Das Ef­fi­zi­enz­team – die Ar­ro­ganz der Macht

Die Re­gie­rung ver­wei­gert der Op­po­si­ti­on Aus­kunft über dis­ku­tier­te Spar­plä­ne und be­ruft sich auf den ge­schütz­ten Be­reich des Re­gie­rungs­han­delns. Nächs­te Wo­che wird der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof über den kniff­li­gen Fall ent­schei­den.

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Die po­li­ti­sche Ge­wal­ten­tei­lung ist ein We­sens­merk­mal der De­mo­kra­tie und um­fasst drei Be­rei­che: Le­gis­la­ti­ve (Par­la­ment), Exe­ku­ti­ve (Re­gie­rung) und Ju­ris­dik­ti­on (Ge­rich­te). Die­se strik­te Glie­de­rung gilt für die Bun­des­ebe­ne eben­so wie fürs Land. Der Land­tag ver­ab­schie­det die Ge­set­ze, nach de­nen sich die Lan­des­re­gie­rung zu rich­ten hat. Ver­stößt sie da­ge­gen, ist das ein Fall für das Ver­fas­sungs­ge­richt. So weit die Theo­rie.

In der Pra­xis ver­schwimmt al­ler­dings die Gren­ze zwi­schen Le­gis­la­ti­ve und Exe­ku­ti­ve. Neh­men wir NRW: Han­ne­lo­re Kraft ist ei­ner­seits Re­gie­rungs­che­fin und ge­hört an­de­rer­seits der SPD-Land­tags­frak­ti­on an. Na­tür­lich in­for­miert Kraft die Spit­zen­ge­nos­sen bei­zei­ten über ih­re Plä­ne, denn schließ­lich ist sie auf de­ren Mit­tun im Par­la­ment an­ge­wie­sen. Auch gilt es, den grü­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner ein­zu­be­zie­hen. Das heißt: Die Land­tags­frak­tio­nen von SPD und Grü­nen sind be­reits bes- tens in­for­miert, be­vor et­wa ein par­la­men­ta­ri­sches Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren in Gang kommt.

Je­de Re­gie­rung ist zu­dem dar­auf be­dacht, dass von Be­ra­tun­gen im in­ners­ten Zir­kel nichts nach au­ßen dringt. Über den Ver­lauf von Ka­bi­netts­sit­zun­gen er­fährt man in der Re­gel so gut wie nichts. Das ist für Jour­na­lis­ten zwar be­dau­er­lich, aber ir­gend­wie nach­voll­zieh­bar.

Doch auch hier gibt es Grenz­fäl­le. Rot-Grün hat­te 2011 ein so­ge­nann­tes Ef­fi­zi­enz­team ge­bil­det, das im Lan­des­haus­halt nach Ein­spar­mög­lich­kei­ten fahn­den soll­te. Die­sem Gre­mi­um ge­hör­ten Re­gie­rungs­mit­glie­der an, Ex­ter­ne so­wie Spit­zen­ver­tre­ter der bei­den Frak­tio­nen von SPD und Grü­nen. Das brach­te die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en auf die Pal­me, die das als Ver­mi­schung der Ge­wal­ten­tei­lung und als ei­nen un­zu­läs­si­gen In­for­ma­ti­ons­vor­sprung der bei­den Re­gie­rungs­frak­tio­nen wer­te­te. Ih­re Fra­gen, wel­che Plä­ne im Ef­fi­zi­enz­team ei­gent­lich er­ör­tert wor- den sei­en, schmet­ter­te die Lan­des­re­gie­rung je­doch mit dem Hin­weis auf den zu schüt­zen­den „Kern­be­reich von Re­gie­rungs­han­deln“ab. Da schim­mer­te sie wie­der durch, die alt­be­kann­te Ar­ro­ganz der Macht, die die Ge­nos­sen bis 2005 in 39 Re­gie­rungs­jah­ren zur Hoch­blü­te ge­trie­ben ha­ben.

Hat die Op­po­si­ti­on ein Recht auf die­se In­for­ma­tio­nen, zu­mal die an­de­ren Par­la­ments­frak­tio­nen ja auch „ein­ge­weiht“wa­ren? Da­zu wird der von CDU, FDP und Pi­ra­ten an­ge­ru­fe­ne Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in Müns­ter am Di­ens­tag sein Ur­teil ver­kün­den. Da­bei geht es ums Prin­zip; von der Sa­che her wä­re der Auf­wand kaum zu recht­fer­ti­gen. Denn nach jah­re­lan­gem Krei­ßen hat der Berg „Ef­fi­zi­enz­team“le­dig­lich ein dür­res Spar­mäus­chen ge­bo­ren. Kein Wun­der, dass Kri­ti­ker nur noch vom „In­ef­fi­zi­enz­team“re­den.

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