in der Nä­he das Team sei­nes Her­zens zu se­hen, das hat­te er sich ge­wünscht, seit sich die Bo­rus­sen 2012 erst­mals seit 16 Jah­ren wie­der für Eu­ro­pa qua­li­fi­ziert hat­ten.

„Bei je­der Aus­lo­sung ha­be ich na­tür­lich auf die Man­ches­ter-Klubs oder Cel­tic Glas­gow ge­hofft. Aus Edin­burgh sind es 1200 Ki­lo­me­ter zum Bo­rus­si­aPark, da ist ei­ne drei­stün­di­ge Zug­rei­se für das Ci­ty­Spiel ei­ne will­kom­me­ne Ab­wechs­lung. Nach dem Freund­schafts­spiel ge­gen New­cast­le se­he ich Bo­rus­sia das zwei­te Mal die­se Sai­son auf der In­sel – das ist ein Spiel­plan nach mei­nem Ge­schmack“, gab Breu­er be­kannt. Er be­treibt den un­ter Glad­bach-Fans ge­schätz­ten Voll­rau­te-Pod­cast. „Un­ser Team vom Voll­rau­te-Pod- cast ist da­mit per Flug­zeug, Bahn und Pkw un­ter­wegs zum Cham­pi­ons-Le­ague-Spiel“, so Breu­er.

Wer ges­tern das In­ter­net durch­kämm­te, muss­te den Ein­druck be­kom­men, dass na­he­zu je­der Glad­bach-Fan ir­gend­wie auf dem Weg in den Nor­den En­g­lands war. Vie­le Bo­rus­sen-Freun­de sind schon seit Sonn­tag un­ter­wegs, um das Er­leb­nis En­g­land in vol­len Zü­gen aus­zu­kos­ten – nicht we­ni­ge schau­ten sich gleich noch an­de­re Spie­le, wie zum Bei­spiel Sh­ef­field Wed­nes­day ge­gen Der­by Coun­ty (Sonn­tag) oder Ever­ton ge­gen Crys­tal Pa­lace (ges­tern) an. Ei­ni­ge Fans reis­ten zu­nächst nach Li­ver­pool. Dort­hin hat­te Gra­ham Agg ein­ge­la­den, der sich seit Jah­ren um die gu­ten Be­zie­hun­gen zwi­schen Glad­bach-Fans und de­nen des FC Li­ver­pool küm­mert. Agg, der auch ei­ne Ko­lum­ne für Fo­cus.Online schreibt, hat­te für ges­tern Nach­mit­tag ei­ne Tour durch die Pubs der Stadt am Mer­sey or­ga­ni­siert. Sonn­tag­abend tauch­te dann das ei­ne oder an­de­re ro­man­ti­sche Foto vom Son­nen­un­ter­gang am städ­ti­schen Fluss­ufer auf.

Ste­fan Feldt, Bo­rus­sia-Fan

Gut ei­ne St­un­de ist es von Li­ver­pool nach Man­ches­ter – da sind an­de­re Fans am Spiel­tag weit län­ger un­ter­wegs. Die näm­lich, die erst heu­te von Glad­bach auf die In­sel rei­sen – oder viel­mehr: die mit­ten in der Nacht in den Bus ge­klet­tert sind. „Es ist die klas­si­sche Tor: Bus und Fäh­re“, sagt Phi­lip Hül­sen, der auf eben die­sem Weg heu­te zum Spiel­ort reist, rund 17 St­un­den dau­ert die Bus­tour, und nach dem Spiel geht es gleich re­tour. Was die Rei­se­rou­ten an­geht, sind die Fans stets sehr krea­tiv über Düsseldorf, über Ba­sel, über Dün­kir­chen und Do­ver, über Brüssel, über Du­blin oder über Lu­xem­burg reis(t)en sie an.

Ste­fan Feldt aus Vier­sen-Bois­heim und vier Freun­de sind ges­tern mit dem Au­to ge­reist. Zur Mit­tags­zeit sa­ßen sie im „We­ther­spoons Pub“an den Pic­ca­dil­ly Gar­den. Sie wa­ren am Mon­tag um 3.30 Uhr mit dem Au­to auf­ge­bro­chen. Um kurz nach fünf wa­ren sie in Brüssel, von wo es um sie­ben mit dem Zug durch den Eu­ro­tun­nel nach Lon­don ging. Nach ei­nem Bahn­hofs­wech­sel und zwei wei­te­ren St­un­den Zug­fahrt sind sie um halb eins in Man­ches­ter an­ge­kom­men. „Das ist schon ziem­lich ver­rückt. Aber wenn die Cham­pi­ons Le­ague ruft, geht man schon mal an sei­ne Gren­zen.“Die Ti­cket- su­che war ei­ne ähn­li­che Odys­see wie die An­rei­se. „Der Be­kann­te ei­nes Be­kann­ten aus En­g­land hat die Kar­ten über ManCi­ty ge­kauft“, er­klär­te Feldt. Heu­te sitzt er mit sei­nen Freun­den im neu­tra­len Be­reich. Of­fi­zi­ell dür­fe man sich dort gar nicht als Glad­bach-Fan zu er­ken­nen ge­ben, „aber mal se­hen, wie es dann wirk­lich wird.“

Wie die Vier­sener wer­den nicht we­ni­ge Glad­ba­cher et­was ab­seits des Glad­bach-Blocks das vor­erst letz­te Cham­pi­ons-Le­ague-Spiel der Bo­rus­sen ver­fol­gen. 3000 Ti­ckets gab es für Bo­rus­sia, die Nach­fra­ge war weit grö­ßer. „Si­cher wird man auch in den an den Gäs­te­be­reich an­gren­zen­den Blö­cken Glad­ba­cher an­tref­fen, die sich in Man­ches­ter mit Kar­ten ein­ge­deckt ha­ben“, hieß es ges­tern auf der In­ter­net­sei­te des FPMG Sup­por­ters Club.

Auch ei­ni­ge Bo­rus­sen-Pro­fis sind heu­te als Fans im Eti­had-Sta­di­on da­bei. Sie sind an­ge­schla­gen, aber trotz­dem mit­ge­reist auf die In­sel: Patrick Herr­mann und Ni­co Schulz, die bei­de am Knie ver­letzt sind. „Das woll­te ich mir nicht ent­ge­hen las­sen. Es ist schon bit­ter, nicht spie­len zu kön­nen. Ich ha­be ja im­mer von ei­nem Eu­ro­pa­po­kal-Spiel auf der In­sel ge­träumt. Aber so kann ich we­nigs­tens die Jungs an­feu­ern und die At­mo­sphä­re ge­nie­ßen“, sag­te Herr­mann, wäh­rend er ges­tern am Flug­ha­fen von Man­ches­ter auf sein Ge­päck war­te­te.

Die Fuß­ball­pro­fis sind im­mer wie­der aufs Neue ver­blüfft, was die Fans al­les be­werk­stel­li­gen, um bei den Spie­len in der Frem­de da­bei zu sein. „Un­glaub­lich, dass im­mer so vie­le Fans da­bei sind. Das hilft und mo­ti­viert uns sehr“, sag­te Mit­tel­feld­spie­ler Ha­vard Nordtveit ges­tern am frü­hen Abend bei der ob­li­ga­to­ri­schen Pres­se­kon­fe­renz im Eti­had-Sta­di­on.

„Aber wenn die Cham­pi­ons Le­ague ruft, geht man schon mal an

sei­ne Gren­zen“

FOTO: KELLERMANN

Der ver­letz­te Patrick Her­mann flog mit nach Man­ches­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.