Ge­set­zes­än­de­rung könn­te AfD in Fi­nanz­nö­te stür­zen

Mit ei­ner Ver­schär­fung der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung un­ter­bin­den Uni­on und SPD den lu­kra­ti­ven Gold­han­del der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ

BER­LIN Vom 1. Ja­nu­ar an soll nach dem Wil­len von Uni­on und SPD je­der Wäh­ler für die Schatz­meis­ter der Par­tei­en mehr wert sein. Dann gibt es für je­de Stim­me 85 statt 70 Cent, für die ers­ten vier Mil­lio­nen Stim­men so­gar je ei­nen Eu­ro statt 85 Cent. Das ent­spre­che der Preis­ent­wick­lung seit der letz­ten An­pas­sung vor 13 Jah­ren, ar­gu­men­tie­ren die Ko­ali­tio­nä­re. Im Vor­bei­ge­hen wol- len sie zu­dem ein Schlupf­loch schlie­ßen, das die Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land ent­deckt hat­te – und das wie­der­um könn­te die AfD nun ins Sch­lin­gern brin­gen.

Be­vor die staat­li­chen Mit­tel näm­lich ver­teilt wer­den, ver­langt das Par­tei­en­gesetz den Nach­weis, dass die Emp­fän­ger nicht al­lein von Staats­geld le­ben, son­dern dass sie min­des­tens so vie­le ei­ge­ne Ein­nah­men ha­ben, wie ih­nen über die so­ge­nann­te Wahl­kampf­kos­ten­er­stat­tung zu­sätz­lich zu­ste­hen. Das kön­nen Mit­glieds­bei­trä­ge, Spen­den oder Ein­nah­men aus sons­ti­gen Ge­schäf­ten sein. Das hat­te die AfD auf die Idee ge­bracht, künst­lich fi­nan­zi­el­le Ver­fü­gungs­mit­tel zu ge­ne­rie­ren, in­dem sie ins Gold-Ge­schäft ein­stieg. Dem Ver­neh­men nach ka­men zwei Mil­lio­nen Eu­ro zu­sam­men – auf dem Pa­pier, denn die Kos­ten für die Gold­be­schaf­fung muss­te die Par­tei nicht ge­gen­rech­nen. Künf­tig soll bei der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung aber nur noch die Sum­me der Ein­nah­men nach Ab­zug der Aus­ga­ben be­rück­sich­tigt wer­den. Und da­mit kol­la­biert das gol­de­ne Kon­strukt der AfD. Der La­den lief so gut, dass die Gold­mün­ze „1 Deut­sche Mark“für je 550 Eu­ro längst aus­ver­kauft ist. Ver­füg­bar sind der­zeit noch reich­lich Gold­bar­ren für 41 bis 3445 Eu­ro. Auf­ge­schreckt von den Ko­ali­ti­ons­plä­nen zur Ge­set­zes­no­vel­le, ver­sieht die AfD den Be­stell­shop nun mit ei­nem Warn­hin­weis: Wer die AfD för­dern wol­le, wer­de ge­be­ten, „an­statt ei­nes Gold­kau­fes uns mit der Spen­de zu un­ter­stüt­zen“.

Ge­set­ze dür­fen grund­sätz­lich nicht rück­wir­kend in Kraft tre­ten. In­so­fern hät­te die AfD ei­gent­lich ge­nü­gend Zeit, sich für 2016 an die neu­en Vor­ga­ben an­zu­pas­sen. Doch die Ju­ris­ten der Ko­ali­ti­ons­frak­tio­nen hal­ten es für mög­lich, die 2016 ab­zu­ge­ben­den Re­chen­schafts­be­rich­te für 2015 be­reits den neu­en Re­geln zu un­ter­wer­fen. Und das be- deu­tet, dass das schö­ne vie­le Gold der AfD aus 2015 bei der Be­rech­nung der nächs­ten Ab­schlags­zah­lun­gen schon nichts mehr wert sein wird. Par­tei­vi­ze Bea­trix von Storch fürch­tet schon, dass die AfD bank­rott ist, wenn sie nicht schnell zwei Mil­lio­nen an Spen­den ein­treibt. Doch auch das Ge­gen­teil ist mög­lich. Mehr Mit­glie­der, mehr Spen­den und im März vor­aus­sicht­lich auch viel mehr Wäh­ler könn­ten bei der AfD ei­nen Geld­re­gen aus­lö­sen.

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