Spring­maus prä­sen­tier­te „Mer­ry Christ­maus“

Das Im­pro­vi­sa­ti­ons­thea­ter kann so­gar Fin­nisch. Das be­wies das Quar­tett im Wick­ra­ther Kunst­werk.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON SI­GRID BLOMEN-RADERMACHER

Kann man so et­was ler­nen (und wenn ja, wie und wo?), oder wird man mit die­sem Ta­lent ge­bo­ren? Es sieht nach rei­nem Spiel und pu­rem Ver­gnü­gen der Schau­spie­ler aus, es sieht nach ei­nem klei­nen Spa­zier­gang über die Büh­ne aus – und ist doch ei­ne Höchst­leis­tung an Kon­zen­tra­ti­on, Spon­ta­ni­tät, Krea­ti­vi­tät und In­tel­li­genz.

Das Im­pro­vi­sa­ti­ons­thea­ter Spring­maus aus Bonn war am Ni­ko­laus­abend zu Gast im Wick­ra­ther Kunst­werk und hat­te sie al­le im Griff: das ge­sam­te Pu­bli­kum und ins­be­son­de­re Si­mon, Ve­re­na, Chris­ti­na und Ni­na, An­na und Frank, Pe­tra und Heinz – die Mi­tak­teu­re und Stich­wort­ge­ber aus den ge­füll­ten Rei­hen des Saals. Pas­send zur Jah­res­zeit heißt das Pro­gramm der Spring­mäu­se: „Mer­ry Christ­maus“– so wie Ma­ria und Jo­sef auf der Su­che nach ei­ner Her­ber­ge zu im­pro­vi­sie­ren hat­ten, so im­pro­vi­sie­ren die Spring­mäu­se eben auch.

Oh­ne das Pu­bli­kum aber wür­de ein Im­pro­vi­sa­ti­ons­thea­ter schon gar nicht funk­tio­nie­ren, wird die­ses doch im­mer wie­der auf­ge­for­dert, Ide­en zu lie­fern, Stich­wor­te in den Raum zu ru­fen, wird auf­ge­for­dert, zu sin­gen, sei­nen Na­men zu nen­nen – und wird bei al­ler Ul­ke­rei doch im­mer re­spekt­voll be­han­delt. Und wenn man schon fragt, dann muss man auch tun, was das Pu­bli­kum sagt: Wenn es als Stil für ei­nen Sketch Bol­ly­wood wünscht, wird Bol­ly­wood ge­lie­fert, auch wenn ei- ner der Schau­spie­ler nicht ganz ernst­haft pro­tes­tiert: „Du musst doch nicht je­den Sch… an­neh­men!“

Nor­bert Frieling, Paul Hon­bach, Mar­vin Meinold und San­dra Sprün­ken sind ein ein­ge­spiel­tes und pro­fes­sio­nel­les Team, das den Abend mit gro­ßem Ver­gnü­gen und lei­den­schaft­li­chem En­ga­ge­ment und ei­nem gu­ten Ge­dächt­nis ge­stal­tet. Letz­te­res stell­ten sie in ih­rer Zu­ga­be un­ter Be­weis, als en pas­sant al­le Stich­wor­te und Spiel­an­läs­se des zu­rück­lie­gen­den Abends noch zu ei­nem wit­zi­gen Pot­pour­ri ver­wurs­telt wur­den.

Das Pu­bli­kum lenkt den Abend mit: Ein Gast aus dem Pu­bli­kum be­stimmt zum Bei­spiel, dass die Ak­teu­re fin­nisch zu spre­chen ha­ben, was sie sou­ve­rän zu tun vor­ge­ben. Dass sie ei­ne Talk­run­de über den neu­en Weih­nachts­brauch „Brenn­holz ver­lei­hen“ab­hal­ten und da­bei von ei­nem Ge­bär­den­dol­met­scher über­setzt wer­den – das Pu­bli­kum kann sich vor La­chen kaum hal­ten. Der Pia­nist un­ter den vier Im­pro­vi­sa­teu­ren, Paul Hon­bach, be­geis­tert den Saal durch sei­ne Va­ria­ti­on des Lie­des „Sei ge­grüßt, lie­ber Ni­ko­laus“(vor­ab von ei­ni­gen Frau­en aus dem Pu­bli­kum dar­ge­bracht) im Stil von Bach, Beet­ho­ven, Mo­zart, Grö­ne­mey­er, Jazz und Rock – na­tür­lich al­le vom Pu­bli­kum ge­wünscht.

Man wer­fe den Spring­mäu­sen drei Wor­te hin: Sie ma­chen ein Musical dar­aus: Kann man so et­was ler­nen (und wenn ja, wie und wo?) oder wird man mit die­sem Ta­lent ge­bo­ren?

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