Ver­ant­wor­tung für den letz­ten Wil­len

Um Streit un­ter den Er­ben zu ver­mei­den oder Ver­mächt­nis­se und Auf­la­gen wirk­lich durch­zu­set­zen, bie­tet sich die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung an.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON PATRICK PE­TERS

Wer ein Tes­ta­ment auf­setzt, hat in al­ler Re­gel ge­naue Vor­stel­lun­gen, wie mit sei­nem Er­be um­ge­gan­gen wer­den soll. Doch nicht im­mer wird aus dem letz­ten Wil­len deut­lich, was der Erb­las­ser ei­gent­lich ge­nau aus­sa­gen will. Dann kommt es mög­li­cher­wei­se zum gro­ßen Rät­sel­ra­ten, und die Vor­stel­lun­gen des Ver­stor­be­nen wer­den viel­leicht nicht um­ge­setzt. „Aber auch bei per­fekt for­mu­lier­ten letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen kann es zu Streit un­ter den Mi­ter­ben kom­men oder der Er­be wei­gert sich, an­ge­ord­ne­te Ver­mächt­nis­se und Auf­la­gen im Rah­men der Ver­mö­gens­nach­fol­ge zu er­fül­len“, sagt Vic­to­ria Rie­del, die un­ter dem Kanz­lei­na­men „Schö­ner Er­ben“in Düsseldorf bei al­len Rechts­fra­gen rund um Er­ben und Ver­er­ben be­rät.

„Die Kon­se­quen­zen, die aus ei­nem un­kla­ren Tes­ta­ment oder der Wei­ge­rung zur Um­set­zung des tes­ta­men­ta­ri­schen Wil­lens er­wach­sen kön­nen, sind viel­fäl­tig und nicht sel­ten ne­ga­tiv.“Die­se reich­ten von der Ge­fähr­dung des Fa­mi­li­en­frie­dens bis hin zur un­ge­woll­ten Zer­split­te­rung des Ver­mö­gens, be­tont die Rechts­an­wäl­tin. Da­vor kön­nen sich Erb­las­ser aber schüt­zen. „Im Rah­men ei­ner Tes­ta­ments­voll­stre­ckung über­nimmt der Tes­ta­ments­voll­stre­cker – in der Re­gel ist dies ein ver­sier­ter Rechts­an­walt als Ver­trau­ter des Erb­las­sers – die Ver­ant­wor­tung für die Nach­las­sab­wick­lung be­zie­hungs­wei­se -ver­wal­tung“, sagt Vic­to­ria Rie­del. Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker ist laut Bür­ger­li­chem Ge­setz­buch (§ 2203) ver­pflich­tet, die letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen des Erb­las­sers zur Aus­füh­rung zu brin­gen. Da­mit ob­liegt ihm die Ver­ant­wor­tung, die Ver­tei­lung des Ver­mö­gens zu ko­or­di­nie­ren und den wei­te­ren Um­gang mit dem Ver­mö­gen in der Er­ben­ge­ne­ra­ti­on zu kon­trol­lie­ren.

„Das klingt nach ei­ner gu­ten Lö­sung, die Er­ben in ei­ner Zeit der Trau­er von den Auf­ga­ben rund um die Or­ga­ni­sa­ti­on der Erb­schaft zu ent­bin­den und Kon­flikt­po­ten­zia­le zu re­du­zie­ren. Auch kann ei­ne Tes­ta­ments­voll­stre­ckung die lang­fris­ti­ge Ver­sor­gung min­der­jäh­ri­ger oder Er­ben mit Han­di­caps ga­ran­tie­ren“, nennt Vic­to­ria Rie­del Vor­tei­le der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung.

Ge­ra­de des­halb kennt sie aus der Pra­xis her­aus die Punk­te, die im­mer wie­der im Rah­men der Voll­stre­ckung zu Schwie­rig­kei­ten füh­ren kön­nen. Da ist zum ei­nen die Person des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers an sich. „Er soll­te mit viel Be­dacht aus­ge­sucht wer­den. Schließ­lich wird der Tes­ta­ments­voll­stre­cker mit ei­ner sehr wich­ti­gen Auf­ga­be be­traut, die sich nicht mal eben so ab­wi­ckeln lässt. Zu fach­lich ein­wand­frei­en Er­fah- Vic­to­ria Rie­del Rechts­an­wäl­tin run­gen soll­te des­halb im­mer auch ei­ne ge­fes­tig­te Per­sön­lich­keit tre­ten, die sich nicht von au­ßen be­ein­flus­sen lässt und un­ter Druck kei­ne fal­schen Ent­schei­dun­gen trifft.“

Zum an­de­ren soll­te der Erb­las­ser sei­nem Tes­ta­ments­voll­stre­cker auch stra­te­gi­schen Weit­blick zu­trau­en. Denn nur dann könn­ten die An­ord­nun­gen tat­säch­lich so durch­ge­setzt wer­den, wie der Ver­stor­be­ne sie er­dacht ha­be. „Der Erb­las­ser soll­te sein Tes­ta­ment dem­ent­spre­chend so klar wie mög­lich for­mu­lie­ren, auch mit der Hil­fe ei­nes Be­ra­ters. Das re­du­ziert eben­falls die Feh­ler- an­fäl­lig­keit.“Vic­to­ria Rie­del weist zu­dem auf die zeit­li­che Be­schrän­kung der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung hin. Sie ist ma­xi­mal 30 Jah­re gül­tig be­zie­hungs­wei­se bis zum To­de des Er­ben oder des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers (oder bis zum Ein­tritt ei­nes an­de­ren Er­eig­nis­ses in der Person des ei­nen oder des an­de­ren). „Das heißt kon­kret: Kei­nes­falls über­dau­ert die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung al­le Zei­ten, sie ist im­mer be­grenzt.“

„Die Kon­se­quen­zen aus ei­nem un­kla­ren Tes­ta­ment sind oft

ne­ga­tiv“

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Ein­wand­freie be­ruf­li­che Er­fah­run­gen, ei­ne ge­fes­tig­te Per­sön­lich­keit und stra­te­gi­schen Weit­blick: Die­se Ei­gen­schaf­ten soll­te ein Tes­ta­ments­voll­stre­cker mit­brin­gen.

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Vic­to­ria Rie­del ist Tes­ta­ments­voll­stre­cke­rin und küm­mert sich dar­um, dass der letz­te Wil­le in die Tat um­ge­setzt wird.

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