NRW-Po­li­zei hilft Grie­chen bei EU-Grenz­si­che­rung

Für ei­ne bes­se­re Kon­trol­le der EU-Au­ßen­gren­ze ent­sen­det die Ber­li­ner Re­gie­rung erst­mals Spe­zia­lis­ten aus den Bun­des­län­dern.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

DÜSSELDORF/AT­HEN Zum ers­ten Mal seit Be­ste­hen der Grenz­schutz­Agen­tur Fron­tex der Eu­ro­päi­schen Uni­on wer­den zum Schutz der EUAu­ßen­gren­ze deut­sche Lan­des­po­li­zis­ten ein­ge­setzt. „Sie wer­den be­son­ders für den Auf­bau der neu­en Re­gis­trie­rungs­stel­len für Flücht­lin­ge, der so­ge­nann­ten Hots­pots, an der Küs­te Grie­chen­lands be­nö­tigt“, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP), Jörg Ra­dek. Rund 50 Po­li­zis­ten aus den 16 Bun­des­län­dern sind schon seit ei­ni­gen Ta­gen für die Grenz­si­che­rung im Ein­satz. Das ge­sam­te Kon­tin­gent um­fasst 150 Lan­des­po­li­zis­ten. Die meis­ten be­fin­den sich noch in der Aus­bil­dung für den Ein­satz, dar­un­ter 14 NRW-Po­li­zis­ten. „Sie wer­den für den Er­ken­nungs­dienst ge­braucht, neh­men un­ter an­de­rem Fin­ger­ab­drü­cke und füh­ren Ver­neh­mun­gen mit Schlep­pern“, sag­te Ra­dek.

Seit Mo­na­ten rei­sen Hun­dert­tau­sen­de Flücht­lin­ge un­ge­ord­net über die Ägä­is von der Tür­kei in den Schen­gen-Raum ein. Über die Bal­kan-Rou­te mar­schie­ren sie dann meist zu Fuß wei­ter bis nach Deutsch­land und Skan­di­na­vi­en. Wo­chen­lang hat­te Grie­chen­land die Hil­fe der Agen­tur Fron­tex zur Grenz­si­che­rung ab­ge­lehnt. In At­hen lenk­te man erst ein, nach­dem die EU den Grie­chen mit dem fak­ti­schen Aus­schluss aus dem Schen­gen-Raum ge­droht hat­te.

Nun sol­len die neu ent­ste­hen­den „Hots­pots“da­bei hel­fen, den Flücht­lings­strom zu dros­seln. Sie wer­den an den zen­tra­len Küs­ten­or­ten in Ita­li­en und Grie­chen­land er­rich­tet, wo die meis­ten Flücht­lin­ge stran­den. Die Asyl­su­chen­den sol­len dort schnel­ler re­gis­triert und in­ner­halb der EU ver­teilt wer­den. Zu­dem wer­den sie iden­ti­fi­ziert und kön­nen ei­nen Asyl­an­trag stel­len. Auch wird di­rekt dar­über ent­schie­den, ob sie so­fort wie­der in ihr Hei­mat­land zu­rück­müs­sen. „Das ist ei­ne ver­nünf­ti­ge Maß­nah­me und hilft uns wei­ter“, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Vor- sit­zen­de der CDU-Land­tags­frak­ti­on, Pe­ter Bie­sen­bach. „So wer­den die Per­so­nen früh­zei­tig er­fasst, die kei­ne Per­spek­ti­ve auf ein dau­er­haf­tes Blei­be­recht in der EU ha­ben“, er­gänz­te der CDU-Po­li­ti­ker.

Noch be­fin­den sich die meis­ten die­ser Re­gis­trie­rungs­stel­len im Auf­bau. Bis En­de des Jah­res sol­len schon elf von ih­nen ste­hen. Doch bis­lang fehl­te es an Fach­per­so­nal. Die­se Lü­cke sol­len nun die Lan­des­po­li­zis­ten mit ih­rer er­ken­nungs­dienst­li­chen Er­fah­rung schlie­ßen. Die deut­schen Po­li­zis­ten sam­meln Da­ten und In­for­ma­tio­nen über il­le­ga­le Mi­gra­ti­on und grenz­über­schrei­ten­de Kri­mi­na­li­tät wie zum Bei­spiel Men­schen­han­del oder Schmug­gel von Wa­ren und wer­ten die­se dann aus. „Das heißt, dass sie zum Bei­spiel In­for­ma­tio­nen über ver­däch­ti­ge Per­so­nen­grup­pen, die et­wa aus Af­gha­nis­tan kom­men, di- rekt nach Deutsch­land wei­ter­ge­ben und so die deut­schen Be­hör­den vor­war­nen, was auf sie zu­kom­men kann“, er­klärt Ra­dek.

Laut Ge­setz dür­fen nur Bun­des­po­li­zis­ten für die 2005 ge­grün­de­te Grenz­schutz-Agen­tur ar­bei­ten. Da­mit die Lan­des­be­am­ten das auch kön­nen, wen­det die Bun­des­re­gie­rung ei­nen le­ga­len Trick an. „Sie wer­den ein­fach für die Dau­er des Ein­sat­zes zur Bun­des­po­li­zei ver­setzt“, heißt es aus Po­li­zei­krei­sen. Da­für be­darf es nur der Zu­stim­mung des Haupt­per­so­nal­ra­tes. Für den Di­enst im Aus­land kom­me in Fra­ge, wer per­fek­tes Ge­schäfts­eng­lisch spre­che und die Ge­ge­ben­hei­ten des Lan­des ken­ne, in dem er ein­ge­setzt wer­de. Die Be­reit­schafts­kräf­te wer­den dann in ei­ner Po­li­zei­schu­le in Brühl bei Köln auf ih­ren Aus­lands­ein­satz vor­be­rei­tet. Die Schu­lung dau­ert in der Re­gel zwei bis drei Wo­chen. Dann geht es meist di­rekt ins Ein­satz­ge­biet – oft­mals für meh­re­re Mo­na­te.

Die Grenz­schutz-Agen­tur Fron­tex ko­or­di­niert seit elf Jah­ren Ein­sät­ze der Mit­glied­staa­ten an den Lan­des-, See- und Flug­ha­fen-Au­ßen­gren­zen der EU. „Ziel ist es, ein ho­hes und ein­heit­li­ches Ni­veau der Grenz­über­wa­chung und der Per­so­nen­kon­trol­len zu er­rei­chen“, er­klär­te ein Spre­cher der Agen­tur, die ih­ren Haupt­sitz in Po­len hat. Die deut­schen Po­li­zis­ten han­deln in den Ein­satz­ge­bie­ten of­fi­zi­ell als Po­li­zei­oder Grenz­schutz­be­am­ter des je­wei­li­gen Staa­tes, in dem sie ein­ge­setzt sind – nicht als Bun­des­po­li­zis­ten oder als „Fron­tex-Be­am­te“.

Deutsch­land und Frank­reich hat­ten erst am Wo­che­n­en­de an die EUKom­mis­si­on ap­pel­liert, an­ge­sichts von Flücht­lings­kri­se und er­höh­ter Ter­ror­ge­fahr auf „sys­te­ma­ti­sche Kon­trol­len von EU-Bür­gern an den Au­ßen­gren­zen des Schen­gen­Raums“hin­zu­wir­ken. Er­for­der­lich sei „ei­ne ge­ziel­te Re­form des Grenz­ko­dex“, hieß es in ei­nem ge­mein­sa­men Brief der In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) und Ber­nard Ca­ze­neuve. Leit­ar­ti­kel

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