Fortuna ver­schafft sich Luft

Die Düs­sel­dor­fer set­zen sich 1:0 ge­gen Ein­tracht Braun­schweig durch. Bei der Trai­ner­su­che be­fin­det sich der Zweit­li­gist in der ent­schei­den­den Pha­se. Ne­ben Jos Lu­hu­kay und Holger Sta­nislaw­ski ist noch Horst Stef­fen im Ren­nen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON BERND JOLITZ

DÜSSELDORF Fortuna Düsseldorf hat ei­nen gro­ßen Schritt in Rich­tung Ta­bel­len­mit­tel­feld der 2. Fuß­ball-Bun­des­li­ga ge­macht. Im zwei­ten Spiel un­ter In­te­rims­trai­ner Pe­ter Her­mann ge­lang mit dem 1:0 über Ein­tracht Braun­schweig der zwei­te Sieg. Der Er­folg war um­so wert­vol­ler, als die Düs­sel­dor­fer ihn über wei­te Stre­cken in Un­ter­zahl er­kämp­fen muss­ten: Be­reits in der 57. Mi­nu­te hat­te Ka­pi­tän Ka­rim Hag­gui we­gen wie­der­hol­ten Foul­spiels die Gelb-Ro­te Kar­te ge­se­hen.

Maß­geb­lich für den Sieg war die er­neu­te Stei­ge­rung, die Fortuna im De­fen­siv­spiel zeig­te. Be­reits beim 2:1-Er­folg in Frankfurt acht Ta­ge zu­vor hat­te die Her­mann-Trup­pe kom­pak­ter ge­stan­den als un­ter dem in­zwi­schen be­ur­laub­ten Chef­coach Frank Kra­mer, und die­sen Trend setz­te sie kon­se­quent fort. Zu­dem ge­lang dem fin­ni­schen Na­tio­nal­spie­ler Jo­el Poh­jan­pa­lo, in der Vor­sai­son ei­ner der ge­fähr­lichs­ten Tor­jä­ger der zwei­ten Li­ga, im letz­ten Hin­run­den­spiel end­lich der ers­te Tref­fer der Spiel­zeit. Poh­jan­pa­lo war eben­so wie Oli­ver Fink neu ins Team ge­kom­men, da Her­mann auf Ke­rem De­mir­bay (ge­sperrt) und Di­dier Ya Ko­n­an (er­krankt) ver­zich­ten muss­te. Bei­de mach­ten ih­re Sa­che her­vor­ra­gend und schu­fen da­mit wie ih­re Kol­le­gen der Fortuna ei­ne or­dent­li­che Aus­gangs­po­si­ti­on für die letz­ten bei­den Par­ti­en vor der Win­ter­pau­se.

Be­vor ges­tern Abend end­lich wie­der Fuß­ball ge­spielt wur­de, ha­ben sie bei Fortuna ei­ne Men­ge Ge­sprä­che ge­führt. Kein Wun­der – schließ­lich sucht der Klub ei­nen Vor­stands­vor­sit­zen­den, min­des­tens ein wei­te­res Vor­stands­mit­glied und auch noch ei­nen Chef­trai­ner. Da gibt es viel zu ver­han­deln. Und manch­mal sind die Ge­sprä­che über die Be­set­zung all die­ser Pos­ten so­gar mit­ein­an­der ver­quickt.

Auf die­se Wei­se kam der spek­ta­ku­lä­re Fall vom Sonn­tag­abend zu­stan­de. Da wur­de Chris­toph Daum als Trai­ner ins Spiel ge­bracht. Doch ab­ge­se­hen da­von, dass der frü­he­re Köl­ner in ei­ner Ge­halts­klas­se spielt, in die der Zweit­li­gist von rhein­ab­wärts kaum dürf­te vor­sto­ßen kön­nen, soll es tat­säch­lich mal ei­ne Son­die­rungs­run­de in Sa­chen Daum ge­ge­ben ha­ben. Hin­ter­grund: Im Rah­men der Vor­stands­su­che hat­te sich ein – in­zwi­schen längst durch­ge­fal­le­ner – Kan­di­dat ins Spiel ge­bracht, der Daum als Chef­coach mit­brin­gen woll­te. Ein Fortuna-Be­auf­trag­ter soll sich das Gan­ze des­halb pflicht­be­wusst mal an­ge­hört ha­ben, doch dann war der Spuk auch ganz schnell wie­der be­en­det.

Ganz so ver­zwei­felt sind sie bei Fortuna of­fen­bar doch noch nicht. Wie un­se­re Re­dak­ti­on er­fuhr, sind noch drei Kan­di­da­ten im Ren­nen: Jos Lu­hu­kay, Holger Sta­nislaw­ski und Horst Stef­fen. Es gibt je­doch ein Pro­blem, denn Top-Kan­di­dat Lu­hu- kay spielt ein we­nig auf Zeit, da ein Trai­ner­pos­ten in der Ers­ten Li­ga un­be­setzt ist – der des VfB Stuttgart. Zu­dem wa­ckeln die Stüh­le von Micha­el Front­zeck (Han­no­ver 96) und Vic­tor Skrip­nik (Wer­der Bre­men), und ein Ver­trag in der deut­schen Eli­te­klas­se ist dann doch deut­lich lu­kra­ti­ver als ei­ner der­zeit in Düsseldorf.

Auf der an­de­ren Sei­te ist Fortuna in Zeit­not, denn In­te­rims­trai­ner Pe­ter Her­mann macht Druck. Nicht et­wa, weil er sich selbst zü­gig als Chef­coach in­thro­ni­siert se­hen möch­te – im Ge­gen­teil, der 63-Jäh­ri­ge hat kei­ne Lust dar­auf, in der ers­ten Rei­he zu ste­hen. Mög­li­cher­wei­se kön­nen der kom­mis­sa­ri­sche Vor­sit­zen­de Paul Jä­ger und Sport­di­rek- tor Ra­chid Az­zou­zi Her­mann über­re­den, noch ein wei­te­res Spiel in der Über­gangs­rol­le zu ver­brin­gen. Das wä­re dann der Rück­run­den-Auf­takt ge­gen Uni­on Ber­lin am Sams­tag, doch schon das wä­re ein Ent­ge­gen­kom­men des „ewi­gen Co-Trai­ners“.

Wahr­schein­li­cher ist, dass schon in den nächs­ten Ta­gen die Ent­schei­dung fällt. Die schlech­tes­ten Chan­cen hat da­bei Stef­fen, den Fortuna zwar schon im Som­mer woll­te, der da­mals aber bei den Stutt­gar­ter Ki­ckers im Wort stand. In­zwi­schen wur­de er dort zwar be­ur­laubt, aber als Trai­ner­typ äh­nelt er wohl doch zu sehr dem kürz­lich ge­schass­ten Frank Kra­mer. Gut mög­lich al­so, dass Sta­nislaw­ski, der nach sei­nem bis­lang letz­ten Trai­ner­job in Köln 2013 ei­nen Su­per­markt über­nahm, am En­de der la­chen­de Drit­te wird.

FOTOS: MO­RITZ MÜL­LER, DPA (2), WIECHMANN

Per­fek­te Schuss­tech­nik: Fortu­nas Jo­el Poh­jan­pa­lo zieht zur Füh­rung ge­gen Ein­tracht Braun­schweig ab.

Jos Lu­hu­kay

Horst Stef­fen

Holger Sta­nislaw­ski

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